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BEGEGNUNGSTAGUNG 2010 in der Ev. Akademie Arnoldshain
Faszination Buddhismus
Erfahrungen im christlich-biddhistischen Dialog
17. - 19. Februar 2010
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Martin Repp
Was macht die Faszination des Buddhismus
unter Abendländern aus?
[ . . . ] Wenn man
diese persönlichen Äußerungen zur Hinwendung zum Buddhismus analysiert, lassen
sich einige Schlussfolgerungen ziehen sowohl in Bezug auf die gegenwärtige
gesellschaftliche Situation (1.) wie auch bezüglich der heutigen religiösen
Lage [...]:
1. Einige dieser Äußerungen weisen auf folgende gravierende Defizite der
modernen Gesellschaft hin:
1.1 Der stress von Leistungsgesellschaft, die Schnell-Lebigkeit und die Hast
des modernen (Arbeits-)Lebens überfordert offenbar viele Einzelne. Dies
verlangt nach Gegengewichtung oder anderen Formen der Bewältigung solcher
Probleme.
1.2 Die Vereinzelung und Auflösung von Gemeinschaft (Ehe, Familie) resultiert
in Verunsicherung der eigenen Identität sowie in verstärkten persönlichen
Krisen psychologischer und sozialer Art. Dies verlangt nach alternativen Formen
von Lebensstil und Gemeinschaft.
1.3 Der Verlust oder Abbruch von Tradition in religiöser und moralischer
Sozialisation bzw. Erziehung trägt wesentlich zur Entwurzelung von Menschen
bei. Dies verlangt nach neuen Möglichkeiten der Orientierung wie auch Einübung.
Die Anthropologin
Ina-Maria Greverus stellt in einer Untersuchung zur New Age Bewegung fest: Die
Gesellschaft funktioniert nicht mehr als "sinnstiftende und
sinnvermittelnde Instanz des objektiven Sinns“. (Zit. bei Werthmann 158) Dies
stellt erneut die Frage nach der Rolle von Religion und Religiosität in der
modernen Gesellschaft. Offenbar hat Religion zunehmend ihre Integrationskraft
verloren angesichts von Schnell-Lebigkeit, Pluralisierung und Segmentierung der
modernen Lebenswelten. “Das Sinndefizit moderner Industriegesellschaften wird auch
zunehmend als Frage nach der religiösen Dimension des gesellschaftlichen Lebens
formuliert.“ (Werthmann 161)
2. Andere Äußerungen weisen auf bestimmte Defizite des Christentums bzw. der
Kirche in der heutigen Form:
2.1 Religiös suchende Menschen haben zunächst einmal kognitive Probleme mit dem
christlichen Glauben bzw. den Dogmen: Gegenüber den Widersprüchen in
christlichen Lehren (wie bei der Theodizee, usw.) erscheinen die Lehren des
Buddhismus (wie Karma, Reinkarnation, etc.) einfacher und plausibel. Die
Probleme, die moderne Menschen mit dem theistischen Gottesglauben (Gott als
Person, Vater) haben, stellen sich im Buddhismus (zumindest auf den ersten
Blick) nicht. Freilich ist christlicher Glaube oft mißverstanden als “Glaube an
Dogmen“ anstelle von Glaube an Gott oder Jesus. Offenbar besteht noch weithin
die Auffassung, ein (aus der Orthodoxie stammendes) "Glauben daß ..."
oder ein "blinder Glaube" mache den christlichen Glauben aus. Auch
meinen manche, das Problem (oder der “Widerspruch“) von Glaube und Wissenschaft
stelle sich nur im Christentum, nicht aber im Buddhismus. Auf derartige Fragen
haben bereits Theologen mehr oder minder befriedigende Antworten gegeben, aber
sie scheinen offenbar noch nicht durch religiöse Erziehung, Predigt und Seelsorge
an der Basis (in verständlicher Weise) angelangt zu sein.
