LEE Chun Sun: Ökumenisches Erzählen

Ökumenisches Erzählen.
Ein Konzept des Erzählens biblischer Geschichte als Form Ökumenischen Lernens.

Religionspädagogische Kontexte und Konzepte Bd. 2

LIT Verlag Münster 1998, 219 Seiten.
Dissertation Universität Siegen 1997
ISBN 3-82583577-4

 

Inhaltsverzeichnis
[in Auszügen]

 

Teil 1: Ökumenisches Lernen

1. Ökumenische Theologie

1.1 Welche Theologie bestimmt das ökumenische Lernen?

1.2 Kritik an der "westlichen Theologie"

1.3 Ökumenische Theologie

1.4 Ökumenische Hermeneutik

 

Teil 2: Ökumenische Theologie; Theologie des Erzählens

2. Narrative Theologie

2.1 Kritische Aufnahme der Narrativen Theologie in der eurozentrischen theologischen Praxis

2.2 Narrative Theologie als selbstkritische Reflexion der europäischen Theologie

2.3 Der befreiungstheologische Ansatz im Plädoyer für die Narrative Theologie von Metz

2.4 Die "Theologie des Erzählens" nach Josef Mautner

2.5 Erzählen: Überzeitliche Sprache für die Kontextualität

2.6 Gott der Geschichte

 

Teil 3: Ökumenisches Erzählen (mit Erzählbeispielen)

3. Minjung-Theologie hier als pdf-Datei (Seite 99-119)

3.1 Minjung-Theologie aus den Geschichten des Leidens

3.2 Minjung-Theologie als Theologie des Erzählens

3.3 "Theologie des Ereignisses" von Byung-Mu Ahn

3.4 Das Jesus-Ereignis

3.5 Erzählen - Minjungsprache - Jesussprache

 

3. Minjung-Theologie

3.1 Minjung-Theologie aus den Geschichten des Leidens

Die Minjung-Theologie entstand "in der Geschichte des Leidens" und als theologische Reflexion über die kollektive Minjung-Erfahrung der Christen in den siebziger Jahren in Korea. Nach M. S. KIM versucht die Minjung-Theologie, "die Bibel mit den Augen des Minjung zu lesen und zu interpretieren", da die Bibel "in der Minjung-Theologie nicht grundlegende Referenz in sich selbst" hat, sondern "ein Kriterium zur Beurteilung des Handelns Gottes in den Minjung-Ereignissen" und damit "ein Kommunikationsmittel" ist, "um anderen dieses Handeln Gottes in den Minjung-Bewegungen zu zeigen." Dabei geht es "nicht um die existenzielle Erfahrung des einzelnen Menschen, sondern um die gemeinsame Erfahrung der Leidenden." Weil sie als Christen selbst von ungerechten Mächten verfolgt wurden und ins Leiden kamen, konnten sie mit der leidenden Schicht in Korea in Berührung kommen. Deswegen spielt die Leidenserfahrung in der Minjung-Theologie eine entscheidende Rolle, weil "die Minjung-Theologen ihren Kontext zunächst nicht wissenschaftlich analysieren, sondern ihn im Horizont der Solidaritätserfahrung mit dem armen, unterdrückten und leidenden Minjung wahrnehmen ." [...] Die Leidenserfahrung bestimmt "nicht nur den Ausgang der Minjungtheologie, sondern auch ihre Grundstimmung." Der Identifikation mit dem leidenden Minjung schenkten die Minjung-Theologinnen und -Theologen die größte Aufmerksamkeit, weil Jesus die Leiden des Volkes geteilt hat, indem er sich am Kreuz auf die Seite aller Leidenden gestellt hat und "sich selbst erniedrigte und ein Knecht wurde" (vgl. Phil 2,7f.).

Erzählen ist das Wesensmerkmal der Minjung-Theologie. Als der Minjung-Theologe B. M. AHN im Jahr 1975 die Erfahrung des Leidens durch politische Verfolgung machte, wobei er umso enger in den Kontakt mit dem Minjung kommen konnte, gründete er zusammen mit einigen anderen Minjung-Theologen die Galiläa-Gemeinde. In den Gottesdiensten dieser Gemeinde lag, wie er selbst berichtet, der Schwerpunkt mehr auf den Leidensberichten als auf abstrakten Predigten. Mit diesen Leidensberichten, die durch Erzählungen der Leidensgeschichten entstanden, versuchten die Gemeindemitglieder, zusammen mit den Leidenden zu handeln und sich mit dem leidenden Minjung zu identifizieren. Durch diesen Prozess "wandelte sich unsere Beziehung zu Minjung von einem 'Ich-Du-Verhältnis' zu einer 'Wir-Erfahrung'." AHN ist fest davon überzeugt, daß die Minjungtheologie aus diesem Perspektivenwechsel entstanden ist.

Als L. DRESCHER 1992 seine missionarische Aufgabe in der Yong-Un Minjunggemeinde in Korea ausübte, beschrieb er die Gottesdienste dieser Gemeinde wie folgt: "In vielen Gemeinden ist es fester Bestandteil des Gottesdienstes, sich gegenseitig zu erzählen, wie die Woche verlief, welche guten und schlechten Erfahrungen gemacht wurden. Oft wirft das Wort Gottes ein neues Licht auf diese Erfahrungen, und die Gebete füreinander werden sehr viel konkreter. In Predigten werden oft Geschichten erzählt, sowohl Volkserzählungen wie auch Geschichten, die wirklich passiert sind." Wie L. DRESCHERS Erfahrung in der Minjung-Gemeinde in Korea zeigt, gewinnt die Minjung-Theologie ihre Gestalt durch die Erzählungen vom Minjung. Darum arbeitet BYUNG-Mu AHN heraus, daß die Minjung¬Theologie den Hauptakzent auf das "Erzählen" und die "Erzählungen" legt: "Das Erzählen gilt als Sprache des Körpers (YOUNG-HAK HYUN), als Ausdrucksweise der einfachen Menschen, als Medium der sozialen Biographien und Autobiographien des Minjung (YOUNG-BOK KIM). Nach AHN äußert sich das Leben des Minjung in seinen Hauptaspekten (Leid, Trauer, Hoffnung, Sehnsucht) in den Erzählungen, weil nicht die Sprache der dogmatischen Lehre und der Wissenschaft, sondern das Erzählen die Sprache des Minjung ist. Da die Minjung-Theologie die gegenwärtige Erfahrung als hermeneutischen Ausgangspunkt benutzt, führen das Erzählen und die Erzählungen zum Kernpunkt der Minjung-Theologie. Die Minjung-Theologinnen und -theologen sammelten die Erzählungen über den "Han" und erzählten sie weiter."

