"Confort Women" - "Trostfrauen"



2005:
60 Jahre seit Kriegsende und immer noch kein Ende


Sexsklavinnen für Japans Soldaten im II. Weltkrieg




Rund um den Globus kam es in den vergangenen Wochen zu Demonstrationen und Protest gegen die Art und Weise, wie die japansiche Regierung mit dem Problem der zur Prostitution im Militär gezwungenen jungen Frauen umgeht. In über 60 Städten ging man auf die Straßen. 60 Jahre nach Kriegsende ist die japanische Regierung immer noch nciht bereit, die Verantwortung für die sog. Sexsklaven zu übernehmen, ihre Leiden anzuerkennen und die Bitte um Vergebung zu äußern.
In Seoul (s. Bild) und in Berlin (s.unten) versammelten sich junge und alte Frauen und Männer, um "die Anerkennung der zur Sexsklaverei gezwungenen Frauen als Opfer eines Verbrechens gegen die Menschlikeit" zu fordern.
Fotos aus San Francisco, 15. August 2005



Botschaft der betroffenen Frauen in Korea

Wir sind sehr dankbar für die Solidarität aus allen Ländern.
Das macht uns große Hoffnung, gibt uns Kraft weiter zu kämpfen und nicht aufzugeben.
Dieses Jahr ist das 60. Jahr der Befreiung aus der japanischen Kolonisation. Aber wir fühlen diese Befreiung nicht.
Noch immer leben wir mit der Qual und den Verletzungen, die wir erlitten haben, weil Japan uns als Sexsklavinnen im Kriegsgebiete verschleppt hat.
Eigentlich wollten wir nie mehr bis zu unserem Tod über diese grausame Erinnerung sprechen oder auch nur denken. Die erlittene Erniedrigung empfanden wir als große Schande deswegen haben wir in Verborgenheit gelebt. Bis heute verschweigt und vertuscht Japan seine Geschichte, deshalb mußten wir aktiv werden.
Seit 14 Jahren schleppen wir unseren über 80 und 90 alten Körper, ob es regnet oder schneit, jeden Mittwoch vor die japanische Botschaft um für unsere Würde zu kämpfen. Viele von unseren Mitstreitern sind bereits gestorben. Unsere Demonstration verläuft stets ohne eine japanischer Antwort. Deshalb sind wir verzweifelt, da unsere Bemühungen bisher nutzlos waren.
Junge Menschen und Freunde aus aller Welt machen uns immer wieder Mut. Wir sollen nicht aufgeben, dadurch kriegen wir wieder Hoffnung.
Auch die UNO und internationale Organisationen unterstützen uns und geben uns Mut.
Unsere Wünsche sind, dass sich Japan offiziell entschuldigt und uns entschädigt, so dass sich derartige Verbrechen nie mehr wiederholen mögen. Deshalb glauben wir, die Gerechtigkeit wird siegen, dafür stehen wir hier. Unsere tiefe Danksagung gilt der Solidarität aller Freunde aus aller Welt. Das gilt über unseren Tod hinaus bis das Problem gelöst ist, damit auf dieser Erde Friede und Gerechtigkeit verwirklicht wird.
Solitaritätsgrüße von der 669. Mittwochsdemonstration der betroffenen Frauen aus Korea. Seoul, am 5.8.2005

Fotos aus Berlin, 10. August 2005





Berlin, den 10.08.2005
Gemeinsame Erklärung!

An den Premierminister von Japan Herrn Junichiro Koizumi
2-3-1, Nagara-cho, Chiyoda-Ku, Tokyo Japan

Wir fordern Japan auf, die Entschädigungsfrage endlich gesetzlich zu regeln und folgende spezielle Gesetze für die ehemalige koreanischen zwangsprostituierte Frauen(Trostfrauen) zu erlassen die Süd und Nord Korea betreffen.
1. Unverzügliches Entschädigungsgesetz
2. Eine offizielle Entschuldigung Japans, um den betroffenen Frauen die Würde zurückzugeben
3. Veröffentlichung der Dokumente und des Beweismaterials
4. Wahrheitsgemäßer Bericht in den Geschichtsbüchern
5. Bestrafung der Täter
6. Errichtung einer Gedenkstätte
7. Suchaktion nach überlebenden ehemaligen Trostfrauen in asiatischen Gebieten, um deren Rückführung zu ermöglichen
8. Eine würdevolle Bestattung der verstorbenen ehemaligen Trostfrauen und eine Rückführung der Gebeine nach Korea von den Frauen, die im Ausland verstorben sind.