2.2 Ein Stein des Anstoßes bildet die Doppelmoral der Kirche, wenn ihre
Vertreter sich nicht nach dem richten, was sie lehren. Offenbar ist dies nicht
nur ein Grund für viele Kirchenaustritte, sondern auch für die Hinwendung zum
Buddhismus. Hierbei taucht noch das Problem des unangemessenen Vergleichs auf,
das in der Regel übersehen wird. Es wird nämlich die real-existierende Kirche
(die man meint gut zu kennen), mit einem idealisiert-konstruierten Buddhismus
(wie er aus Büchern und anderen Medien vermittelt und konstruiert wird)
unmittelbar verglichen. Wenn abendländische Buddhisten dann mit der
geschichtlichen und gegenwärtigen sozialen Wirklichkeit des Buddhismus in Asien
konfrontiert werden (die in der Regel nicht viel besser ist), geraten sie in
neue Schwierigkeiten. [. . .]. [Vollständiger Text als pdf > hier]
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Martin Repp
Eine Einführung in die Geschichte des Buddhismus
in Deutschland
[…] Von ca. 1800-1950 führten Europäer
diejenigen Formen, Inhalte und Elemente des Buddhismus im Abendland ein, die
ihnen wichtig erschienen. Erst in den letzten 50 Jahren kamen zahlreiche
buddhistische Migranten nach Europa, die ihre sehr alten Traditionen des asiatischen
Buddhismus ins Abendland verpflanzten. Zugleich begannen asiatische Buddhisten
auch damit, in Europa gezielt zu missionieren. Zur Zeit ist der Buddhismus zwar
eine Minderheiten-Religion, aber er gilt als die in Europa am stärksten
wachsende Religion.
Zum Schluss stellt sich die Frage, wie entwickelte sich nun das Verhältnis
zwischen dem Christentum als der traditionellen Religion Europas und dem
Buddhismus als eine von Asien eingeführte Religion? Zusammengefasst kann man
sagen, daß sich folgende vier grundlegende Modelle der Beziehung zwischen
Buddhismus und Christentum entwickelt haben, die sich freilich z.T.
überschneiden.
1. Buddhismus als Ersatz oder "Alternative zum Christentum"
Die Einführung des Buddhismus in Europa und die Phasen seiner zunehmenden
Popularität fallen zusammen mit fundamentalen Krisen des Christentums im
Abendland. Im 19. Jh. mussten sich Kirche und Theologie der Religionskritik der
Aufklärung stellen wie auch ihren Folgen, dem Problem des Auseinanderfallens
von Glauben und Wissen (Philosophie, Naturwissenschaft) und der
naturwissenschaftlichen Kritik am Schöpfungsglauben.
Infolgedessen entwickelte sich insbesondere das protestantische Christentum
selbst immer mehr zu einer "rationalen Religion". Hinzu kamen solche
Folgeerscheinungen der Aufklärung wie die Säkularisierung als dem
Auseinanderfallen von Kultur und Christentum, die Urbanisierung infolge der
Industrialisierung und die zunehmende Auflösung der traditionellen Gesellschaftsformen,
welche in Vereinzelung, Schwächung von traditioneller Moral sowie religiöser
Entwurzelung resultierte. Solche Entwicklungen wurden aufgefaßt als beginnender
"Untergang des Abendlandes". In den genannten Punkten wie
“Vernunftreligion“, neue Moral, Wissenschafts-Verträglichkeit usw. wurde der
Buddhismus als Alternative zum Christentum und Retter Europas entdeckt. Nachdem
der Erste Weltkrieg eine gravierende Vertiefung dieser Entwicklung bewirkt
hatte, verstärkte sich die Kritik am Christentum. Das Dritte Reich und der
Zweite Weltkrieg bewirkten weitere Traditionsabbrüche in Moral und Kirche. Alle
diese, für die Kirche sehr schwächenden Entwicklungsphasen waren begleitet
durch eine positive und zunehmend verstärkte Aufnahme des Buddhismus als
Alternative für die christliche Religion. Der Buddhismus wurde als
"Religion des Friedens und der Toleranz" porträtiert und so in
scharfem Kontrast zu Christentum und Islam gestellt. Damit entwickelte sich de
facto ein kritisches oder gar negatives Verhältnis zwischen beiden
Religionen, auch wenn der Buddhismus unter Christen heute allgemein ein
positives Image hat. […]
[Vollständiger Text als pdf > hier]
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