3.2 Minjung-Theologie als Theologie des Erzählens

Bei der Theologie des Erzählens wird die seit langem im Christentum ignorierte Überlieferungsform der Schrift, nämlich das Erzählen und die Erzählungen mit ihrer theologischen Bedeutung wiederentdeckt und damit auch das Minjung, die armen, unterdrückten und entmachteten Menschen. Diese sind Träger der Erzählungen und Subjekt des Evangeliums. Die Theologie des Erzählens findet das verlorene Evangelium der politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Rettung wieder. Bei der Theologie des Erzählens bleibt die Transzendenz Gottes nicht auf den metaphysischen Bereich beschränkt, sondern wird in die Geschichte eingeschlossen und konzentriert sich auf eine neue Gesellschaft und Zukunft der Menschheit und auf das kommende Reich Gottes, Minjung-Theologie als koreanische Befreiungstheologie faßt die Leidenserfahrungen des Minjung, die durch Erzählungen seiner Sozialbiographie zum Ausdruck gebracht werden, und damit das Minjung selbst als Knotenpunkt der Theologie auf. Als Begründung für die Akzentsetzung auf das Leiden oder die Identifikation mit den Leidenden in der Minjung-Theologie erläutert C. J. PARK die Hintergründe der Christianisierung Koreas: "Leiden bestimmt das Grundgefühl des koreanischen Volkes, so daß man Leiden sogar als einen in der koreanischen Geschichte durchgehenden Zug bezeichnen könnte. Dieser geistliche Kontext war und ist auch die Basis, in der die Religionen Koreas im Volk wurzeln. [...] So konnte das Christentum, das auf der Offenbarung Gottes durch das Kreuz und die Auferstehung Jesu Christi beruht, trotz seines fremden Charakters für das immer durch Leiden geprägte, koreanische Volk eine besondere Anziehungskraft haben. Darin liegt auch der Grund dafür, daß die Minjungtheologen Leiden als eine notwendige Kategorie ansehen, um dem verachteten Leben des Volkes einen positiven Sinn zu geben.

Es gibt ein koreanisches Wort, das aus dieser Leidensgeschichte heraus entstanden ist. Es lautet "Han". "Han" ist nach AHN "seinem Wesen nach ein sozio-psychologischer Begriff und in eine andere Sprache nicht direkt übersetzbar. Der Begriff "Han" ist in Auseinandersetzung mit den kulturellen Traditionen Koreas in die Minjungtheologie aufgenommen worden und bedeutet nach AHNS Verständnis "ein gedrücktes Lebensgefühl, ein 'pathein', dessen bittere Essenz sich im Herz einlagert, weil es wegen der herrschenden Unterdrückung keinerlei Ausdruck finden konnte. Der Minjung-Dichter C. H. KIM schildert in dem Nachwort zu seinem Gedichtband: "Unsere schmale Halbinsel ist erfüllt vom Heulen der Geister jener, die schuldlos starben. Vom Heulen der Ungezählten, die bei fremder Invasion, im Bruderkrieg, unter der Diktatur, in der Revolte, durch Hunger und Krankheit starben.“ Die koreanische feministische Theologin H. K. CHUNG bezeichnete in ihrem Eröffnungsvortrag der 7. Versammlung des ÖRK in Canberra dieses koreanische Wort "Han" als "Zorn", "Groll", "Bitterkeit" und "Kummer", aber auch als "niedergeschlagen sein" und "rohe Energie für den Befreiungskampf". Sie erklärte in diesem Zusammenhang: "In meiner Tradition werden Menschen, die Mord oder Ungerechtigkeit zum Opfer gefallen sind, in umherirrende Geister verwandelt, in von Han getriebene Geister. Sie sind überall und suchen nach einer Gelegenheit, das Unrecht gutzumachen. Darum ist es die Aufgabe der Lebenden, auf die von Han beherrschten Geister zu hören und am Wirken der Geister zur Wiedergutmachung des Unrechtes teilzuhaben." "Han" als koreanisches Wort für ein sprachloses, unbestimmtes Gefühl von Zorn über erlittenes Unrecht schließt unterschiedliche Gefühle in sich ein, wie z.B. "grollender Gram, Qual, Wut, gerechte Indignation und gerechte Empörung über erlittenes Unrecht". "Han" kann auch "Schmerz", "Widerstand", „Leidensdruck“ und "Leidenschaft" ausdrücken.

Nach N. D. SUH ist Han "ein Grundgefühl des unterdrückten koreanischen Volkes." Korea litt in seiner langen Geschichte unter ständigen Invasionen durch die es umgebenden Großmächte und "seine Ohnmacht lernte es verstehen als nationalen Han". Han ist auf der einen Seite ein "Konglomerat von Defätismus, Resignation und Verzweiflung der Schwachen [...] Andererseits aber ist er der explosiv wirkende Mut und Lebenswille der Schwachen, der in den Revolten oder Revolutionen des im Han zerrissenen Minjung zum Vorschein kommt. H. C. LEE definiert den Begriff Han im Zusammenhang mit der koreanischen neokonfuzianischen Herrschaftsstruktur so: "Han ist eine Sammelbezeichnung all dessen, was die psychologische Grundhaltung des ständig unterdrückten, mit angestauter Empörung lebenden Minjung und deren Überwindungskräfte symbolisiert [...] Dieser Han drückt den physischen und geistigen Lebenszustand des Minjung, vor allem der systematisch unterdrückten und diskriminierten Frauen in der koreanischen Gesellschaft aus." AHN behauptet, daß in Korea Frauen als "Symbol für 'Han" bezeichnet werden. Er erläutert dies folgendermaßen: "Es gibt bei uns viele Erzählungen, die von Gespenstern handeln. Durch Untersuchung hat man entdeckt, daß die 'Gespenster' überwiegend Frauen repräsentieren. [...] Sie haben unter dem hierarchischen System der Großfamilie unendlich gelitten. Diese konfuzianische Moral hat von altersher von den Frauen nur Gehorsam und Demut erzwungen. Aber obwohl die Frauen unmenschlich behandelt wurden und diese Behandlung wortlos hinnahmen, waren sie in der Tat die tragenden Säulen in der Familie und haben alle wichtigen Aufgaben auf ihre Schultern genommen. Die Frauen, die in den Gespenstererzählungen erscheinen, sind meistens rachsüchtige Gestalten. Warum erscheinen sie als solche? Man kann es nicht anders erklären, als daß diese Form der Erscheinung einem Komplex von seiten der Männer entspringt, die ihre Frauen so gequält haben. Aus ihrer Phantasie bzw. ihrem Schuldgefühl stammen solche Erzählungen." Der Begriff Han ist deswegen in der Minjung-Theologie wichtig, weil man, wenn man von Minjung spricht, immer Gestalten voll mit Han vor Augen hat. Den Han des Minjung zu verstehen, um die Befreiung von diesem Schmerz und von den Unterdrückungsmechanismen vorbereiten zu können, ist für die Minjung-Theologie zentral. SUH sieht auch in der Auflösung des Han eine wichtige Aufgabe der Minjungtheologie. Er versteht Jesus als einen Priester, der Han löst. Han ist nach SUH "Sprache des Minjung", die "den Anspruch auf die eigenen Rechte selbstbewußt" erhebt. Sie "unterscheidet sich grundlegend von der Herrschersprache, in der z.B. der König zu seinen Untertanen (Baeksong) spricht. Die Minjungsprache ist nicht nur bodenständige Umgangssprache: Sie spricht das Subjektbewußtsein des Minjung aus." C. J. PARK hat Han als "die koreanische Gestalt des Leidens" bezeichnet und darauf hingewiesen, daß es bei den Minjung-Theologen zunächst nicht um die vielen Gesichter des Leidens ging, sondern einfach um ‚Han’, der das Grundgefühl des koreanischen Volkes im Herzen bestimmt.

