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Hasset das Böse und liebet das Gute
(Amos 5,15 und Römer 12,9)
(Bericht im vollständigen Wortlaut)
"Diesen Satz hat Rev. Cao Shengjie, seit einem Jahr Präsidentin des China Christian Council, während ihres Besuches bei vielen Gelegenheiten zitiert. Sie hat damit beschrieben, wie sich die Patriotische Drei-Selbstbewegung und der China Christian Council das Verhältnis zum Staat und zur Kommunistischen Partei denken: Anstelle von Konfrontation oder Verweigerung suchen sie nach einer Haltung, die sich konstruktiv zu dem seit mehr als zehn Jahren propagierten Anspruch der Partei auf gegenseitige Anpassung verhält. Gleichzeitig ließe diese Grundhaltung - nach eigenem Bekunden - die Möglichkeit offen, gegebenenfalls auch bei der Regierungspolitik zwischen Gutem und Bösen zu unterscheiden."
Das Zitat zeigt, wie schmal der Grat ist, auf dem die chinesischen Christen gehen. Auch wenn die Bedeutung der Religionen für die Stabilität einer Gesellschaft zunehmend anerkannt wird (was weitgehend bedeutet, dass die Vorrangstellung der Partei gesichert wird), bestimmen die Religionsgemeinschaften ihren Ort in der Gesellschaft nicht selber. Er muss von ihnen vielmehr immer wieder neu auf der Basis des Dokumentes Nr. 19 aus dem Jahr 1982 herausgefunden werden und ist bisher nicht durch ein formales Religionsgesetz gesichert (oder manche sagen auch eingeschränkt). Was darin unter normalen religiösen Aktivitäten verstanden wird, bedarf weiterhin der Auslegung. Eine wohlwollende und objektive Behandlung ist trotz der leisen Fortschritte in den Bemühungen um den Aufbau eines Rechtsstaates noch lange nicht sicher. Trotz der Nachrichten über einzelne Behinderungen und manchmal auch Verhaftungen genießen die protestantischen Kirchen und nach übereinstimmenden Aussagen verschiedener Personen auch die nicht registrierten Hauskirchen weitgehend einen Handlungsspielraum, der es ihnen ermöglicht, die Gemeindearbeit weiterhin aufzubauen.
Zur Komposition der Begegnungen
Vorbereitet und geplant wurde der Besuch des Chinesischen Christenrates seitens des Asienreferats des EMW von Pfarrerin Maren von der Heyde. Sie hatte bereits im Januar die Mitglieder des neu gewahlten Christenrats in Shanghai besucht und so eine konkretere Vorstellung über deren Wünsche und Erwartungen erfahren können. Seitens der EKD wurde die Delegation von OKRin Martina Helmer-PhamXuan begleitet. Die chinesischen Texte der Delegation für die Konsultation wurden schon auf dem Vonvege von Frau Dr. Monika Gänßbauer (China-Infostelle) übersetzt. Sie hat gemeinsam mit der von der Delegation mitgebrachten Übersetzerin Ms Lin Manhong mit großem Einsatz dafür gesorgt, dass auch diejenigen, deren Englischkenntnisse nicht ausreichten, an allen Gesprächen teilhaben konnten.
Ziele des Besuchs waren:
1) Kennenlernen der kirchlichen Institutionen (EMW, EKD) in Deutschland
2) Kennenlernen der Staat-Kirche Beziehungen in Deutschland
3) Besuch einiger diakonischer Einrichtungen
4) Eine Konsultation in Wittenberg zu den Themen: (1) Theologische Ausbildung, (2) Zusammenarbeit der Diakoniestiftung Amity mit der neu gegründeten Abteilung für Soziale Dienste im CCC
mit allen in der China-Arbeit engagierten Einzelpersonen und Gruppen im Bereich von EKD und EMW.
In den letzten beiden Tagen vor der Ankunft der Delegation wurde plötzlich unsicher, ob die Delegation tatsächlich kommen könnte. Der Ausbruch der Krankheit SARS und die gerade in den Tagen vor der Abreise der Delegation öffentlich gewordene Erkenntnis, dass in China besonders viele Fälle auftraten, führte zum Rücktritt des Bürgermeisters von Beijing und des Gesundheitsministers und zu neuen Reisebeschränkungen im Land. Die Ankunft der Delegation in Hamburg wurde daher mit großer Freude und ,auch Erleichterung registriert.
