2003: Rundbrief Januar

Von KIM Jeong-Ran, Oberin

Chunan, Januar 2003

 

Eine neue von Gott her kommende Kraft

Es ist Advent - die Zeit in der wir auf das Kommen unseres Henn warten. Ich sitze im Gebetsraum lasse den Atem ruhig werden und konzentriere mein Herz. Nach dem Vorbild der Menschen in der Bibel, die mit sehnsüchtigem Herzen auf den Herrn warten, so versuche ich mein Herz zu sammeln. Während ich die Geschichte von der Geburt Jesu meditiere, konzentriere ich mein Herz auf die damalige Lage und Situation.

„ … Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war." (Lukas 2, 6-7)

Als Herodes die Weisen heimlich zu sich rufen ließ und sich von Ihnen genau sagen ließ, wann der Stern erschienen war, und sie dann nach Bethlehem schickte, da sagte er: "Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige." Als Herodes erfuhr, dass, er von den Weisen hineingelegt worden war, da wurde er sehr wütend. Er schickte Leute, die anhand der Zeitangabe der Weisen in Bethlehem und den umliegenden Gegenden alle Kinder unter zwei Jahren umbrachten. (Matthäus 2, 7 - 8,16)

Eine Welt, in der man einer unter Geburtswehen leidenden Frau es verweigert, ein Zimmer zu geben, eine Welt, in der dieser Frau, der man einen Platz unter Menschen verweigert, nichts anderes uebrigbleibt als sich an einen Ort zu fluechten, an dem Tiere leben, eine Welt, in der kleine Kinder durch die Gewalt der Maechtigen, die das Schwert schwingen, sterben muessen - gleicht diese Welt nicht unserer Welt von heute, in der sich auch nach 2000 Jahren immer noch nichts geaendert hat? Angesichts der Herrschaft des Geldes und der Macht, die arme und hilflose Menschen und Voelker an den Rand draengt, unterdrueckt, einsperrt, Ihnen Leid zufuegt und sogar in den Tod draengt, tut einem das Herz weh und moechte weinen. Der ruhige Atem wird wilder und der Herzschlag schneller. Die Brust ist wie eingeschnuert und das Fieber im Koerper steigt. Inmitten dieser intensiven Gefuehle, die kommen und gehen, versuche ich mein Herz zu konzentrieren. Wie viel Zeit mag wohl vergangen sein?
Ein ruhiges und angenehmes Gefuehl macht sich vom Herzen ausgehend im ganzen Koerper breit. Der Zorn verfluechtigt sich allmaehlich. Die hohen Wellen beruhigen sich und im transparent werdenden Wasser lassen sich wieder klare Konturen erkennen. Durch den unwiderstehlich aufkommenden Zorn in meinem Herzen betrachte ich mich noch einmal von neuem.
Ich erkenne, dass auch in meinem Inneren ein egoistisches Herz ist, dass sich in unserer Beziehung deinetwegen unwohl fuehlt, dass Furcht hat, dass ich materielle Nachteile haben koennte und deshalb nicht den kleinen Raum schafft, der noetig waere, damit neues Leben geboren werden kann. Vor Gott liegt alles bloß: meine inneren krummen Gedanken, meine Naivitaet, mit der ich hartnaeckig bei meinen falschen Ansichten bleibe, meine zahllosen Begierden, die immer wieder auftauchen, wann immer sich nur Gelegenheit dazu bietet, und meine schlechten Gewohnheiten, die sich staendig ruehren. Und wie man von einem hohen Ort aus auf die herumgehenden Menschen herunterblickt, so schaue ich auf die sich bewegenden Gestalten meiner inneren Schatten.
Ich schelte mein Herz voller Unordnung und Bösartigkeit nicht, Ich verdraenge mein Herz voller Gier und Egoismus nicht, Ich bin nur ganz wach und betrachte aufmerksam die Bewegungen und Gefuehle in meinem Herzen. Eine neue von Gott her kommende Kraft erfuellt mein Inneres.
So wie an demselben unheimlichen Ort, an dem Herodes voller Hass Mordplaene schmiedete, der wegen der Machthaber ausgeschlossene Jesus in einem Stall voller Stroh und Staub geboren wurde.
Ich wuensche Ihnen, dass Sie im neuen Jahr von Gottes Kraft erfuellt werden.

