Köln/Bonn: Pfr. HAYASHIBARA
Japanische Evangelische Gemeinden in Deutschland
Seelsorge und Mission in Partnerschaft
Japanische Christen erfahren sich als kleine Minderheit
Einführung von Pfarrer HAYASHIBARA Yasuki
als Seelsorger der Japanischen Evangelischen Gemeinde Köln/Bonn e.V.
21. Oktober 2007, Bonhoeffer-Gemeinde in Köln-Lindenthal
v.l.n.r.: FUJII Hayato (Ältester), Pfrin Gebhard (Bonhoeffer-Gem.), Frau und Herr HAYASHIBARA, Kirchenrätin C. Busch, Superintendent Domning, Pfr. MINAMI, OBATA Shuji (Ältester)
Pfarrer HAYASHIBARA Yasuki
(geb. 1960)
wurde am 21. Okt. 2007 als Nachfolger von Pfr. OGURI in sein Amt als Seelsorger der Japanischen Evangelischen Gemeinde Köln-Bonn in einem feierlichen Gottesdienst eingeführt. Er
wird vom Kyodan in die Gemeinde entsandt, die selber für sein Gehalt verantwortlich ist. Ein beträchtlicher Zuschuss kommt von der Evang. Kirche im Rheinland. Die Gemeinde ist dankbar und froh, dass nach über einjähriger Vakanz mit der dauernden Suche nach Japanisch-sprechenden Predigern diese Zeit der Unsicherheit vorüber ist. Allerdings gibt es noch keine Lösung für die Finanzierung der Stelle nach 2011, wenn die Bezuschussung durch die Rheinische Kirche wegfallen wird.
In ihrer 30-jährigen Geschichte ist Pfr. Hayashibara der zehnte Gemeindepfarrer. Er wird „Prediger und Seelsorger sein, theologischer Lehrer und geistlicher Begleiter, der mit seiner Gemeinde und in der gemeinsamen Sprache den gekreuzigten und auferweckten Jesus Christus bezeugt: in japanisch-evangelischer Identität, die ausstrahlt in die deutsche Kultur und in das multikulturelle Kölner Umfeld“ (so Kirchenrätin Busch bei der Einführung).
Wir wünschen Pfr. Hayashibara, seiner Frau Yoshiko und Tochter Leila Gottes Segen und ein schnelles Eingewöhnen in der Fremde.
Grußworte
zur Einführung von Pfarrer Hayashibara sprachen:
- Pfarrerin Ulrike Gebhard, Bonhoeffer Kirche
- Pfarrer Gerhard Koslowsky, ehemals Kirchenrat in der EKiR, Ökumene-Abt.
- Pfarrer Kichie MINAMI, als Vertreter der Vereinigten Kirche Christi in Japan
- Pastor Meinderd de Vries, Vors. des Internationalen Konventes Christlicher Gemeinden in der Region Köln
- Pfarrer Martin Bock, Oekumenepfarrer Köln
- Pfarrer Rold Domning, Superintenden Köln-Mitte
- Pastorin Ursula Harfst, VEM, Ostasien
- Kirchenrätin Christine Busch, EKiR
- Pfarrer i.R. P. Schneiss, DOAM und EMS
Kirchenrätin Christine Busch
Ansprache im Einführungsgottesdienst am 21. Oktober 2007 in der Bonhoefferkirche in Köln-Lindenthal
Liebe Gemeinde, lieber Bruder Hayashibara,
wenn man in dieser Zeit auf die Internetseiten deutscher evangelischer Landeskirchen geht, findet man das Stichwort „Kirche im Übergang“. Denn es gibt gravierende Veränderungen in Gemeinden und Kirchenkreisen, Einrichtungen und Werken. Man rechnet für die nächsten 25 Jahre mit einem Rückgang der Mitglieder um ein Drittel und mit einem Rückgang der Finanzen um die Hälfte. Das ist ein Rückgang der Quantität in einem solchen Maß, dass wir alle uns fragen, in welchem Maß die Qualität der kirchlichen Arbeit tangiert wird.
Wie wirkt sich ein solcher Rückgang auf eine Gemeinde aus? Wie viel ehrenamtlicher Dienst ist erforderlich und leistbar? Wie viel bezahltes Hauptamt ist nötig?
Diese Fragen beschäftigen unsere kleine japanische evangelische Gemeinde in Köln seit 30 Jahren, seit ihrer Gründung. Sie hat sich dafür entschieden, einen eigenen Pfarrer zu haben: einen Prediger und Seelsorger, einen theologischen Lehrer und geistlichen Begleiter, der mit ihr und in der gemeinsamen Sprache den gekreuzigten und auferweckten Jesus Christus bezeugt. So lebt sie das allgemeine Priestertum aller Getauften: in japanisch-evangelischer Identität, die ausstrahlt in die deutsche Kultur und in das multikulturelle Kölner Umfeld.