Nach der Begegnung mit den RAB - Beamten im März 2002 war sicherlich eine der spannenden Fragen, welche Form der Begegnung und des Austauschs über die Situation der protestantischen Christen in China mit dieser Delegation möglich sein würde. Allen Beteiligten war deutlich, dass unsere Begegnung mit klaren Begrenzungen stattfinden würde.
Eines der wichtigsten Anliegen der Delegation, auf das Rev. Cao auf dem Vorwege immer wieder hingewiesen hatte, war die Öffentlichkeitsarbeit. Wir hatten Mühe der chinesischen Seite zu erklären, warum es nach unseren Erfahrungen nicht viel Sinn macht, zu einer Pressekonferenz einzuladen. Stattdessen haben wir ihnen versichert, dass wir uns bemühen, Vertreter der Kirchengebietspresse zu informieren, damit sie die Delegation an verschiedenen Punkten ihres Besuches interviewen. Da unsere Vorbereitungen (und übrigens auch die in Bern und Basel) ihren Erwartungen aber nicht ganz entsprachen, hat sich der CCC noch kurz vor der Ankunft darum bemüht, über die Chinesische Botschaft in Berlin (und auch in Bern) Pressekonferenzen zu organisieren. Die Botschaften haben nach Rücksprache mit uns jedoch davon Abstand genommen und den Christenrat entsprechend informiert. Da sich epd, der NDR, die Kirchengebietspresse in Sachsen und der ORB interessierten, konnten Mitglieder der Delegation insgesamt vier längere (Radio-, zwei Zeitungs- und ein Fernseh-) Interviews geben.
Aufriss des Besuches und der Themen:
Theologische Erneuerung und Sozialdiakonische Arbeit der Gemeinden
Der Besuch begann in Hamburg mit einer ersten Einführung im EMW. Um möglichst viel Zeit für die Begegnungen zu haben und wenig Zeit beim Fahren zu verbringen, lag der Schwerpunkt des Besuches in Deutschland aber in Berlin, weil es dort möglich ist, mit Hilfe des Berliner Missionswerkes und eines Mitarbeiters der EKiBB eine breite ost-westliche Palette von kirchlicher Arbeit auf der Gemeindeebene z. B. mit dem Besuch beim Beauftragten der EKD bei der Bundesregierung zu verbinden. Auf Wunsch des CCC und der Dreiselbstbewegung wurde der Besuch mit einer Konsultation verbunden, die es der Delegation ermöglichen sollte, ihr Anliegen zur Theologischen Erneuerung in China vorzustellen. Die Konsultation fand in Zusammenarbeit mit dem Luther-Zentrum in Wittenberg statt, das auch übernommen hatte, den Propst Herrn Kasparick, Dr. Forsberg als theologischen Referenten des Luther-Zentrums und den Pfarrer der Stadtkirche Herrn Volkmann für Kurzreferate zu gewinnen.
Auch wenn nicht sicher scheint, ob die Delegation wahrnehmen konnte, dass sie sich damit im Gespräch mit Vertretern einer Kirche befanden, die auch eine Geschichte mit dem Sozialismus hat, war es höchst spannend zu hören, wie unterschiedlich sie ihre Rollen definierten. Für künftige Begegnungen wird es unerlässlich sein, dieses Gespräch zu vertiefen. Hauptgegenstand der Konsultation war jedoch die theologische Erneuerung. Dankenswerterweise hatte sich Prof. Dr. Ahrens bereit erklärt, ein Referat zur akademischen Ausbildung und zur Bedeutung Theologischen Denkens zu halten. Leider blieben die chinesischen Vorträge sehr formelhaft.
Die von Bischof Ting vor einigen Jahren ausgerufene Bewegung zur Erneuerung des Theologischen Denkens war von der Nationalkonferenz als eine der wichtigsten Aufgaben für die Arbeit der künftigen Legislaturperiode eingestuft worden. Gleichzeitig wurde auch eine Abteilung für soziale Dienste gegründet, die die Gemeinden ermutigen und ihre Leitungen dafür ausbilden soll, sich der sozialen Nöte und Aufgaben in ihrem Umfeld anzunehmen. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass sich viele chinesische Gemeinde Christen in den letzten Jahre aus ihrem sozialen Umfeld lösen. Viele suchen ihre christliche Identität im Gegenüber und im Gegensatz zu ihrer Umgebung, zu anderen Religionen, zum Staat und natürlich zur Partei. Unterstützt werden sie darin oft von sehr evangelikalen Gruppen aus den USA.
