Pfarrer OGURI Ken
Köln/Bonn, Deutschland









LEBENSLAUF

Name: Ken OGURI
geboren am 12.6.1962 in Iwate, Japan
getauft am 06.04.1980 in der Haramachida Kirche (gehört zum Kyodan)
Schulausbildung:
April 1978 bis März 1981 Oberschule in Tokyo
April 1982 bis März 1986 Rikkyo Universität (Hauptfach: Deutsche Literatur)
April 1986 bis März 1988 Tokyo Union Theological Seminary
April 1988 bis März 1990 Tokyo Union Theological Seminary, Forschungskurs

Verheiratet mit Noriko Oguri(43)
Tochter Fumi (13)

Ordination am 24.01.1993 beim Kirchenbezirk Tokyo des Kyodan
Pfarrer der United Church of Christ in Japan (Kyodan).
Derzeit Pfarrer der Japanischen Evangelischen Gemeinde Köln-Bonn

Beruflicher Werdegang:
April 1990 bis Juni 2001 Pfarrer an der Yotsuya-Shinsei-Kirche in Tokyo
April 1993 bis Juni 2001 Vorsteher des Yotsuya-Shinsei-Kindergartens
Juli 2001 bis heute Pfarrer der Japanische Evangelische Gemeinde Köln-Bonn

Oktober 1996 – September 2001 Mitarbeit im Gesangbuchausschuss des Kyodan

Veröffentlichung:
„Den christlichen Gottesdienst verstehen“ Kirisuto Shimbunsha 2004
(Leicht verständliche Darstellung des christlichen Gottesdienstes für jedermann. Im Mittelpunkt steht der Gottesdienst der japanischen Kirchen, aber auch der Gottesdienst der deutschen Kirche wird kurz vorgestellt.)


Wir werden die Personen, die den Frieden verwirklichen

Predigt anlässlich des Eröffnungsgottesdienstes des Kirchentages japanischer Christen in Europa 2005

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Söhne Gottes heißen. Matthäus 5,9

Als Jesus gefragt wurde, was das wichtigste Gebot im Gesetz sei, antwortete er: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." Das bedeutet, dass wir an unsere Nachbarn denken wie an uns selbst - beispielsweise, was würde es für UNS bedeuten, wenn ein Krieg ausbrechen würde und unsere Kinder, Eltern oder Freunde vor unseren Augen getötet würden...; oder aber, wenn unsere Ehemänner und Söhne eingezogen und nie wieder zurückkehren würden? ... Wenn wir daran ernsthaft denken, können wir einfach nicht erlauben, dass unsere Landsleute hingehen und Kinder, Eltern, Ehemänner oder Ehefrauen in anderen Ländern töten.

Ich glaube, dass ein Mensch und ein anderer Mensch durch die Trauer miteinander verbunden werden können. Japaner haben auch im Krieg viel Trauer erlebt. Wir sollen das nie vergessen. Für die diesjährige Tagung haben wir Frau Hokama (die Mutter eines unserer Gemeindemitglieder) trotz ihres hohen Alters von Okinawa nach Deutschland eingeladen; sie hat selbst dort die „Schlacht um Okinawa“ erlebt und durch sie ein Kind verloren. Sie wird bei dieser Gelegenheit Kindern über ihr Kriegserlebnis erzählen. Außerdem gibt es auch für Interessierte die Gelegenheit, ihren Erlebnisbericht zu hören. Schon seit langem wünschten nicht nur uns, sondern auch den Kindern, unbedingt Geschichten von Erfahrungen des Krieges zu hören. Die Geschichte muss den Generationen weiter erzählt werden, die den Krieg nicht erlebt haben.

In Japan haben viele Leute die Trauer erlebt, ebenso wie in den Nachbarländern Japans, in denen viele Eltern und Kinder durch die japanischen Truppen ums Leben gekommen sind. Die Leute in Asien haben erlebt, dass ihre Ehemänner und Kinder wie ein Stück Vieh vor ihren Augen getötet geworden sind. Ihnen wurden ihr Grundstück, ihre Sprache und Würde geraubt. Die Frauen, die gezwungenerweise als Prostituierte für die japanischen Soldaten tätig waren, tragen immer noch tiefe Verletzungen. Wenn wir an die Protestbewegung gegen Japan in vielen asiatischen Ländern denken, gibt es dafür plausible Gründe: Viele Asiaten, wie Frau Hokama und andere Leute aus Okinawa, können den damaligen Kummer und die Trauer einfach nicht vergessen. Was denken solche Leute, wenn sie ihren Blick auf Japan werfen, in dem die Tatsache des Kriegs in Schulen nicht unterrichtet wird, oder die Personen, die zum Krieg geführt hatten, als Götter angebetet werden? Wir sollen an ihre Lage denken - nicht als Kritiker oder politisch, sondern wie versetzen wir uns in ihre persönliche Lage.