Ohne das Verständnis des "Han" kann man den Begriff "Minjung" nicht verstehen. Auf die Frage, was "Minjung" genau ist, wollen Minjung-Theologen wie AHN nicht rasch mit einfachen Definitionen reagieren, weil sie "Minjung" nicht als Objekt ohne persönlichen Bezug betrachten wollen und zunächst feststellen: "Minjung ist selbstverständlich für den, der Minjung ist oder mit Minjung zusammenlebt". "Minjung definiert sich selbst, indem es in der Geschichte ständig Ereignisse (event) wirkt. Es ist also nicht ein beobachtendes Subjekt, sondern Subjekt seiner Erfahrungen. In seinem Sein ständig bewegt, führt Minjung eine dynamische Existenz. Deswegen läßt sich Minjung auch nicht aufgrund einer Momentaufnahme erklären, sondern nur 'erleben', Indern man in diese dynamische Existenz eintritt - mit dem Minjung lebt. Minjung ist als eine "vitale und kollektiv-ganze soziale Größe“ schwer zu definieren. Es ist unmöglich, durch eine Definition alle Bedeutungen des Begriffes Minjung wiederzugeben. Trotz dieser Schwierigkeit läßt sich das sinokoreanische Wort Minjung als eine "Klassenallianz aller Unterdrückten und Armen" bezeichnen: "Im Mittelpunkt des Minjung stehen Arbeiter, Bauern und Slumbewohner als zunächst wirtschaftlich entfremdete Schicht. Aber das Subjekt des Minjung tritt als ein lebendiges Ganzes für die soziale Gerechtigkeit ein und kämpft dafür.'' Nach C. J. PARK wurde der Terminus Minjung, der traditionell keine andere Bedeutung hatte als das, was man im allgemeinen als die Beherrschten bezeichnete, erst seit den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts unter der Kolonialherrschaft Japans mit besonderer Bedeutung offiziell benutzt.

In der Kampfsituation für Menschenrechte und Demokratie in der Zeit der Militärdiktatur in den siebziger Jahren hat der Begriff Minjung eine entscheidende Bedeutung hinzugewonnen, weil er immer in Bezug auf das Leiden und die Kämpfe des Volkes in ungerechten Situationen verwendet worden ist. Durch die Betonung der Minjung-Erzählungen in der Bibel und in der heutigen Geschichte gewann die Minjung-Theologie den ursprünglichen, aber bis Anfang dieses Jahrhunderts ignorierten und vernachlässigten Zugang zum Erkennen des befreienden Gottes, dem Gott der Armen und dem Gott, der als Leidender in der Geschichte gegenwärtig ist, zurück. Damit wurde ermöglicht, das umfassende Verständnis der biblischen Botschaft und die Ganzheitlichkeit Gottes zu sehen. Deshalb besteht für die Minjung-Theologie das letzte Ziel der Bibellektüre nicht im Studium der Bibel als Selbstzweck, sondern in der gegenwärtigen Nachfolgepraxis, die im Herzen der christlichen Minjungbewegung selbst erfahren und weiterentwickelt wird. Die Bibel wird in der Minjung-Theologie nicht auf der Ebene des innerbiblischen oder innerwissenschaftlichen Prozesses, sondern auf einer innergeschichtlichen Ebene gelesen. Dies fordert wiederum das Erkennen der sozialen Realität des Minjung in der Gegenwart, um die Wirklichkeit des Minjung in der Bibel richtig zu verstehen.

Minjung-Theologie, eine koreanische Befreiungstheologie, ist eine Theologie des Erzählens. Der Minjung-Theologe B. M. AHN hat schon 1976 mit dem Ausdruck "Theologie des Ereignisses" seine Theologie in diesem Sinne bezeichnet: "Das Wort Ereignis hat eine wichtige Bedeutung. Oberflächlich beurteilen wir viele Ereignisse als negativ. Aber Gott benutzt auch traurige Ereignisse, um sein Werk zu tun. [...] Eine Theologie der Ereignisse kann ich noch nicht systematisch darstellen.“ Die Entdeckung des Ereignisses in der theologischen Arbeit geht einher mit einer Neuentdeckung des Erzählens. Das Minjung, als "Träger der geschichtlichen Offenbarung“ hat nach Y. B. KIM seine eigenen Geschichten gegen die Geschichte und Ideologien der Herrschenden zu erzählen. Das Minjung als Subjekt der Geschichte zu betrachten, bedeutet keine "politische Überhöhung, sondern eine Bestätigung seiner authentischen Selbstidentifikation als Herr der eigenen Geschichte, die es in seiner soziopolitischen Biographie erzählt.“ Die "Sozialbiographie" des Minjung ist nach Y. U. KIM das Medium der Vermittlung von Theologie im koreanischen Kontext. "Die Identität, die Realität des Minjung ist nicht durch eine philosophische oder wissenschaftliche Definition seines Wesens oder seiner Natur zu erfassen, sondern eher aus seinen eigenen Geschichten, seinen Sozialbiographien, die das Minjung selbst schafft und deshalb auch selbst am besten erzählen kann, zu erheben. Die Geschichten des Minjung, die Sozialbiographien, werden erzählt im Angesicht der Machtstruktur, die das Volk beherrscht; deswegen ist die Macht in den Geschichten der Gegenspieler, das Volk das Subjekt. Das Minjung selbst ist der Hauptdarsteller. So ergibt sich aus den Geschichten des Minjung ein Geschichtsverständnis, das das Minjung als Subjekt und nicht als Objekt der eigenen Geschichte, des eigenen Schicksals betrachtet.“

