Ostasienreise 2013: Reisebericht

Ostasienreise von EKBO und BMW

Ostasienreise vom 21. Juni – 5. Juli

Reisebericht zur Ostasienreise (Hongkong, Taiwan, Japan und Südkorea)
(Dr. Theilemann)  Hier als pdf.


Wer?
1. Bischof Dr. Dr. h. c. Markus Dröge, EKBO
2. Kirchenrat Roland Herpich, Direktor des Berliner Missionswerks
3. Dr. Christof Theilemann in seiner Eigenschaft als Ostasienreferent des BMW
4. Jutta Klimmt, Pressesprecherin des BMW
5. Heike Krohn, Pressesprecherin der EKBO

Wohin?
Hongkong  (Lutheran Theological Seminar, Tao Fong Shan Institute und Deutsche Gemeinde Hongkong)
Taiwan      (The Presbyterian Church in Taiwan)
Japan       (Kyodan)
Südkorea (The Presbyterian Church in the Republic of Korea)

Wann?
20. Juni – 04. Juli 2013

Warum?
Grund der Reise ist a) das Interesse des BMW an einem möglichen Anknüpfen an die Arbeit der Berliner Mission in China (Hongkong), b) die vertraglich geregelte Partnerschaft (1978) zwischen der EKBO (vertreten durch das Berliner Missionswerk) mit der PCT in Taiwan, c) die auf der Grundlage der UEK-Partnerschaft bestehende enge Beziehung der EKBO durch das Berliner Missionswerk zum Kyodan in Japan und d) die vertraglich geregelte Partnerschaft zwischen dem BMW, der PROK in Südkorea und dem Ems (Partnerschaftsvertrag von 1977)

Anlass der Reise?

Die nach dem Visitationsbericht zum BMW anstehende Evaluation der Ostasienpartnerschaften von BMW und EKBO, Einladungen der Partner (Gemeinde Huizhou / China, PCT in Taiwan, Kyodan in Japan, PROK in Südkorea)

Wen trafen die Delegierten bzw. der Referent auf ihrer Reise?

Die Delegierten hatten Begegnungen mit folgenden maßgeblichen Personen:

1. Hongkong: Pfarrer Dr. Hoerschelmann und Gemeindeglieder der Deutschen Gemeinde Hongkong; Präsident Dr. Chow vom Lutheran Theological Seminary; Pastor Isaiah Lee (eigenständige lutherische chinesische Gemeinde) und Gemeindeglieder aus Huizhou (China); Direktor Ho und Ms Lui von SoCo (diese Organisation arbeitet, unterstützt vom EDWE, mit den „Cage People“ von Hongkong)

2. Taiwan (PCT): Moderator Hsu, Generalsekretär Lyim, Vice Moderator Lo, Revd Dr. Tin (Taiwan Theological College), Herr Yeh (Ökumenesekretär), Frau Wu (Herausgeberin), Revd Chang (Jugendsekretär) Frau Pan (Ökumenekomitee) sowie der Direktor des Fishermen’s Center in Kaohsiung, Frau Humphries (Chefsekretärin des Generalsekretärs, stammt aus Wales)

3. Japan (Kyodan): Moderator Ishibashi, Generalsekretär Nagasaki, Vice Moderator Ito, die Generalsekretärin des NCCJ, Frau Aminaka, vom Kyodan weiter: Ökumenedezernent Kato, ÖkumenereferentInnen Dr. Takada und Frau Sugiyama, Direktor Ito (Horikawa Aisei-En), Pfarrer Tokoro (Zaidan), Pfarrer Iri (Gemeinde Kyoto), Frau Prof. Sonntag (Rikkyo-Universität), Dr. Takatsuka (Kuratoriumsvorsitzender des NCCJ-Center für interreligiöse Studien), Frau Pfarrerin Zieme-Dietrich (Deutsche Gemeinde Tokyo-Yokohama), Frau Pfarrerin Kluger (EMS)

4. Südkorea (PROK): Generalsekretär Bae, Frau Dr. Cheon (Ökumenesekretärin), Pfarrerin Dr Lee (Religionspädagogisches Institut für Frieden und Menschenrechte), Pfarrer Park (Institut), die Herren Kim (Kuratoriumsvorsitzender) und Park (Direktor) von der Global-Sarang-Schule für die Kinder von migrant workers, Oberin i. R. Kim und Schwestern der Diakonia-Sisterhood in Cheonan, Herrn Drescher (Koreareferent des EMS); Bischof Dr. Dröge traf darüber hinaus: Pastor Dr. Dr. h.c. Park (Seniorpastor der Kyungdong Kirche und Organisator der 10. Vollversammlung des ÖRK in Busan 2013), Prof. Dr. Chai (Rektor der christlichen Hanshin-Universität), Pastor Dr. Kim (Generalsekretär des Nationalen Kirchenrates in Korea), Professorin Chung (Yonsei-Universität) sowie Dr. Chun, Chul, von der Hanshin-Universität und Herrn Shin, Jongsoo (General Manager der Kukmin-Tageszeitung)

Wie stellt sich die Situation aktuell politisch dar?