Während wir diese Tagung dem Hauptthema entsprechend vorbereiteten, haben wir viel nachgedacht über dieses Gebet, das am Ende des Programms ausgedruckt ist:

Guter Herr, zeig uns
den Frieden, den wir uns wirklich wünschen sollen,
den Frieden, den wir geben sollen,
den Frieden, den wir wegwerfen sollen,
und jenen Frieden, den Du uns in Jesu Christi gegeben hat.

Was ist überhaupt "der Frieden, den wir wegwerfen sollen"?
Wenn wir nur an unseren eigenen innerlichen Frieden, d.h. den Frieden im engeren Sinne denken, können wir ignorieren, dass der Friede der anderen zerstört wird. Noch strenger gesagt, können wir den Frieden dadurch rauben, dass wir uns in unseren eigenen Frieden zurückziehen... z. B. falls wir zufrieden denken sollten, dass wir überreichlich zu essen haben, so kann dieser Gedanke dazu führen, dass die Lebensmittelvorräte eines anderen Mitmenschen in dieser Welt von uns geplündert werden. In dieser Welt gibt es Menschen, die verhungern... Das ist kein Friedenszustand mehr. Deshalb müssen wir an alle Leute auf der Welt denken, wenn es um den Frieden geht.

Dietrich Bonhoeffer hat unter Einsatz des Lebens nachgedacht und verwirklicht, was die Kirche in einer solchen Situation tun kann. Er war schon früh der Meinung, dass der Einzelne und die Kirchen für den Völkerfrieden und gegen die Staatsgewalt nicht genug widerstehen können. Er hielt die Weltkirche für nötig. Das heißt, dass die Kirchen in der Welt gemeinsam ein Handeln für den Weltfrieden bewerkstelligen können.

In dieser Welt gibt es verschiedene Glaubensarten. Manchmal denken wir, dass es keine Gemeinsamkeit untereinander geben mag. In dieser Situationen aber sollen wir uns nicht voreinander verleugnen, sondern versuchen, unter Anerkennung der Verschiedenheit miteinander zu reden, und die Verwirklichung des Friedens miteinander zu erstreben. Wir denken und behauptet oft: "Das muss die einzige Möglichkeit sein.", oder "Nur ich habe recht." Eine solche hartnäckige Verschlossenheit in die eigene "Gerechtigkeit" kann und hat zur Zerstörung des Friedens geführt.

Für das Hauptthema der diesmaligen Tagung haben wir "den Frieden leben" ausgewählt. Dieses Wort "den Frieden leben" ist eigentlich (japanisch-) grammatikalisch nicht ganz korrekt. Ich habe aber in einem Buch das Wort eines amerikanischen Pazifisten gelesen:

"Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg." (There is no way to peace, peace ist the way.")

Es kann überhaupt keinen kürzesten Weg oder keine technische Methode zum Frieden geben. Es ist auch nicht möglich, dass jemand einen solchen Weg machen kann. Jetzt und hier müssen alle Christen in dieser Welt von unten her den Frieden bilden. Die Verwirklichung des Friedens ist für Christen eine ihrer Grundaufgaben und Bestimmung wie auch Gerechtigkeit zu üben oder das Christentum zu verbreiten. Wir sind - solange wir Christen sind - die Existenz, die im Frieden lebt, der aus Gott kommt, die von den kleinen Beziehungen im Alltag kontinuierlich den Frieden bildet. Das heißt, wir sind die Existenz, die den Frieden lebt.
Amen.



Bücher
"Den christlichen Gottesdienst verstehen"
#Japanisch


キリスト新聞社,
Tokyo
ISBN 4-87395-409-6.

Nebenstehend die Predigt im Eröffnungsgottesdienst
am 4. August 2005.
Kirchentag japanischer evangelischer Gemeinden in Europa, Eringerfeld bei Geseke, Westfalen. Matthäus 5,9.