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Yasukuni-Schrein
Kriegshinterbliebene und der Yasukuni-Schrein, 2007
"Darum fühlen wir uns in unserem christlichen Glauben verletzt"
INOUE Takeshi, Verband der Kriegshinterbliebenen
KOBAYASHI Akira, Einschreinung
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Christliche Familien stellen sich dem Yasukuni-System entgegen
von INOUE Takeshi
INOUE Takeshi ist Mitglied der Kugayama-Gemeinde im Kirchenbezirk Tokyo-West des Kyodan. Er ist auch ein aktives Mitglied der „Vereinigung der christlichen Familien von Kriegshinterbliebenen“.
Schon in den alten Zeiten haben Shintô-Schreine Verstorbene vergöttert und sie als Götter verehrt. Damit wollten sie ihre Geister daran hindern, einen Fluch über die Lebenden zu bringen. Im Laufe der Zeit verschob sich allerdings die Betonung durch die Schreine: Den Götter der verschiedenen Feste wurde die Verehrung als Helden dargebracht. Gegen Ende der Feudalzeit Mitte des 19. Jahrhunderts, begann der Chôshu-Klan (lag in der heutigen Yamaguchi-Provinz) damit, ein Register all derer anzulegen, die in einer Schlacht oder im Dienst des Klans verstorben sind. Dieses Register wurde in einem Tempel hinterlegt, wo auch die Beerdigungsriten durchgeführt wurden. Es ist klar, dass die Feudalherren die Loyalität ihrer Krieger stärken wollten. Sie benützten diese Praxis, um ihre eigenen Leute auf Loyalität hin zu erziehen.
Im März 1969 veröffentlichte die Vereinigung der christlichen Familien von Kriegshinterbliebenen die nachfolgende Erklärung - kurz bevor das Yasukuni-Schrein Gesetz ins Parlament eingebracht wurde:
„Unsere Lieben, die in der Schlacht gefallen sind, sind keine heldenhafte Geister, die um der Lebenden willen verehrt werden müssten. Denn für Menschen, die ihrem christlichen Glauben gemäß leben, ist es eine Blasphemie, jemanden als Gott zu verehren, der nicht Gott ist. Darum fühlen wir uns in unserem christlichen Glauben verletzt.“
Wir haben gefordert, dass „die Namen (unserer lieben Verstorbenen) aus der Liste der Vergötterten gestrichen werden“. Darüber hinaus hat sich unsere Vereinigung kontinuierlich gegen das Yasukuni-System gestellt. Wir haben Seminare abgehalten und Demonstrationen durchgeführt. Vor 21 Jahren hat der damalige Ministerpräsident NAKASONE den Yasukuni-Schrein offiziell besucht. Das wurde der Anlass zur Gründung der National Liaison Conference, die wiederum von den verschiedenen Friedensvereinen von Familien Kriegshinterbliebener im ganzen Land unterstützt wird. Auch führte das zur Stärkung des internationalen Netzes, in dem wir mit ähnlichen Vereinigungen in Korea und in Taiwan zusammenarbeiten.
Der richtige Begriff zur Beschreibung der Haltung einem Toten gegenüber lautet tsuitô (追悼). Das bedeutet „über jem. trauern“. In der Presse findet jedoch üblicherweise der Begriff irei (慰霊) Verwendung, ein Begriff aus dem Shintô, der „die Geister (der Toten) besänftigen“ bedeutet. Wie man sieht, besteht eine grundlegende Differenz in der Bedeutung beider Begriffe. Wir müssen innehalten und kritisch darüber nachdenken, wie die japanische Propaganda diesen Begriff während ihrer Zeit als kolonialer Aggressor benützt hat.
(Aus: Kyodan Newsletter Nr. 341, Februar 2007, nach Shinto bno Tomo, einer Zeitschrift des Kyodan für die Gemeinden)
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Einschreinung im Yasukuni-Schrein
- Die Angehörigen sind dagegen -
von KOBAYASHI Akira
Pfarrer der Urayasu-Gemeinde in der Provinz Chiba
Ich wurde mit dem Problem des Yasukuni-Schreins konfrontiert wegen des Todes meines Vaters und meiner Schwestern. Während des 2. Weltkrieges war mein Vater, Kobayashi Koichi, Polizist in der Korea-Behörde der japanischen Kolonialregierung. Gegen Ende des Krieges wurde er abberufen und kehrte nicht mehr zurück. Meine Mutter machte sich mit den drei kleinen Kindern auf den Rückweg nach Japan, doch unterwegs starben die beiden Schwestern, 6 Monate und 3 Jahre alt. Und meine Mutter wartete auf die Heimkehr des Vaters.