Für Y. B. KIM war die soziopolitische Biographie des Minjung neben der biblischen Geschichte der Hauptbezugspunkt für die Minjung-Theologie. Von den Minjung-Theologen wurde von Anfang an das Minjung als Träger der geschichtlichen Offenbarung angesehen, womit die Erzählungen des Minjung eine zentrale Rolle für die theologische Arbeit spielten. Auf die Erzählungen des Minjung, die sein Leiden und seine Sehnsüchte umfassen, legten die Minjung-Theologinnen und -Theologen ihr Hauptinteresse, so daß das Erzählen der Ausgangspunkt der minjungtheologischen Hermeneutik war. "Wir (Minjung-Theologinnen und -theologen - C. S. L.) denken [...] an die ganz subjektiven Erfahrungen des Minjung - seine Hoffnungen und sein Leiden, seine Kämpfe und seine Niederlagen -, die seine konkrete soziale Biographie ausmachen.“ Da die sozialbiographischen Erzählungen des Minjung einen konkreten, unmittelbaren, nicht-spekulativen und undifferenzierten Charakter haben, sind die Minjung-Theologen der Überzeugung, daß man mit diesen differenzierten Erzählungen des Minjung zu wahrer Erkenntnis über die Wirklichkeit kommen kann: "Die Erzählungen sind [...] das unmittelbare Medium, während die schriftliche Sprache [...] das mittelbare ist. Der Inhalt der schriftlichen Sprache ist meistens abstrakt, aber die Erzählungen sind real und konkret. Jene ist als die wissenschaftliche Sprache sozusagen die 'Sprache des Kopfes', diese ist als die Sprache des Alltagslebens 'die Sprache der Körper'. Die Sprache des Kopfes ist analytisch, die Sprache des Körpers ist holistisch. Jene ist eine immaterielle, diese eine materielle. Die Kommunikation durch die Schrift ist von außen auferlegt und entfremdet daher die Menschen von sich selbst, die Kommunikation durch Erzählungen stellt die Interessen der Menschen in den Mittelpunkt und hilft, neu sich diese zu eigen zu machen. Deshalb ist jene Kommunikation unterdrückerisch, während diese einen befreienden Charakter hat.“

Mit der Einschätzung des Minjung in der Geschichte, die durch die Betrachtung der Geschichte "von unten her, aus der Sicht des Minjung, nicht aus der Perspektive der herrschenden Macht“ entwickelt worden ist, entdeckten die Minjung-Theologinnen und -theologen eine neue Perspektive hinsichtlich der Bibel und der Theologie, wobei das Erzählen eine gravierende Funktion hat. Sie machten auf die Tatsache aufmerksam, daß die Bibel überwiegend in Form von Erzählungen verfaßt worden ist. In diesem Zusammenhang untersuchte B. M. AHN das Markusevangelium, in dem er den kerygmatischen Christus und die Kirche als Institution in Frage gestellt sieht. Die Erzählung ist bei der Minjung-Theologie eine wichtige Vermittlungsform, um das Minjung zu verstehen, das wiederum als "hermeneutischer Schlüssel" für die Sendung Jesu verstanden wird. Nach C. J . PARK ist die Erzählung den Minjung-Theologinnen und -theologen deswegen wichtig, weil sie von ihnen als "authentisches Medium der Offenbarung Gottes angesehen wird." AHN ist davon überzeugt, daß er mit den Erzählungen, der Sprachform des Minjung, zu wahrer Erkenntnis der Wirklichkeit kommen kann. Nicht die Frage, wer Gott ist, sondern was er getan hat und was er jetzt in der Geschichte tut, ist in den Erzählungen relevant. Die Frage nach der Wirkung Gottes in der Geschichte ist für die Minjung-Theologie grundlegend.

3.3 "Theologie des Ereignisses" von Byung-Mu Ahn

Die in der Berührung mit der leidenden Schicht, m. a. W. "in der Geschichte des Leidens" entstandene Minjung-Theologie ist das Produkt der Erfahrungen, die Christen in den siebziger Jahren unter dem diktatorischen Militärregime in Korea gemacht haben. Christen hörten als Diener Jesu Gottes Stimme in den Schreien der Slumbewohner, die durch die Industrialisierungspolitik aus der eigenen Heimat vertrieben und der Modernisierung geopfert wurden . Das Hören der Stimme Gottes im Leiden und Klagen des Minjung ermöglichte es dem Minjung-Theologen B. M. AHN, seine "Theologie des Ereignisses" zu entwerfen. AHN geht davon aus, daß Gott seine Mission nicht allein mit und in der Kirche wirkt, sondern in der Welt und in der Geschichte und nicht allein durch das Wort oder die mündliche Verkündigung, sondern durch die Tat (Missio Dei). Diese Überzeugung führte ihn zur Entdeckung der "Theologie des Ereignisses". Gott wirkt durch Ereignisse und benutzt sie, um sein Werk zu vollbringen. Aber Gott vollbringt sein Werk "nicht immer durch Sieg, nicht immer durch Herrlichkeit, nicht immer durch glückliche Zeiten, auch nicht durch Erfolg, sondern durch Verlieren, Schläge, Blutvergießen, Gefängnis, Niederlage und Unglück.“

Daß Gott nicht allein durch das Wort oder die mündliche Verkündigung wirkt, macht AHN vor allem bei Paulus fest. Der Text Phil 1, 12-14, in dem Paulus seine Erfahrungsgewißheit bezeugt, daß durch das Ereignis seiner Gefangennahme das Evangelium vorwärtsgetrieben wird, bezeichnet AHN als einen sehr wichtigen Text im Zusammenhang mit der "Theologie des Ereignisses". An anderer Stelle schreibt AHN: "Lange habe ich die paulinischen Briefe gelesen , ohne über das Leben des Paulus nachzudenken. Das war ein Fehler. Wir müssen die Bibel im Kontext lesen lernen. So müssen wir auch die Briefe des Paulus in der Beziehung zu seinem eigenen Leben sehen.“ Damit kommt AHN zu dem Schluß, daß das Leben des Paulus "ein einziges Ereignis" war: "Diener Christi sind sie - ich rede töricht: ich bin's weit mehr! Ich habe mehr gearbeitet, ich bin öfter gefangen gewesen, ich habe mehr Schläge erlitten, ich bin oft in Todesnöten gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig Geißelhiebe weniger einen, ich bin dreimal mit Stöcken geschlagen, einmal gesteinigt worden; dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer [...]" (2 Kor 11, 23ff). Alles, was Paulus widerfahren ist, benutzte Gott zur Verkündigung seines Evangeliums. Solche Ereignisse wie die im Leben von Paulus setzen nach AHNS Meinung die Missio Dei, Gottes eigenes Handeln, voraus: "Ereignis! Gott handelt nicht immer nur durch das Wort. So ist Paulus gewiß, daß Gott die Ereignisse, die er Paulus widerfahren ließ, zu seinem Werk benutzt. [...] Das Kreuz des Christus ist im Ereignis, das Leben des Paulus ist kontinuierliches Ereignis. Auferstehung ist Ereignis, ebenso das Pfingstgeschehen. Durch diese vielen Ereignisse wird die Zukunft fortgesetzt werden. [...] Hier gibt es keinen Unterschied zwischen einem Handeln in der Bibel oder außerhalb der Bibel, in der Kirche oder außerhalb. Bis heute arbeitet Gott gerade durch diese geschichtlichen Ereignisse." Die Minjung-Theologie sieht im Leidens- und Befreiungsereignis des Minjung Gottes eigenes Handeln in der Geschichte. An dieser Stelle muß die Frage nach dem wahren Charakter des Ereignisses gestellt werden. Nach AHNS Interpretation steht das Wort Ereignis im Zusammenhang mit der Soziologie oder im Zusammenhang mit der weltlichen Macht. Davon unterscheidet er aber ausdrücklich das biblische Verständnis des Ereignisses: "Doch in der Bibel kommt den Ereignissen eine völlig andere Bedeutung zu. Sie redet nicht nur über notwendigerweise erfolgte Ereignisse in horizontalen Dimensionen, sondern sie redet über das vertikale Ereignis, das in das horizontale Geschehen hineinbricht. Das Vertikale bricht in das Horizontale ein. So interpretiert die Bibel die Ereignisse." Das Jesus-Ereignis, Jesu Tod, erscheint "horizontal" gesehen als Ereignis des Schwachen, der vom Starken getötet wurde, aber „Jesus selbst dachte nicht, daß die Menschen ihn töten, sondern daß Gott ihn verlassen hat. Er war überzeugt, daß es Gott war, der hier eingriff und daß Gott die Ursache des Ereignisses war. Wenn das Vertikale mit dem Horizontalen zusammentrifft, dann entsteht ein Funke. Das ist das in der Bibel geschilderte Ereignis." Mit diesem Verständnis von Ereignis kommt AHN zu dem Schluß, daß, weil "Gott in diese, unsere Welt kam und hier sein Werk tut", die Ereignisse, von denen wir umgeben sind, vom biblischen Gesichtspunkt aus betrachtet werden müssen. Bei der Theologie des Ereignisses ist das Jesusereignis gegenüber dem Kerygma vorrangig: "Das Kerygma ist aber sekundär im Verhältnis zum Jesusereignis selbst. Am Anfang steht das Jesusereignis und nicht das Kerygma. [...] Das Ereignis ist das Jesusereignis. Das Kerygma betont die Bedeutung des Todes und der Auferstehung Jesu. [...] Darum sollte man vom Ereignis zum Kerygma ausgehen, nicht aber rückwärts vom Kerygma zum Ereignis.“ AHN versteht das Kreuz des "unschuldig gekreuzigten Jesus" als "ein Ereignis" und behauptet, daß erst das Kreuz, das Jesusereignis, und dann das Wort kommt. Der Begriff der Theologie des Ereignisses, den AHN für die Auseinandersetzung mit der "kerygmatischen Theologie" oder der "Theologie des Wortes" verwendet hat, hängt mit seiner Auffassung von Gott zusammen, die weniger nach dem Wesen Gottes als nach seinem Wirken in der Geschichte fragt. Gott benutzt alle Arten von Ereignissen als Instrument für sein eigenes Handeln, um sein Werk zu vollbringen, das hinter diesen Ereignissen voller menschlicher Schicksale verborgen bleibt und sich kontinuierlich vollzieht.