Japan sollte eine gesetzliche Wiedergutmachung an die Trostfrauen zahlen, damit würde Japan vor der jungen Generation sein Gesicht wahren und eine aufrichtige Geschichte schreiben.
Wenn sich Japan selbst nach 60 Jahren aufrichtig zu seinen Kriegsverbrechen bekennen würde, stünde seiner Führungsrolle im Weltsicherheitsrat nichts mehr im Wege.
Nordkorea hat mit Japan bisher noch keine Entschädigungsfrage diskutiert, auch dort leben viele betroffene Frauen deren Anerkennung ihrer Leiden und deren Wiedererlangung der Würde dringend notwendig ist.
Ich appelliere an die japanische Regierung, Wahrheit und Gerechtigkeit walten zu lassen, um diesem Unrecht ein Ende zu setzen.
Versöhnung und Heilung der Jahrzehnte alten Wunden sind möglich, wenn Japan endlich aufrichtig die Verantwortung für diese Geschehnisse übernimmt.
Es wäre ein bedeutender Schritt für den Frieden zwischen den asiatischen Ländern und außerdem eine Stärkung der Selbstachtung Japans im Hinblick auf die folgenden Generationen.
Die Bereinigung seiner eigenen Geschichte wäre die Grundvoraussetzung für die angestrebte Position Japans in UNO- Sicherheitsrat.

Vertreterin der Friedensgruppe der koreanischen Frauen in Deutschland : Chung-Noh Gross
EMS, Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland e.V., Verbindungsreferat Ostasien : Gisela Köllner, Lutz Drescher
Koreanischer Krankenschwesterverein Berlin: Duk-Sim Bak
Berliner Missionswerk : Gerd Decke, Pfarrer :
Koreanischer Verein Berlin: Chun-Won No
Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz Aussiedlerseelsorge: Jörg Baruth
Liedermacher Karl Nümmes : Eckert Franke
Koreanische Han-In Kirche in Berlin : Il-Nam Lee
Frauenverband Courage : Barbara Gareis
Evangelische Finowfurt Gemeinde : Carsten Rostalsky
Netzwerk der Koreaner in Deutschland : Ji-Sook Lee
Pan-korean-Alliance for Reunifecation e.V in Germany : Jun-Sik Lee
Alliance for Democracy and Reunifecation of Korea : Young-Joon Rhee
Koreanische Frauengruppe in Deutschland Mitg. : Hyun-sook Song
Japanische Fraueninitiative in Berlin :Hamada Ritter
Internationales koreanisches Frauennetzwerk in Deutschland : Jin-Hyang Kim-Moeck
Beauftragter für Asien im Fachbereich Entwicklung und Partnerschaft Asien im Zentrum Ökumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau: Detlev Knoche
Partnerschaftsausschuß Korea in der Rhein-Main-Propstei der EKHN: Irmgard Münzer

Mit freundlichem Gruß
Chung-Noh Gross
Ehemaliges Vorstandsmitglied des Frauenmenschenrecht-Center des Korean Councils und Vertreterin der Friedensgruppe der koreanischen Frauen in Deutschland

Fotos aus Bern, 10. August 2005






Comfort Women

Wichtige Texte
(auch zum download)
1. Botschaft aus Korea
2. Gemeinsame Erklärung
3. Rede von Chung-Noh Gross
2. Rede von Pfr. Gerd Decke
3.
Statement des EMS
4. Statement aus der Ev. Kirche in Hessen und Nassau
5. Statement aus der Ev. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
6. Deutsche und japanische Vergangenheitsbewältigung - ein Vergleich
7. Ein Brief

Aus dem Tagesspiegel vom 16.08.2005

Von 1910 bis 1945 war das damals noch ungeteilte Korea von Japan besetzt. Eine Vielzahl koreanischer Frauen wurde zwischen 1932 und 1945 im Heimatland entführt und in japanische Soldatenbordelle verschleppt. 30 bis 40 Mal am Tag wurden die Frauen vergewaltigt. Die Jüngsten waren zwölf bis 13 Jahre alt. Von den insgesamt etwa 200000 „Trostfrauen“ kamen 80 Prozent aus Korea. Etwa 500 koreanische „Trostfrauen“ leben heute noch.