20 Jahre später forderte die Regierung meine Mutter auf, unbedingt dem Vorschlag der Regierung, meinen Vater als Kriegsopfer anerkennen zu lassen, zuzustimmen. Gerade in jenen Jahren wurden meine Mutter und ich in der Iwakuni-Gemeinde in der Provinz Yamaguchi getauft. Als Christen haben wir dann einen Gedenkgottesdienst für meinen Vater und die beiden Schwestern gefeiert. Auf dem Grabstein steht: „Ein Grab ohne Gebeine, nur ein kleiner Erdhügel“.
Im Oktober 1968 wurde uns plötzlich ein Dokument zugestellt mit dem Titel“ „Kobayashi Kichi mikoto“. Mikoto bedeutet „Gott“. Im Brief hieß es auch noch: „Wir beten gemeinsam, dass die Seelen der Helden, die sich selbst für unser Land hingegeben haben und auf den nationalen Frieden und eine gute Zukunft gehofft hatten, nun über die Zukunft unserer Nation, ihre Familien und alle Japaner wachen.“ Ohne jede Diskussion mit uns war somit mein Vater zu einem Gott-Helden gemacht worden. Ich werde den Zorn und den Schmerz jenes Tages nie vergessen.
Der Yasukuni-Schrein weigerte sich, die Forderung von Christen und anderen, ihre Angehörigen nicht als Gott-Helden anzusehen, ernst zu nehmen. Der Schrein antwortete nur mit der Erklärung, dass die Namen der Kriegsopfer aufgelistet wurden gemäß dem „Willen des Tenno“, weshalb sie auch nicht mehr aus dem Register gelöscht werden können. Auch die 540.000 Taiwanesen und Koreaner, die zu Japans Armee einberufen waren, um als japanische Soldaten zu kämpfen, wurden ebenfalls als Gott-Helden bestimmt - ohne jede Erlaubnis ihrer Angehörigen. Diese Familien fühlen sich beleidigt wegen einer solchen Behandlung. Die Erklärung von Seiten des Yasukuni-Schreins besteht darin, dass „sie mit dem Krieg einverstanden waren und darum zum Zeitpunkt ihres Todes als Japaner gelten. Daher ist es ganz natürlich, sie als Gott-Helden des Yasukuni-Schreins zu führen.“
Die japanische Verfassung, der sich auf Demokratie, Pazifismus und fundamentale Menschenrechte gründet, beinhaltet auch die vollständige Absage an den Staatsshintô. Ein Artikel der Verfassung legt die Trennung von Staat und Religion fest. Das japanische Volk hat geschworen, nie mehr Krieg zu führen und das Prinzip des absoluten Pazifismus als ein Bekenntnis zur Kriegsverantwortung zu bewahren.
Nach 61 Jahren jedoch stellen wir fest, dass Tennō und Staat noch immer eng zusammenhängen, wie die Besuchsrituale des Tennō und des Ministerpräsidenten im Yasukuni-Schrein bezeugen. Und auch dies verstößt gegen die Verfassung, dass heute im Konfliktfall Japan ein „Staat, der Krieg führen darf“ ist. Änderungen der Verfassung werden vorbereitet. Die Trennung von Staat und Religion kann dabei auf der Strecke bleiben.
Als Christ habe ich den Staat verklagt, weil er meinen Glauben verletzt hat: „Protest gegen den Besuch von Ministerpräsident Koizumi im Yasukuni-Schrein“. Gedenkfeiern für die Kriegsopfer sollten in Übereinstimmung mit dem Glauben und der Religion der Familienangehörigen stattfinden. Als Christ, dessen Glaube auch das 1. Gebot einschließt, leiste ich Widerstand gegen den Staat, der sich an eine bestimmte Religion und an den Yasukuni-Schrein bindet, und der die Rechte der Kriegsopfer einseitig verwaltet. Ihre Fürbitten geben mir Kraft, diesen Prozess durchzustehen. „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Frieden!“
Aus Kyodan Newsletter 243 (Mai 2007) nach „Shintō no Tomo“ (Monatszeitschrift des Kyodan für seine Gemeinden).
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Im Sept. 2005 urteilte das Oberste Gericht in Osaka, dass der Besuch des Ministerpräsidenten Koizumi im Yasukuni-Schrein ein Verstoß gegen die Verfassung sei. Im Foto wird dieses Urteil den vor dem Gerichtsgebäude versammelten Bürgern mitgeteilt und gleichzeitig der Ministerpräsident aufgefordert, mit den Spitzfindigkeiten aufzuhören, mit denen er seine Schreinbesuche zu rechtfertigen versuchte.
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MIYAUCHI Keisei: "Ich suche nach dem Herzen meines Vaters..." (2006) als pdf
INOUE Takeshi: "Christliche Familien stellen sich dem Yasukuni-System entgegen" (2007) als pdf-Datei
KOBAYASHI Akira: "Einschreinung im Yasukuni-Schrein" (2007) als pdf-Datei
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Sie können die Selbstdarstellung des Yasukuni-Schreins in Englisch lesen und Photos ansehen auf der Homepage des Yasukuni-Schreins: [Yasukuni.or.jp]
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