Die Frage nach dem Gott in der Geschichte, nach dem Wie seines Wirkens in der Geschichte, wird gegenüber der traditionellen Theologie, in der es sich um die Interpretation überlieferter Dogmen handelt, in der Theologie des Ereignisses betont. N. D. SUH versuchte, die Ereignisse in der Geschichte als die gegenwärtige Wirkung Gottes, als das Wirken des Heiligen Geistes aufzufassen. Die Vorrangigkeit des Ereignisses als Grundlage der Minjung-Theologie bedeutet inhaltlich: Gott offenbart sich im Ereignis; nur durch aktive Teilnahme an den Minjung-Ereignissen, in denen sich Gott vergegenwärtigt, können Christen heute Gott und Christus konkret begegnen. Darum interpretiert Minjung-Theologie die ohnmächtigen Leidenserfahrungen und politischen Verfolgungen des Minjung und die über ihre horizontale Bedeutung hinausgehenden unerwarteten Auswirkungen als Eingreifen Gottes in die Geschichte. Die Christen in Südkorea begegneten in den 70er Jahren im Kampf gegen das unterdrückerische, diktatorische Regime und in der Solidarität mit dem leidenden Minjung besonderen Ereignissen, die als Gottes Eingreifen in die Geschichte verstanden wurden. Gott greift in die Welt ein, indem er selbst als der Leidende im Leiden (der Leidenden des Minjung) gegenwärtig ist, mit denen er sich identifiziert: Gott ist selber der Leidende, und wir stehen vor diesem leidenden Gott. N. D. SUH arbeitet heraus, daß das Exodusereignis im Alten Testament eines der Paradigmen für die Minjungtheologie darstellt und dieses geschichtliche Ereignis zusammen mit der Kreuzigung Jesu im Neuen Testament zentral für das Heil des Minjung ist. Er ist der Überzeugung, daß das ganze Zeugnis der Bibel im Lichte dieser beiden zentralen Ereignisse erhellt und verstanden werden kann. SUH versteht das Exodusereignis als ein politisches Ereignis: "Die Israeliten, die in der Zeit des Mose (13. Jhd. v. Chr.) in Ägypten als Sklaven und Leibeigene zu Mammutbauarbeiten und Landwirtschaft gepreßt wurden, rebellierten gegen das herrschende Unterdrückungssystem und flohen unter der Führung des Mose aus dem Land. Dieses politische Ereignis ist der Kern der Exodusgeschichte. Dennoch hat die christliche Kirche zweitausend Jahre lang das Exodusereignis seines historischen Kerns beraubt, ihm eine nur religiöse Bedeutung verliehen und es bloß in retrospektiver Erinnerung behalten." Deshalb behauptet er, daß der Archetyp für Gottes Eingreifen in die Geschichte ein politisches Ereignis auf sozioökonomischem Hintergrund ist, so wie sich auch jetzt Gottes Eingreifen in die Geschichte, in der wir heute leben , in eben dieser sozioökonomischen, ereignen muß.

Minjung-Theologie als "Theologie des Ereignisses" legt ihren Schwerpunkt auf die Bezeugung der "Missio Dei" in den Minjung-Ereignissen, Gott handelt in den Minjung-Ereignissen und die Minjung-Ereignisse sind die Orte, wo Gott und Christus sich heute offenbaren. Nur durch aktive Teilnahme an diesen Ereignissen können Christen heute Gott und Christus konkret begegnen. Für die „Theologie des Ereignisses“ sind die Ereignisse das Grundlegende. In den historischen Ereignissen und nicht in den reflektierten theologischen Aussagen versucht sie, die Bewegung und Gegenwart Gottes aufzuspüren . Die Gegenwärtigkeit Gottes wird der Ausgangspunkt für diese Theologie sein. In der Sache und der Geschichte des Minjung wirkt das Ereignis Jesu fort und wiederholt sich. Damit macht die Minjungtheologie klar, daß Jesus Christus im Leiden, im Getötetwerden des Minjung und in der Auferstehung, dem Aufstand des Minjung, da ist. Minjungereignisse werden in der Minjung-Theologie als ein Zugang zur Begegnung mit dem gegenwärtigen Jesus verstanden. Nach Meinung der Minjung-Theologinnen und -Theologen hat die Offenbarung die Gestalt historischer Ereignisse. Weil die Sprache Gottes "geschichtlich" ist, ist Gottes Selbstoffenbarung. die Befreiung der Menschen, im biblischen Zeugnis eher ein geschichtliches Ereignis als eine religiöse Erfahrung.