1. Hongkong:
Die Stadt boomt und ist zentraler Finanzplatz Asiens, wird freilich immer abhängiger von der Volksrepublik China, die ihren Einfluss seit der Übernahme Hongkongs von den Briten stark vergrößert hat, und von dem Geschehen auf den internationalen Finanzmärkten. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind aufgrund der Politik der Stadtregierung (sehr niedrige Gewerbesteuern) sehr stark ausgeprägt („Cage People“).

2. Taiwan
ringt darum, aus der Isolation (Ausscheiden aus der UN) herauszukommen, die auf den Einfluss der VR China zurückzuführen ist. In der Bevölkerung gibt es sowohl Befürworter einer Annäherung an China wie auch Skeptiker und sich für die weitere Unabhängigkeit Engagierende (so auch die PCT). Auch Taiwan ist ein High-Tech-Land, leidet freilich zunehmend darunter, dass die Personalkosten in China niedriger sind und die eigenen Firmen zunehmend von chinesischen Firmen auf dem Weltmarkt unterboten werden.

3. Japan
leidet immer noch unter der Dreifachkatastrophe von 2011, die das nationale Selbstbewusstsein erschüttert hat. Die Wirtschaft ist freilich wieder stark auf dem Vormarsch, dank der industriefreundlichen Politik der konservativen Regierung Abe, die freilich auch die einer Aufarbeitung der eigenen Kriegsschuld widerstrebenden Kräfte hofiert und sich für ihre Rüstungsbestrebungen auf die Situation in Nordkorea und das Erstarken Chinas beruft. Die Atomwirtschaft ist weitgehend noch unangefochten, trotz des Desasters von Fukushima.

4. Republik Korea:
Südkorea hat in den vergangenen Jahrzehnten einen starken Aufschwung zur High-Tech-Region genommen. Die Situation hier ist aufgrund der stärkeren industriellen Basis freilich nicht ganz so fragil wie im von den Finanzmärkten abhängigen Hongkong. Allerdings sind auch in Südkorea die Unterschiede zwischen arm und reich stark vorhanden. ImmigrantInnen haben es schwer. Das Bildungswesen ist an vielen Stellen so hierarchisch und autoritär geprägt wie in Japan.

Welches Sachthema stand im Vordergrund der Reise?

In den Gesprächen des Referenten vor Ort ging es im wesentlichen um folgende Themen:
· Freiwilligen- und ggf. Jugendaustausch sowie evtl. Entsendung von MitarbeiterInnen (Pfarrer Baruth nach Südkorea?, taiwanesische Missionarin nach Berlin?) zwischen den Partnern und BMW / EKBO
· weitere Unterstützung der ostasiatischen Projekte des BMW
· interreligiöser Dialog
· Missionsverständnis und theologischer Austausch
· Die politische und religiöse Situation vor Ort und in der VR China
· die sozialdiakonische Arbeit der jeweiligen Kirchen und ihr ökumenisches Miteinander (presbyterianische Kirchen!)
· Informationsaustausch und wichtige Termine für gegenseitige Besuche (vor allem mit Taiwan)
· Konsequenzen für die ostasiatischen Gemeinden in Berlin

Welche Erkenntnisse sind nach der Reise neu?

1. Die wichtigste Erkenntnis: Die Beziehung zu den ostasiatischen Partnern bleibt ein integraler Bestandteil der Arbeit des BMW als Ökumenisches Zentrum der EKBO. Die auf der Reise von den Delegierten gemachten Erfahrungen bieten ausreichend Sachgründe, um dieses Urteil zu erhärten. Dies lässt sich für alle eben genannten Themen nachweisen.

Wie soll sich die Beziehung zur Partnerkirche weiter entwickeln?

