JAPAN

Geschichte, Gesellschaft, Kirche, Politik, Religion . . . .


Weihnachten in Japan
Ein Bericht von Frau Mira SONNTAG, Tomisaka Christian Center, Tokyo
Weihnachten 2007

„I love you“ oder Weihnachten in Japan

Im kommenden Jahr wird in Japan das 150jährige Jubiläum protestantischer Mission gefeiert. Im 16. Jahrhundert kam das Christentum erstmals nach Japan und wurde im 17. Jahrhundert verboten. Erst 1854 wurde Ausländern wieder erlaubt, das Land zu betreten. Danach brauchte die japanische Regierung weitere vier Jahr, um ausländischen Gruppen die Praxis ihres christlichen Glaubens zu gewähren. Dieser Termin wird üblicherweise als Beginn der zweiten Phase christlicher Mission in Japan angesehen.

Es wird berichtet, dass die erste christliche Weihnachtsfeier 1565 mit Pater Frois gefeiert wurde, der erste Weihnachtsbaum wurde 1860 von einem deutschen Grafen nach Japan gebracht. Nur sehr langsam verbreiteten sich die Informationen über Weihnachten. Die Hori-no-Hara-Mädchenschule auf der Ginza war wohl 1876 die erste japanische Institution, die offiziell Weihnachten feierte. Von da aus breitete sich das Feiern von Weihnachten unter der japanischen Bevölkerung aus. Die Art, wie gefeiert wurde, reflektiert jeweils den Geist der Zeit. Während des Zweiten Weltkrieges waren ausländische Lehnwörter verboten: Statt „Christmas“ („kurisumasu“ ausgesprochen) wurde der Name „seitansai“ (wörtlich „Heilige-Geburt-Fest“) eingeführt.

In der Nachkriegszeit wurde die Weihnachtsfeier mit den Parties der Firmen zur Jahreswende verbunden, die schon Mitte Dezember beginnen und die besondere Atmosphäre der Nachtzüge mit ihrem Alkoholgeruch bestimmen. In den 70er Jahren, also nach dem ersten Öl-Schock, begann man damit, Weihnachten auch privat in den Familien mit Geschenken und Kuchen mit frischen Erdbeeren (in der Winterzeit!), mit frittiertem Hühnchen und Pizza zu feiern.
WATANABE Sadao

Als während der Bubble-Wirtschaft die Geldbeutel Leute voll waren und der Konsum seinen Höhepunkt erreichte, erhielt die christliche Botschaft der Liebe einen neuen Inhalt. Weihnachten wurde zu einem festlichen Ereignis für Paare. Seit dem fürchten sich junge Leute mindestens genauso sehr davor, an Weihnachten ohne Verabredung zum Rendevouz in einem der chicken Tokyoter Hotels sitzenzubleiben, wie vor der Gefahr, keinen Partner fürs Leben zu finden und deshalb als „übriggebliebener Weihnachtskuchen“ bezeichnet zu werden.

Bei solcher übermächtiger Kommerzialisierung an Weihnachten versuchen nun die Christen ihre nichtchristlichen Nachbarn mit Kerzengottesdiensten und Kirchenkonzerten anzusprechen. Für viele Gemeinden ist der Heilige Abend eine besondere Gelegenheit zur Mission. Selbst nach 150 Jahren der Mission in Japan zählen die Christen nur etwa 0,8% der Bevölkerung. Viele Christen leben in nichtchristlichen Familien. Da ist es nicht verwunderlich, dass Weihnachten nicht allgemein in japanischen Häusern gefeiert wird. Hinzu kommt, dass das traditionelle Neujahrsfest gleich auf Weihnachten folgt. Darum sorgen viele Gemeinden am Sonntag vor Weihnachten für eine festliche Situation außerhalb der Familie, wo dann nach dem Gottesdienst gemeinsam die verschiedensten Leckerbissen verzehrt werden. Größere Kirchen laden ein zu Krippenspielen und Geschenken vom Nikolaus, auch hier der Weihnachtsmann, für die Kinder. Viele Kirchen haben ihre eigene Tradition entwickelt: Sie laden einen Bauchredner oder sie geben dem Nikolaus im Austausch zu den Geschenken Reis, wie z.B. in der Nishikatamachi-Gemeinde in Tokyo. Die Kinder lernen dadurch, dass zum Empfangen auch das Geben gehört. Der Reis wird dann an Einrichtungen für notleidende Kinder gesandt. Wenigstens für Kinder ist eine solche Handlung wohl leichter verständlich als das eher symbolische Spenden von Geld.
(aus: Kyodan Newsletter, Dez. 2007, Nr. 345)