3.4 Das Jesus-Ereignis

Das Jesus-Ereignis als ein wirkliches geschichtliches Ereignis, das "in erzählender geschichtlicher Beschreibung durch Augenzeugen überliefert worden ist" wird im Gegensatz zum Kerygma als Grundsatz der Minjung-Theologie betont. Die Betonung des Jesus-Ereignisses, d.h. des historischen Jesus, spielt im Blick auf die biblische Arbeit der Minjung-Theologie, die das Verhalten Jesu dem Minjung (ochlos) gegenüber herausarbeitet und hinsichtlich der Offenbarung Gottes , d.h. der Gegenwärtigkeit Gottes, eine wichtige Rolle . Minjung-Theologie beschäftigte sich intensiv mit der Frage nach dem gegenwärtigen Christus und fand die Antwort darauf erst durch die Begegnung mit dem leidenden Minjung. „[Die] Minjung-Theologie hat nicht zuerst nach Christus gefragt, sondern ist zuerst dem leidenden Minjung begegnet und hat sein wahres Gesicht und seine wahre Realität verstanden." AHN führt weiter aus, daß die Minjung-Theologinnen und -Theologen im leidenden Minjung Christus begegnet sind und daß das Gleichnis vom letzten Gericht (Mt 25 oder Hebräer 13 u.a.) das Verständnis der Minjung-Theologinnen und -Theologen in diesem Punkt stark unterstützt haben. AHN ist der Auffassung, daß das Kerygma sekundär im Verhältnis zum Jesusereignis selbst" ist und erläutert es folgendermaßen: "Nichts stellt an uns höhere Anforderungen als das Jesus-Ereignis. Vor dem Kerygma gab es das Ereignis Jesu. Dies Ereignis gilt als Voraussetzung der Theologie, es wurde inhaltlich ausgeklammert, das war Bultmanns Versuch. Warum gab man es so schnell auf, das wirkliche Leben Jesu in der Geschichte konkret aufzuspüren, und warum sollte man sich stolz darauf beschränken, seine geistlich inwendige Geschichte kerygmatisch zu interpretieren? […] Die Theologie des Wortes sieht Jesus als Verkündigung an, nimmt nur den Inhalt seiner Verkündi¬gung ernst und sieht Jesus nur als den kerygmatischen Christus an." AHN geht überzeugend davon aus, daß am Anfang das Ereignis und nicht das Kerygma steht. Das Ereignis, von dem AHN spricht , ist das Jesusereignis: "Das Kerygma betont die Bedeutung des Todes und der Auferstehung Jesu. Doch vor dem Kerygma steht das eigentliche Leiden und die Auferstehung Jesu“ Die Minjung-Theologinnen und Theologen gehen davon aus, "daß die Auffassung, die Offenbarung Gottes beschränke sich allein auf das Wort des Kerygmas oder auf die göttliche Persönlichkeit Jesu, in der Praxis der Christen, in der sie für gesellschaftliche Gerechtigkeit eintreten sollten, abstrakt und ohne Bedeutung bleibt." Deswegen versuchen sie, die Offenbarung Gottes im umfassenden Zusammenhang der geschichtlichen Ereignisse zu konkretisieren. AHN untersuchte besonders das Markusevangelium in Bezug auf den gegenwärtigen Christus und die Konkretisierung des Jesus-Ereignisses im Zusammenhang mit dem Minjung-Ereignis. Das Markusevangelium stellt das historische Jesusgeschehen ungefärbt vom Kerygma dar, indem es sich hauptsächlich auf die Bedeutung des Todes Jesu und die Auferstehung konzentriert (wie z.B. auch I. Kor 15, 3-8 und Phil 2, 6-11) und das Jesus-Ereignis, die Leidensgeschichte inbegriffen, in erzählender Form beschreibt. Deshalb bezeichnet AHN den Evangelisten Markus als den ersten, der die "Miniungtradition" aufnahm und als Grundlage für sein Evangelium benutzte. AHN zieht diesen Schluß aus der häufigen Verwendung des griechischen Wortes "ochlos" - im Unterschied zur Verwendung von „laos“ bei den anderen Evangelisten - das bei ihm der Bedeutung von Minjung als unterdrücktes Volk sehr nahe kommt. Bereits bei Markus wird deutlich, daß "ochlos", das .Minjung, als Träger der Jesusüberlieferung verstanden werden kann. "Durch den Evangelisten Markus", schreibt AHN, "haben wir Zugang zum Jesusereignis, das durch das abstrakte Kerygma verschleiert war." Die Evangelien wurden durch verschiedene Gruppen überliefert. Es sind jeweils andere Menschen, die das Christuskerygma oder das Jesusereignis überliefert haben. AHN ist davon überzeugt, "daß das Jesusereignis durch das damalige Minjung überliefert wurde." AHN ist der Meinung, daß es das Minjung war, das die Erzählungen über das Jesusgeschehen in Form von Gerüchten verbreitete, um die Wahrheit über das Jesusereignis zu bezeugen. Mit dieser Verbreitung der Erzählungen über das Jesusgeschehen wollten die Menschen des damaligen Minjung "ihrem eigenen Leiden und ihren Erwartungen Ausdruck geben". AHN begründet dies damit, daß sie "im Jesusereignis und besonders in seinem Leiden ihr eigenes Geschick sich widerspiegeln" sahen. AHN identifiziert im Jesus-Ereignis "das gegenwärtige Minjung-Ereignis Südkoreas, das im Prozeß des Leidens- und Befreiungskampfes des Minjung entstand."

AHN verbindet das Jesus-Ereignis mit der gemeinsamen Leidenserfahrung des Minjung. Wie AHN das Markusevangelium als eine Sozialbiographie Jesu mit dem Minjung (ochlos) im damaligen Galiläa nicht als eine persönliche Biographie versteht, versteht er Jesu Leben, Tod und Auferstehung als ein Ereignis, in dem die ihm folgende Masse (ochlos) mit eingeschlossen ist. Darum soll Jesus nach AHN nicht als eine Person verstanden, sondern in Beziehung mit dem Minjung betrachtet werden. "Denn sieht man das Leben Jesu unter dieser Voraussetzung [sc. daß der Begriff "Menschensohn" eine kollektive Funktion hat], sollte man nicht nach Spuren des Verhaltens Jesu als Individuum suchen, sondern nach dem, was sich zwischen Jesus und den Menschen, die um ihn waren, ereignete. Deshalb wollen wir Jesus und das Minjung nicht im Subjekt-Objekt-Schema betrachten, sondern vielmehr die Bedeutung des Ereignisses (des Ereignisses, das in der Beziehung geschieht) erfragen."