Die erste offizielle Begegnung und das erste Gespräch der Delegation mit Kolleginnen und Kollegen und Gästen aus Hamburg fand im EMW statt. In den einführenden Reden nahmen Rev. Cao und Elder Ji sogleich Bezug zu den Themen (theologische Erneuerung und Soziale Dienste), die sich schon auf dem Vorwege als die zentralen Themen herausgestellt hatten.
Andere Fragen, wie zum Beispiel die Frage, wie CCC und TSPM mit der Volksfrömmigkeit umgehen, wurden entsprechend sofort eingeordnet. Auch dabei ginge es darum, ein tieferes Verständnis des Theologischen Denkens zu gewinnen und den Pastoren klare Kriterien dafür zu geben, was eine Irrlehre ist. Im allgemeinen „Religionsfieber" entzögen Sekten den Kirchen ihre Gemeindeglieder. Die oft hilflosen Pfarrer und Gemeinden stünden dann in der Gefahr, auch politisch nicht mehr als anerkannte Größen für die Religionsbüros zu gelten. Alle Aktionen, darunter auch die eingeforderte Sozialarbeit der Gemeinden, müsse sich dagegen darauf ausrichten, die politisch geforderte Rolle einzunehmen und gesellschaftlich anerkannt zu werden.
Mit der Ausweitung der Sozialarbeit in den Gemeinden, wie sie an manchen Orten schon seit Jahren aufgebaut wurde, soll auch das theologisches Erbe mancher amerikanischer oder europäischer Missionsgesellschaft abgelegt werden, das von einer Einbettung in die vorhandene Gesellschaft (Liebe zu den Menschen) absieht und sich nur als heraus gerufene Gemeinschaft im Geist (Liebe zu Gott) versteht.
Auf die Frage nach den Erwartungen des CCC-und der TSYM an die ökumenischen Partner nahmen sowohl Rev. Cao als auch Presbyter Ji vor allem auf die Pfarrerausbildung Bezug. Sie drückten ihre Hoffnung aus, dass deutsche Dozenten und Professoren eine wichtige Rolle bei der Erneuerung des Theologischen Denkens, in der Aus- und Fortbildung in China einnehmen können. Die letzte Frage dieser Runde, ob der Zuwachs an Gemeindegliedern über den Segen, der sich darin zeigt hinaus auch eine (zu) große Aufgabe für die chinesischen Protestanten sei, wurde in diesem Zusammenhang fast mit Erleichterung entgegengenommen. Tatsächlich sei es kaum möglich, den Anforderungen in Ausbildungsstandards und in der Zahl der Prediger und Seelsorger nachzukommen. mehr
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22. - 27. April 2003
in Hamburg, Berlin und Wittenberg
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Rev. Ji Jianhong
Vorsitzender, National Committee of Three-Self Patriotic Movement of Protestant Churches in China,
Executive Vice-President of the Nanjing Uniob Theological Seminary
Rev. Cao Shengjie
Präsident, China Christian Council
Vice President of National YWCA of China
Mr. Mei Kangjun
Executive Associate General Secretary of National Committee of Three-Self Patriots Movement of Protestant Churches in China,
Chief Editor of Tian Feng
Ms. Chen Meilin
Execuitve Assiciate General Secretary of China Christian Council,
Director of Overseas Relations Department of CCC/TSPM
Rev. Wang Aimin
Vice President of Jinling Union Theological Seminary
Rev. Chen Yilu
Vice President of Guangdong Union Theological Seminary,
Associate General Secretary of China Christian Council
Rev. Gu Yuntae
Assiciate General Secretary of Suzhou Christian Council
Ms. Lin Manhoung
Overseas Relations Department of CCC/TSPM
Working as interpreter of the group
und als Begleitperson:
Ms. Dr. Theresa Carino
Director of the Amity Foundation, Hong Kong Office
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Der vollständige Bericht über diese Konsultation im April 2003 in Hamburg, Berlin und Wittenberg kann als pdf-Datei eingesehen werden.
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