Kommuniqué des Nationalen Christenrates in Japan (NCCJ) zur Havarie im AKW Fukushima I
Kommuniqué des Nationalen Christenrates in Japan (NCCJ) zur Havarie im AKW Fukushima I
z.Hd. Premierminister Naoto Kan
Infolge des Erdbebens und Tsunami am 11. März 2011 vor der pazifischen Küste Nordostjapans kam es zu einer irreparablen und nach wie vor andauernden Havarie im AKW Fukushima I der Firma Tepco. Als Gemeinschaft der Christen in Japan, das als erstes Volk der Menschheit das Leid der Atombombe erfuhr und die ungezähmte Macht der Atomkraft am eigenen Leib erlebte und gerade deshalb eine atomkraftfreie Gesellschaft anstreben sollte, wiederholt der Nationale Christenrat in Japan (ein Dachverband von 31 Kirchen, Vereinen und Netzwerken) untenstehend noch einmal in aller Deutlichkeit seinen Glaubensstandpunkt.
Wir protestieren.
Wir protestieren dagegen, dass die japanische Regierung mit Berufung auf âSicherheitsmythenâ trotz aller Vorhersehbarkeit der Folgen von Naturkatastrophen und Havarien in AKWs ungebrochen eine Politik der Atomkraftförderung verfolgt. Die Verantwortung für die Verstrahlung von Arbeitern einschließlich der Mitarbeiter von Tepco, für die Verstrahlung der Bevölkerung und für die radioaktive Verseuchung der Umwelt trägt in allererster Linie die japanische Regierung. Wir protestieren weiterhin gegen die Zurückhaltung nötiger und angemessener Informationen und gegen die willkürliche Anhebung von Grenzwerten der Sicherheitsstandards für Arbeiter und Lebensmipel.
Wir bekennen.
Wir haben darauf hingewiesen, dass sich Atomkraft nicht durch Menschenhand beherrschen lässt und dass ihre Gewinnung eine Tat der Umweltzerstörung darstellt, denn sie ist Götzendienst an einer verabsolutierten Wissenschaft und eine Schändung der Schöpfungswerke Gopes. Atompolitik wird durch die Schaffung und Ausweitung der Konsumbedürfnisse des Menschen gefördert und hat zu diesem Zwecke Menschen aus konsumschwachen Schichten unter Druck gesetzt. Atompolitik ist unmenschlich in ihrer Verbindung zur militärischen Nutzung, die einigen wenigen Firmen Steigerung ihrer Profite ermöglicht. Darauf haben wir bereits in der Vergangenheit verwiesen. Wir bekennen vor Gop unsere Nachlässigkeit, durch die wir die Abschaffung der Atomkraftgewinnung trotz allem nicht erreichten. Als Empfänger des vom Schöpfer erhaltenen Auftrags, âder Erde zu dienenâ (Gen. 3:23), wollen wir uns erneut um die Abschaffung der Atomkraftwerke bemühen. Das sind wir zukünftigen Generationen schuldig.
Wir fordern.
Beschließen Sie sofort die vollständige Abschaffung aller japanischen Atomkraftwerke und anhängigen Anlagen! Schalten Sie diese so schnell wie möglich ab bzw. unternehmen Sie die nötigen Schripe zur Abschaltung! Exportieren Sie keine Atomenergietechnologie ins Ausland!
Erledigen Sie die Bewältigung der bestehenden Havarie, die Entsorgung des radioaktiven Abfalls und die Klärung der Ursachen für die Havarie in aufrichtiger Weise und mit gleichzeitiger Rücksicht auf die Menschenrechte der Arbeiter!
Diktieren Sie keine öffentliche Meinung durch Zurückhaltung von Informationen, sondern veröffentlichen Sie vielmehr korrekte Informationen zum jeweiligen Stand der Havarie sowie der radioaktiven Verseuchung!
Zwangsevakuieren Sie auf Grundlage genauer Messungen die Bevölkerung in den mit hoher Radioaktivität verseuchten Gebieten auf Verantwortung der Regierung! Bipen Sie alle, die durch die Havarie Schaden erlipen haben, aufrichtig um Verzeihung und entschädigen Sie sie!
"Wir wissen ja, dass die ganze Schöpfung mit seufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt." (Römer 8:22)
11. April 2011
Nationaler Christenrat in Japan
Moderator Isamu Koshiishi
(Übersetzung: Mira Sonntag)