Minjung-Theologie ist unter dem militärisch-diktatorischen Regime der siebziger Jahre entstanden. Die damalige Situation Südkoreas, die als Hintergrund für die Entstehung der Minjung-Theologie relevant ist, schildert AHN wie folgt: "Wir leben in einer Situation, in der das Leiden nicht aufhört; unendlich viele Menschen werden, nur weil sie arm und ohnmächtig sind, unter dem Leitbild der Industrialisierung ihres eignen Rechts beraubt: Gerechtigkeit wird durch ungerechte Gewalt aufgehoben. Diejenigen, die ihrem Gewissen treu bleiben, werden ins Gefängnis gebracht. In einer solchen Lage stellt sich unmittelbar die in der Geschichte sich immer wiederholende, zwar naive, aber doch lebensnotwendige Frage: Wo und wie existiert Gott?" Diese Frage nach der Existenz Gottes heute, in einer unterdrückerischen Leidenssituation, hängt mit der Frage der Identifikation zusammen. AHN hat die Identifikation als allerwichtigste Aufgabe in der damaligen koreanischen Situation bezeichnet: „[...] die brennende Aufgabe ist es, einen Weg zu finden, wie wir den Zaun zwischen Christen und Nichtchristen beseitigen; und das bedeutet, wie wir uns mit den Leidenen identifizieren können.“ Mit Hilfe des Gleichnisses vom Letzten Gericht (Mt 25) findet AHN die Antwort auf diese Frage: "Genau an dem Ort, wo sich Leiden vollzieht, dort existiert der Richter. Konkreter, Jesus identifi¬ziert sich mit den Leidenden, [...] d.h. Jesus selbst leidet. Das ist der Grund, weshalb wir uns als Christen mit den Leidenden und damit zugleich mit dem leidenden Jesus identifizieren." In diesem Aspekt versucht AHN, das Ereignis des Kreuzes als eine Kreuzigung des leidenden Minjung und nicht als eine Kreuzigung des Individuums Jesus zu verstehen: "Wir haben die Kreuzigung Jesu nur religiös verstanden und das Leiden Jesu nur individuell interpretiert. Aber das ist für uns schwer verdaulich, so daß es uns schließlich zwang, die fremde Gedankenart zu überwinden, um zu verstehen. Von unserem "Sitz im Leben" her bekam die Tatsache, daß schon die Urgemeinde Jesu Passion mit dem leidenden Gottesknecht aus Jes 53 erklärt hat, große Bedeutung, und dieser leidende Knecht ist ja nicht als Individuum, sondern kollektiv zu verstehen. Darf man von daher nicht auch das Kreuz Jesu in direktem Zusammenhang sehen mit dem Leiden des Minjung?"

Nach AHN ist das Leiden Jesu und des Minjung der Ort, wo man Gott erfahren kann. Im Leiden des Minjung begegnen die Minjung-Theologinnen und -Theologen dem gegenwärtigen Christus. In diesem Zusammenhang kann man sagen, daß "das Ereignis Jesu nicht 'ein für allemal' vollendet wurde, sondern sich auch in den Leiden, Kämpfen und in der Hoffnung des Minjung von heute wiederholt." Das Jesus-Ereignis ist für die Minjung-Theologie erstens deswegen wichtig, weil es als Gottes Handeln in der Geschichte Kriterien für das Handeln des Menschen gibt. Zweitens, weil es in der Praxis der Nachfolge, die sich vor allem auf das Verhalten des irdischen Jesus, seine Kreuzigung und Auferstehung gründet, eine entscheidende Rolle spielt. Drittens, weil es durch das Erzählen unmittelbar mit dem Leben verbunden und deshalb ursprünglicher ist. Da die Erzählung über Jesus als die Erzählung des Minjung identifiziert wird, wobei das Leiden als Anknüpfungspunkt zwischen beiden Erzählungen liegt, hängt "die Frage des historischen Jesus in der Minjungtheologie nicht mit einem theologischen Interesse, sondern vielmehr mit einem historischen zusammen.“ In der Minjung-Theologie wird das Jesus-Ereignis als ein sich wiederholendes Ereignis gesehen, das in der Geschichte des Minjung gegenwärtig ist und weiterwirkt.

3.5 Erzählen - Minjungsprache - Jesussprache

Der Minjung-Theologe B. M. AHN hat Erzählen als das wesentliche Stilmerkmal der Minjungsprache charakterisiert und dabei herausgestellt, daß sich diese Minjungsprache von der Sprache der Erklärungen und apologetischen Aussagen stark unterscheidet. Nach AHN ist die Minjungsprache eine Sprache, die "zum wirklichen Leben die kürzeste Entfernung aufweist". Die Erzählung als die mündlich überlieferte Sprache bezeichnet er als "minjunggemäß": Minjungsprache ist "eintönig, brutal und primitiv.“ Die Form des Gerüchts gehört nach AHN ebenfalls zu dieser Sprache: "Während in Korea die öffentliche Presse unterdrückt ist, entstehen Gerüchte, die sich wie ein Feuer im Herbstwald über das ganze Land verbreiten. Schon von eh und je haben die Machthabenden versucht, solche Gerüchte zu unterbinden, aber es ist ihnen nicht gelungen. Auch solche Gerüchte sind der Minjungsprache zuzuschreiben." AHN entdeckt im Gerücht soziologisch gesehen den Entstehungs- und Funktionsort der Erzählungen sowie der Minjungsprache: "Soziologische Beobachtungen der Entstehung und Funktion von Erzählungen sowie der Minjungsprache weisen uns die Richtung zu einem neuen Verständnis der Jesuserzählung in den synoptischen Evangelien. [...] Jesus war, wie gesagt, ein Opfer politischer Gewalt. Darum mußte die Geschichte Jesu von denen, die ihn nahe kannten, heimlich weitergetragen werden. Diese Art der zunächst mündlichen Überlieferung ist soziologisch gesehen Gerücht. Für das Minjung Jesu bezeichnet das Gerücht seine Bemühungen, die wirklichen Geschehnisse des Jesusereignisses weiterzugeben; ebenso auch ist das Gerücht das Medium, durch das Minjung seine eigene Situation innerhalb der Gesellschaft zu verstehen sucht." Eigenheiten des Gerüchtes erklärt AHN wie folgt:

„1. Ein Gerücht entsteht in einer Situation soziopolitischer Unterdrückung und Unruhe [...].

2. Ein Gerücht entsteht aus den Bemühungen einer Gruppe um Aufdeckung der echten Wahrheit. Gerüchte werden von zwei unterschiedlichen Seiten in Umlauf gesetzt: von denjenigen, von denen Verfolgung ausgeht, und von den Verfolgten. [...]

3. Ein Gerücht wird nicht offen, sondern heimlich in Umlauf gesetzt [...]. Politische Opfer setzen Gerüchte in Gang, wenn sie unfair unter Druck gesetzt werden, wenn die Massenmedien eingeschränkt und der Zugang zu den Informationsquellen versperrt werden. [...]

4. Ein Gerücht wird von Gliedern einer leidenden Minjunggruppe in Umlauf gebracht, wenn ihre Führer ein Ereignis in der Weise, wie es wirklich geschah, nicht bezeugen wollen oder können oder wenn sie aus anderen Gründen die Tatsache verschleiern. [...]