Seit dem ersten Pfingstfest sind in der Kirche sehr unterschiedliche Menschen beieinander, die ganz verschiedene Geschichten mit Gott haben. Der Heilige Geist erfüllt sie alle, begabt sie und nimmt ihre Sehnsucht nach einem erfüllten Leben auf. Es ist diese Gemeinschaft der Heiligen, die der dritte Artikel unseres Glaubensbekenntnisses nennt. An sie ist der Pfarrer gewiesen. Er soll sie ausstatten mit allem, was nötig ist, damit sie als Gemeinde ihr Amt ausüben kann.
Martin Luther hat den Ausdruck geprägt, dass wir für einander zum Christus werden sollen. Denn wir alle haben durch den Heiligen Geist jeweils besondere Gaben, durch die wir die Wohltaten Gottes in Wort und Tat, im privaten Bereich wie im Beruf bezeugen.
Die Theologische Erklärung von Barmen sie bestimmte 1934 den Weg der Bekennenden Kirche gegen den Nationalsozialismus - nimmt dies in ihrer 6. These auf. „Der Auftrag der Kirche, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk“.
Und in unseren Gottesdiensten wird heute Kolosser 2, 8 10 gepredigt:
„Seht zu, daß euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm, der das Haupt aller Mächte und Gewalten ist.“
Ihr Amt und Auftrag, lieber Bruder Hayashibara, ist es, die Botschaft der Gnade in unserer unruhigen Zeit unter immer neuen ideologischen Herausforderungen immer neu zu übersetzen. Gottes Heiliger Geist wird Sie dabei leiten und die Herzen der Menschen für Gottes Wort und Gottes Herrlichkeit öffnen.
In diesen Dienst führen wir Sie heute ein und bitten gemeinsam: "Komm, Heiliger Geist, erfülle unsere Herzen und Sinne mit deiner Gnade." Amen
Pfarrerin Christine Busch ist Kirchenrätin der Evangelischen Kirche im Rheinland, Düsseldorf, zuständig für ausländische Gemeinden im Bereich der Rheinischen Kirche.
Pfarrer HAYASHIBARA Yasuki
<Kirche und Evangelium>
Predigt zu Matthäus 13, 44-46
anlässlich des Einführungs- und Jubiläumsgottesdienstes
Ich danke Ihnen, die Sie sich heute zahlreich von nah und fern hier eingefunden haben. Die Geschichte unserer japanischen Gemeinde begann am 13.11.1977 mit dem „Bibelkreis Bonn“ in einem Raum des Studentenwohnheimes der Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Dieser Bibelkreis bestand damals aus 6 Personen. Seit Mai 1979 nannte sich die Gemeinde „Japanische Christliche Gemeinde Bonn“, und im Laufe der Jahre wurde daraus „Japanische Evangelische Gemeinde Köln/ Bonn e.V.“. Auch der Sitz der Gemeinde wechselte von Bonn nach Köln, von Räumen der Freien Evangelischen Gemeinde dann im März 1990 zur Dietrich Bonhoeffer Kirche hier in Lindenthal, wo die Gemeinde bis heute zuhause ist. Seit im November 1980 ein Missionsabkommen zwischen der Vereinigten Kirche Japans (Kyodan) und der damaligen EKU geschlossen worden war, durch das seitdem Prediger aus Japan entsandt werden, sind inzwischen 27 Jahre vergangen. Seit Gründung sind mit den Hilfspfarrern 9 japanische Prediger in unserer Gemeinde tätig gewesen.
Viele Besucher zählte unsere Gemeinde in all den Jahren, die als Teil der Gemeinde gemeinsam Freud und Leid teilten. Es mag das Schicksal ausländischer Gemeinden sein, aber viele Menschen kamen und gingen dann wieder in die Heimat zurück. Davon lernten auch einige hier Jesus Christus kennen und ließen sich dann in Japan taufen. So sehen wir mit Freude die hier gesäte Saat in Japan Früchte tragen.
Heute unterstützen uns von Japan aus die „Freunde und Förderer der Japanischen Evangelischen Gemeinde Köln/ Bonn“ mit ihrem Gebet sowie durch großzügige Spenden. Die Zahl der Mitglieder, die alle um das Wohl unserer Gemeinde bemüht sind, beläuft sich auf 100 Familien. Außerdem steht die Gemeinde weltweit vielen Menschen in Freundschaft verbunden und versendet jeden Monat ihren Gemeindebrief an sie (incl. Japan ca. 350 Familien).
Die Tatsache, dass uns über 30 Jahre all dies ermöglicht wurde, haben wir zu großen Teilen der Unterstützung der Evangelischen Kirche im Rheinland zu verdanken. Wir danken Gott dafür, dass unser Weg durch das tiefe Verständnis sowie die Freundschaft der Deutschen Kirchen geebnet worden ist. Ich freue mich sehr, dass ich mich in Zukunft ebenfalls in den Evangeliumsauftrag mit den Brüdern und Schwestern einbringen kann.