Wir konnten im vergangenen Jahr durch verschiendene Ereignisse Gottes neue Kraft in unserem Land erleben. Unter anderem denke ich an die Begeisterung und den Jubel der Jugendlichen beim Fußball-Weltcup im Juli. Mit ihrem ordentlichen und reifen Verhalten haben sie nicht nur in Korea Hoffnungen auf eine helle Zukunft geweckt, sondern weltweit vielen Menschen eine neue Hoffnung gegeben.
Von der Fussball-Weltmeisterschaft ganz verdeckt wurde der durch einen Panzerwagen des US-Militärs verursachte Tod von zwei Mittelschuelerinnen im Juni, der ebenfalls zu einem Anlass wurde, dass die Jugendlichen in Suedkorea sich mit einem Herzen versammelten. Wegen der hochmuetigen Haltung der USA, die den Vorfall beschwichtigen wollten, haben die Jugendlichen und Kinder dieses Landes mit ihren Kerzenvigilen die ganze Welt ueberrascht.
Und im Dezember hat durch die große aktive politische Beteiligung vor allem der juengeren Generation (in den 20ern und 30ern) an den Praesidentschaftswahlen Roh, Mu-Hyeon gewonnen und damit die konservativen Kraefte besiegt und damit das Fundament gefestigt fuer neue politische Reformen.
Wenn man diese Fuegung Gottes bedenkt, muessen wir wohl solche Bewegungen staendig weiter beobachten und foerdern, damit sie wachsen und Frucht bringen koennen.
Kurz moechte ich Ihnen, die Sie durch das Teilen der Liebe Gottes unser Leben materiell und spirituell ermoeglichen, noch Einblick gehen in unser Leben im vergangenen Jahr.

Eines der groessten Feste in unserer Schwesternschaft war, dass Schwester Jeong, Jae-Suk nach Beendigung ihrer dreijaehrigen Ausbildung die zeitlichen Geluebde abgelegt hat und zur Zweigstelle in Mokpo entsandt wurde. Wir sind dankbar; dass Gott auch auf unfruchtbaren Boden seinen Samen ausstreut und erntet.
Ende August ging der starke Taifun "Rusa" auch ueber unser Haus. Seine Wucht war gewaltig. Eine Schicht des Dachs der Kapelle wurde weggerissen. Die Baeume am Berg und Weg wurden arg mitgenommen. Einige sind abgeknickt, und der Weg wurde an einigen Stellen beschaedigt. Die Ernte erlitt schlimmen Schaden und im Herbst fiel die Ernte mager aus. Diese Ereignisse haben wir aber angenommen als Erinnerung daran, mit denjenigen, die schlimmer betroffen sind als wir, Schmerzen zu teilen.
Die Zahl derjenigen, die das "Haus der Spiritualitaet und des Friedens" als Einzelne oder als Gruppe nuetzen nimmt allmaehlich zu. Wenn wir sehen, wie die Schwestern und Brueder durch das Schweigen und stille Gebet Gott begegnen und mit neuer Kraft erfuellt wieder weggehen, dann haben auch wir Anteil an ihrer Freude.
In der Zweigstelle in Mokpo hat die Schwesternschaft- im August zum ersten mal seit Ihrer Gründung einer Bazar veranstaltet (Teilen der Liebe / teilen aus Liebe). Durch die Liebe der Menschen, die sich seit 20 Jahren um unsere Schwesternschaft kuemmern und ihr helfen, haben wir mehr eingenommen als erwartet. Wir danken allen von Herzen, die Sach- oder Geldspenden geben allen, die ihre Zeit zur Verfuegung stellen und selbst mitarbeiten, und allen, die aus der Ferne und Naehe selbst kommen und sich umsehen oder uns Anregungen geben.
Es war ein Jahr, in dem wir, wenn immer unsere Schritte schwer und anstrengend wurden, neue Kraft bekamen durch das Gebet und die Hilfe der Menschen aus Korea und anderen Laendern, und Gottes Liebe darin erfuhren. Ich bete dafuer, dass Gott in der Hoehe durch uns, die wir in der Schwesternschaft gemeinsam leben und in der Gemeinschaft reifer werden, Ehre sei, und unter den Menschen Friede.

Ihre Diakonie Schwesternschaft in Korea Jeong-Ran, Kim (Oberin)
gez. Jeong-Ran Kim

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Haus der Spiritualität und des Friedens | Mutterhaus

KTSI: Forschungsinstitut für eine künftige Kultur

Das KTST wurde im Jahre 1973 in enger Zusammenarbeit zwischen koreanischen Kirchen und theologischen Institionen sowie den deutschen Kirchen gegründet. Prof. Dr. AHN Byung-Mu, der in den 1960er Jahren in Heidelberg studiert hatte, entwickelte die Idee, sein Studienkollege, Prof. Dr. Ferdinand Hahn, unterstützte ihn dabei. So kam die Deutsche Ostasienmission ins Spiel, die das Unternehmen von Anfang an aktiv unterstützte.

1996 wurde auch dieses Institut in die Aunae-Stiftung eingebracht bzw. umgewandelt.
Das KTSI hat in den ersten 30 Jahren die besten biblischen Kommentare der westlichen Welt der Theologie-studierenden Jugend Koreas zur Verfügung gestellt. Das war auch die Zeit der Militärdiktatur, die das Publizieren nicht leicht machte.

Der erste Direktor des KTSI, Prof. Dr. AHN Byung-Mu wurde mehrmals verhaftet, seine Kollegen Prof. MOON Ik-Hwan und Prof. MOON Dong-Hwan ebenso wie auch Prof. SUH Nam-Dong und Prof. LEE Moon-Young. Dazu mehrere angestellte Mitarbeiter des Instituts.

DIAKONIA

Die Diakonia-Schwesternschaft wurde am 1. Mai 1980 gegründet. Sie hat zwei Heimstätten: die soziale Arbeit in Mokpo und die Kommunität und der Gästebetrieb in Chonan.