5. Ein Gerücht wird besonders wirksam, wenn ein vergangenes Ereignis mit einer existenziellen Situation einer bestimmten Gruppe in Verbindung gebracht wird. [...] Hier ist das Gerücht nicht nur eine Erzählung aus der Vergangenheit, sondern ein Zeugnis über die existenzielle Situation des Minjung.“

Dieses Verständnis des Gerüchts von AHN hat die soziopolitische Situation Südkoreas der siebziger Jahre als Hintergrund. Das Gerücht war damals ein wichtiges Medium, um das Leiden des Minjung als Ereignis mitzuteilen. AHN ist der Meinung, daß die Erzählungen in den synoptischen Evangelien, besonders die Passionsgeschichte und Wundergeschichten. die Erzählungen vom Jesusereignis, typische Formen des Gerüchts sind. Erzählung als die Sprachform des Minjung hat nichts mit spekulativem Denken zu tun, sondern mit den unmittelbaren Erfahrungen des Lebens, und stellt, anders als die Schriften, die der Logik eines bestimmten Gesichtspunktes folgen oder sich mit abstrakteren Begriffen verbinden, Ereignisse als Ganzes dar. Im selben Zusammenhang schreibt auch Y. H. HYUN: "Aufgrund der sozialen Gegebenheiten ist das Minjung gezwungen, mit, durch und für den Körper zu leben. Körperliches Leben bringt körperliche Reaktionen auf die Wirklichkeit hervor - Gefühle. Gefühl ist die ganzheitliche Reaktion auf das Ganze der Welt. Es ist roh und konkret, nicht veredelt und abstrakt. Es ist ehrlich, authentisch und wahrhaftig. Die herrschende Klasse dagegen begreift die Wirklichkeit nur aus zweiter Hand, d.h. durch die Reflexion. Das Gehirn als Denkorgan rationalisiert und manipuliert dabei."

AHN ist davon überzeugt, daß Jesu Sprache Wort für Wort Minjungsprache ist: "Um Jesu Sprache zu verstehen, braucht man keine Bildung. Im Gegenteil, Bildung kann ein Hindernis für das Verstehen sein. Jesu Sprache ist Wort für Wort Minjungsprache [...] Kinder, Frauen, Alte, Analphabeten, alle können sie verstehen. Doch können sie die Gebildeten und Intellektuellen deshalb nicht einfach von sich weisen.“ Jesus sprach Aramäisch, die Sprache, die für die damaligen Juden als Minjungsprache galt. Die neutestamentlichen Autoren haben für ihre Überlieferung nicht das klassische Griechisch, sondern Koine, die Umgangssprache, die dem Minjung verständlich war, benutzt. Aber die ältesten Schriften des Neuen Testaments, die von Paulus geschrieben worden sind, verloren den hebräischen Charakter zum großen Teil und hoben sich von der Minjungsprache ab. Weil Paulus sich einerseits der hellenistischen kulturellen Situation bewußt war, wandte er als christlicher Missionar bewußt Worte, Begriffe und Bilder aus seiner Umwelt in der Sprache der griechischen Weltanschauung an und unterwarf andererseits seine Schriften der Ordnung der Logik, weil er die christliche Lehre angesichts dieser Weltanschauung apologetisch vertreten mußte. Nach AHN ist die Redeweise des logos "weder hebräisch noch entspricht sie dem Minjung". Da Paulus den Inhalt des Christentums der gnostischen Weltanschauung entgegenzustellen versuchte, "haben seine Schriften einen dem Minjung nicht gemäßen Charakter angenommen". Das Markusevangelium mit seinen Erzählungen über Jesus und mit der Sprache Jesu steht dazu in einem deutlichen Kontrast: "Der Evangelist will Jesus als Heiland bezeugen, aber er entfaltet weder eine Christologie, noch Soteriologie. Markus erzählt nur von Jesus. Seine Sprache ist echte Volkserzählung. Den Anfang des Evangeliums bildet die Erzählung von Johannes dem Täufer. Dann folgt der Bericht von Jesu Taufe und der Berufung der Jünger, die Berichte über die Heilung vieler Kranker und über Dämonenaustreibung, die Erzählung vom Minjung, das sich um Jesus drängt, und Erzählungen über die Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern. Den Schluß bildet der Bericht von Jesu tragischem Ende und die Erzählung vom leeren Grab usw."

AHN ist der Auffassung, daß die Markus-Erzählung im Vergleich zu den paulinischen Schriften für das Minjung leicht verständlich gewesen sei. Jesu Sprache, zu der außer kurzen Erzählungen auch allgemein bekannte Sprichwörter und die Gleichnisse als Bildworte gehören, ist eine Sprache, die von der die Zuhörer betreffenden Realität redet, ohne auf abstrakte Begrifflichkeiten zurückzugreifen. Obwohl durch Markus die christliche Lehre Minjung-Evangelium geworden ist, wurde dieses Evangelium "bald in eine Ideologie für die Mächtigen umgeformt [...]. Die kirchliche Sprache wurde ins Lateinische übertragen, das die Sprache der damaligen imperialen Welt war. So entfernte sich das Christentum nicht nur vom Minjung, sondern es wurde sogar zu einer das Minjung beherrschenden und unterdrückenden Macht." Minjung-Theologinnen und -Theologen schenken der Sprache der Synoptiker große Aufmerksamkeit, besonders der des Markusevangeliums, weil seine Sprache Minjung-Sprache ist. Zur typischen Minjung-Sprache gehört die "Erzählungsform". "Die Erzählung will das Leben als Ganzes zum Ausdruck bringen. So ist die Erzählung eigentlich wie eine Kette, die aus einzelnen Lebenserfahrungen geknüpft ist, aber nicht mit Logik. Und genau solche Minjung-Sprache haben wir erneut bei den Synoptikern gefunden. Markus fängt mit Erzählungen an und endet mit Erzählungen. Man behauptet, daß die Gleichnisse typische Jesussprache sind. Gleichnisse sind Erzählungen und inhaltlich typische Minjung-Sprache. Damit behauptet AHN, daß der Intellektualismus in der Theologie, die hellenistischen Züge in ihr, uns für die reale Gestalt Jesu blind gemacht haben. Die Minjung-Theologie hat einen Zugang zur biblischen Sprache mit Hilfe ihrer Sprache gefunden.


Dissertation von Dr. LEE Chun-Sun: Ökumenisches Erzählen. Ein Konzept des Erzählens biblischer Geschichte als Form Ökumenischen Lernens.
Universität Siegen 1997.
LIT-Verlag Münster, 1998
ISBN 3-8258-3577-4

 

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168 Seiten (2. durchges. Aufl. 1956)

Mission in neutestamentlicher Sicht
Aufsätze, Vorträge und Predigten (MW.NF 8),
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Theologie des Neuen Testaments, Teil 1
新約聖書神学
Jetzt auch in jap. Übersetzung bei: Kyodan, Tokyo 2006