Ihr Alltag glich ständiger Folter. Chung-Noh Gross, Vorstandsmitglied des Korean Council Berlin, beschreibt, wie die Frauen in kleinen Kerkerräumen auf ihre Pritschen gezwungen waren und „selbst im Liegen essen mussten, während die Soldaten Schlange standen und weitermachten“. Als Folgen der täglichen Massen-vergewaltigung waren Selbstmorde und Fehlgeburten an der Tagesordnung. Unwillige Frauen wurden an den Füßen aufgehängt und geköpft. Die Geschlechtsteile der Frauen waren zum Teil so angeschwollen, „dass man nicht einmal eine Nadel hätte einführen können“, heißt es in einem Arztbericht.

Dass sich die Opfer selbst bis heute als „Trostfrauen“ bezeichnen, ist Ausdruck von Scham und tiefer Pein. „Eigentlich müsste man von Sexsklavinnen und Vergewaltigungszentren sprechen“, sagt Chungh-Noh Gross. Doch das sei einfach nicht zu ertragen. Es habe Überwindung genug gekostet, sich zu den erlittenen Grausam-keiten öffentlich zu bekennen.

Der Enthüllungsprozess begann deshalb auch erst Anfang der neunziger Jahre mit der Gründung des ersten Korean Council in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Daraufhin wurde mit Unterstützung der Regierung in Tokio 1995 der Asian Women’s Fund gegründet. 285 Opfer erhielten aus öffentlichen Spenden jeweils knapp 15 000 Euro Entschädigung, medizinische Hilfe und eine inoffizielle, vom japanischen Premierminister unterschriebene Entschuldigung.

Viele frühere Sexsklavinnen fordern aber noch immer eine direkte Entschädigung von der japanischen Regierung. Diese argumentiert aber, dass das Problem mit den Friedensverträgen nach dem Krieg gelöst worden sei. „Die japanische Regierung hat entschädigt und sich mehrfach ent-schuldigt“, sagte Kazuya Otsuka, japanischer Botschaftssekretär in Deutschland, dem Tagesspiegel. Doch Chung-Noh Gross genügt das nicht. „Wir kämpfen weiter, bis wir sterben“, sagt die Aktivistin. „Und wenn wir tot sind, werden andere in unserem Namen weiterkämpfen“, fügt sie entschlossen hinzu.


An die japanische
Regierung


11. August 2005
Worte sind mächtige Waffen, die viel Unheil anstiften können.
Ein verlogenes Wort über -zig Tausende Trostfrauen kann tief verletzen und lange weh tun:
zum Beispiel in japanischen Schulbüchern.
Nicht ausgesprochene Worte können ebenso tief verletzen und lange weh tun.

Ein ganzes Volk in Nord- und Südkorea erwartet seit Jahrzehnten ein deutliches Signal: „Schuldbekenntnis!“ ist so ein Wort.
Wir alle, die wir heute hier zusammengekommen sind,
erwarten ein deutliches Schuldbekenntnis von der japanischen Regierung.
Wir erwarten ein beherztes Schuldbekenntnis
und kein halbherziges Lippenbekenntnis.
Leere Worte, denen keine Taten folgen, werden gleich vergessen.
Niemand braucht sie, außer zum Verschleiern von Verbrechen.

Wir wollen und werden die Opfer nicht vergessen.
Weder die vielen Toten noch die wenigen Überlebenden.
Je mehr wir alle die koreanischen Opfer dem Vergessen entreißen,
ihnen in aller Welt mit unseren Demonstrationen eine Stimme und ein Gesicht geben,
umso mehr verlieren die Verantwortlichen in der Regierung Japans ihr Gesicht
und vielleicht auch bald ihre Stimme.

Jede Demonstration für die Trostfrauen - egal wo auf der Welt –
ist ein Mahnmal für diese Opfer; und zwar ein lebendiges Mahnmal.
Wir fordern die japanische Regierung auf
sich mit einem Schuldbekenntnis der Vergangenheit zu stellen,
um den nachfolgenden Generationen in Japan und Korea
den Weg für Versöhnung und Heilung zu ebnen.
Versöhnung und Heilung zwischen den Menschen
in Korea und Japan ist möglich!
Das Wort kann eine mächtige Waffe sein.
Das Wort ist aber eher eine wunderbare Gabe,
den Menschen von Gott gegeben,
damit sie miteinander reden:
zum Beispiel über Schuld, Versöhnung und Heilung.

Carsten Rostalsky; Pfr.
Vorsitzender des Korea-AK im Berliner Missions-werk (BMW) (als pdf)