Nun zu Matthäus 13, 44-46: hier wird über zwei Geschichten berichtet. Die eine beschreibt, wie jemand im Feld einen Schatz entdeckt und daraufhin sein ganzes Hab und Gut verkauft, um das Feld kaufen zu können. Die andere handelt von einem Kaufmann, der wiederum sein Hab und Gut verkauft, um eine wertvolle Perle zu erwerben. Beide Geschichten erzählt Jesus als Gleichnisse vom Gottesreich. Der Schatz steht für das Reich Gottes, das jemand, der es findet, um jeden Preis haben will.
Ich denke, dass man hier „Reich Gottes“ auch mit „Gott“ ersetzen kann. Denn jemand, der das Reich Gottes findet, hat Gott gefunden. Gott zu finden und ihn als tatsächlich gegenwärtig anzuerkennen wird ebenso gesehen, als hätte man einen kostbaren Schatz ergattert, den man um nichts in der Welt eintauschen würde.
Als Jugendlicher versuchte ich, wie ein Erwachsener zu sein und tat alles, wonach mir der Sinn stand. Irgendwann gab es nichts mehr, was ich tun wollte, und ich fiel in ein tiefes Loch. Desinteresse und Gleichgültigkeit gegenüber allem, was in der Welt um mich passierte, prägten diese Zeit. Mein Leben fühlte sich einfach nur leer und sinnlos an. In so einer Zeit nahm mich ein Freund mit zur Kirche, wo ich dann als 18jähriger von der Existenz Gottes erfuhr. Mich traf der Schlag, aber bald war ich mit großer Freude erfüllt. Ich war wie jemand, der den „kostbaren Schatz“ oder die „wertvolle Perle“ aus der heutigen Bibelstelle gefunden hatte. Mein Leben veränderte sich schlagartig. Die Leere meines Herzens wich dem Frieden durch den Herrn. Seitdem verspüre ich das Bedürfnis, auch anderen von der Existenz dieses „Schatzes“ zu erzählen, und so gehe ich bis heute meinen Weg als Prediger des Evangeliums.
Auch wenn man nicht an die Existenz Gottes glaubt, heißt es noch lange nicht, dass Gott aufhört zu sein; an seiner Existenz ändert sich nichts. Allerdings ist für Menschen, die ihn nicht kennen oder die nicht an seine Existenz glauben, Gott nicht existent. Daher erleben sie ihren Alltag ohne Gottes Liebe, Hilfe, Segen oder Gnade. Durch ihr Nichtwissen sind sie nicht in der Lage, am Segen durch den Glauben allein (SOLE FIDE) oder am Segen durch das Ewige Leben teilzuhaben, was äußerst bedauerlich ist. Meine Motivation ist es daher, diesen Menschen Gottes Existenz und seinen Segen zu vermitteln. Alle, die wir bereits von Gott wissen, sollten darin den Grund sehen, das Evangelium weiterzugeben. Paulus sagt, dass das Evangelium zwar Gottes Werk sei, aber durch den Menschen ausgeführt werden müsse. Er sagt: „Wer sollte das Evangelium hören, wenn es niemand verkündet?“ Wir sind also aufgerufen, aktiv an Gottes Werk, dem Evangelium, teilzunehmen.
Das Evangelium braucht seine Zeit. Es ist so wie mit der Heranzüchtung von Austern oder von wertvollen Perlen. Man sollte also viel Zeit mitnehmen, um gefestigte Gläubige heranzuziehen. Andererseits gibt es auch Menschen, die jetzt und hier das Evangelium brauchen. Anders als bei der zuerst genannten Missionsarbeit liegt hier Dringlichkeit vor. Besonders in der heutigen sozialen Situation wird dringende Missionsarbeit immer wichtiger. Überall findet man Menschen, die ohne das Seelenheil jeden Moment zusammenzubrechen drohen. Ich möchte weiterhin das Evangelium verkünden, und zwar immer mit dem Gedanken, dass es Leute dringend brauchen und sich manchmal wirklich in einer seelischen Notlage befinden. Natürlich kann ich ohne Gottes Kraft und Anleitung nichts verrichten. Ich bete also zum Herrn und bitte ihn um seine Hilfe, die er mir sicher zukommen lässt.
In Japan hatte ich zu meinem Glück seit etwa 16 Jahren immer deutsche Missionare oder Mitarbeiter von Missionswerken im näheren Umfeld. Diese Menschen leisten Großartiges für die Missionsarbeit in Japan, so gibt es zahlreiche Japaner, die durch sie mit dem Evangelium vertraut wurden. Ich habe sowohl als Kirche als auch als Privatmensch sehr viel Hilfe durch sie erfahren, und möchte daher im Gegenzug auch etwas in ihrem Land bewegen.
Im Einflussgebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland wie in Köln, Bonn oder Düsseldorf leben zahlreiche Japanisch sprechende Mitbürger, aber viele von ihnen haben noch keine Erfahrung mit Gott gemacht. Diese Menschen möchte ich gern mit Gott und auch mit Christi Evangelium bekannt machen. Bitte beten Sie dafür.
Liebe Gemeinde, lassen Sie uns gemeinsam das Evangelium leben und weitergeben.