Ein wichtiges Glied in der Weiterentwicklung der Kontakte werden die ostasiatischen Gemeinden von Berlin und die weitere verstärkte Beteiligung von Personen aus diesen Gemeinden an der Ostasienarbeit des BMW sein. Insgesamt ist darauf zu achten, dass der Austausch von ökumenischem Nachwuchs mit Ostasien verstärkt wird und dass in vertretbaren größeren Abständen gegenseitige Besuche maßgeblicher MultiplikatorInnen organisiert werden. Bei den Sachthemen sollte die Schwerpunktlegung folgendermaßen vorgenommen werden:
· Freiwilligen- und ggf. Jugendaustausch sowie evtl. Entsendung von MitarbeiterInnen) zwischen den Partnern und BMW / EKBO: Taiwan, Südkorea, Japan
· weitere Unterstützung der ostasiatischen Projekte des BMW: Taiwan (Fishermen’s Center), Südkorea (religionspädagogische Arbeit), Japan: Horikawa Aisei-En in Zusammenarbeit mit der Stadt Teltow und dem Diakonischen Werk
· interreligiöser Dialog (Taiwan, Japan)
· Missionsverständnis und theologischer Austausch (Taiwan, Japan, Südkorea)
· Anbahnung von Kontakten zu den traditionellen Arbeitsgebieten des BMW in China: Guangzhou / Huizhou und Qingdao
· die sozialdiakonische Arbeit der jeweiligen Kirchen und ihr ökumenisches Miteinander: Taiwan, Südkorea und Japan
· Informationsaustausch und wichtige Termine für gegenseitige Besuche: alle drei Länder sowie China
· ostasiatische Gemeinden in Berlin haben Relevanz für Kontakte nach China, Taiwan, Japan und Südkorea

Subjektive Eindrücke und Bilder

Die Ostasienreise brachte allen Mitreisenden eine faszinierende Fülle von Eindrücken. Die Situation der deutschen Auslandsgemeinde, die des Lutherischen Theologischen Seminars in Hongkong (das ja viele PastorInnen für China ausbildet!) hin zu den dortigen „Cage People“ in wenigen Worten zu beschreiben, ist schon schwer. Die unvergleichliche Herzlichkeit und fantastische Organisation der PCT-Verantwortlichen, die Präzision der japanischen Partner, die unterschiedliche Offenheit der koreanischen GesprächpartnerInnen über die Probleme in ihrem Land, aber insgesamt die paradigmatische Freundlichkeit, Höflichkeit und Gastfreundschaft der asiatischen Partner waren für alle Delegierten beeindruckend. Am undurchsichtigsten freilich stellt sich nach wie vor die Situation in China dar. Diese Undurchsichtigkeit wird sich freilich verringern, wenn das BMW mit verlässlichen Partnern wie Auswärtiges AMT, EWDE, EMD oder etwa dem Präsidenten des Lutherischen Theologischen Seminars Hongkong neue Anläufe zu Kontakten nach China unternehmen kann.


f. d. R.: Dr. Christof Theilemann, zuständiger Referent


Berlin, den 12. 07. 2013

 

BMW

Berliner Missionswerk

Auf einen Blick

Das Berliner Missionswerk pflegt u.a. Beziehungen zu Christen und Kirchen in China, Japan, Korea und Taiwan. Mit der Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea (PROK) wie auch mit der Presbyterianischen Kirche in Taiwan (PCT) bestehen allgemeine Partnerschaftsvereinbarungen, die einem Informations-und Personalaustausch, gegenseitige Besuche und Unterstützung bestimmter Projekte vorsehen. Mit der Vereinigten Kirche Christi in Japan sowie der Kirche Christi in China gibt es keine vertragliche Regelung der Beziehungen, auch wenn diese schon über Jahre vielfältig bestehen. Schon 1882 begann die Berliner Missionsgesellschaft die „China-Mission". Nach der Integration der Deutschen Ostasienmission in das Berliner Missionswerk 1972 wurden die Kontakte nach Japan vertieft, zu Korea und Taiwan neu aufgenommen und nach China, das sich erst 1980 wieder öffnete, allmählich wieder aufgebaut.

 

 

Wichtige Jahreszahlen

4. Juni 1884
Gründung des Allgemeinen Evangelisch-Protestantischen Missionsvereins in Weimar

1929
Offizielle Umbenennung in Ostasienmission (OAM). Dieser Name hatte schon seit 1921 als Untertitel Verwendung gefunden. Das sollte aber nicht bedeuten, dass der Verein für alle Zeiten sich auf Mission in Ostasien beschränken wollte...

1945
Trennung des schweizerischen Zweiges und Gründung der Schweizerischen Ostasien-Mission (SOAM)

1952
Gründung der Deutschen Ostasienmission (DOAM)

1972
Gründung des Evang. Missionswerkes in Südwestdeutschland EMS

1973
Gründung des Berliner Missionswerks BMW

1992
Vereinigung von OAM (im Bereich der ehemaligen DDR) und DOAM (im Bereich der ehemaligen BRD) zur Deutschen Ostasienmission DOAM.

2007
Letzte Satzungänderung