Begegnungstagung 2009: Bericht

Warum und wie ich Christ bin

Chinesische und deutsche Antwortversuche

2. - 5. März 2009



"Mein" Bibelwort

 

36 Teilnehmer, darunter 12 aus China und Taiwan, tauschen sich darüber aus, was Christsein im jeweiligen Lebenszusammenhang bedeutet. Die Übersetzer haben bisher wenig Arbeit, weil die Christen aus Ostasien alle gut Deutsch sprechen. Übersetzt werden muss aber die Glaubenserfahrung und das Glaubensverständnis für andere Menschen, weil alle Biografien unterschiedlich sind , die des Erzählenden wie auch die der Hörenden.

Annäherungen aneinander - dazu trugen die vielen Gespräche in unterschiedlichen Kleingruppen bei.

Der eine kommt aus einer christlichen Tradition, die auf mehrere Jahrhunderte zurückblickt. Sein Motto lautet mit dem Apostel Paulus: "Leben wir, so leben wir dem Herrn... Wir gehören zu ihm."

Die chinesische Studentin ist bereits Christ in der 4. Generation und sie freut sich darüber, dass die Mitte allen Glaubens und Lebens die Liebe ist, die Gott uns Menschen schenkt.
Eine deutsche Frau mit viel Lebenserfahrung sieht die Mitte ihres Lebens in einem Psalmvers (27,1): "Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?"
Und der vierte in der Gruppe weist auf ein Wort des Apostels Paulus hin, von dem dann alle meinen, das sei doch sehr schwer durchzuhalten in den verschiedenen Lebenslagen: "... saget Dank allezeit und für alles Gott, dem Vater, in dem Namen unseres Herrn Jesus Christus. " (Eph 5,19- 20). Womit sie freilich recht haben.

Der 2. Tag

Chinesische Stimmen


Christen aus China und Taiwan berichten

Miteinander die Bibel lesen, die Bibel verstehen und das Leben danach ausrichten - nach der Einführung durch SHIN Han-Yol aus Taizé Gespräche in Kleingruppen. Wie kommt die Botschaft vom Reich Gottes zu uns? Was bewirkt diese Botschaft in mir - dem Deutschen, oder in mir - der Chinesin? Was hat das zu tun mit unseren Traditionen, mit den Problemen unserer Kulturen, mit den Bedingungen unserer Gesellschaften?

Die Fragen dürfen stehen bleiben. Das hatte die Bibelarbeit gezeigt (Joh.1, 35ff). An ihnen wächst unser gegenseitiges und gemeinsames Verstehen und Vertrauen.

Eve
Der Professor sprach von der "Messe". Bach und Beethoven waren bekannt. Aber was solll das Wort "Messe"? Also muss sie die Bibellesen. Also muss sie nach Deutschland. Also geht sie in die chinesische Gemeinde. Andere beten für sie. Eines Tages merkt sie, wie nahe ihr Gott in der Bibel gekommen ist. Sie lässt sich taufen. "Gott suchte mich zuerst und er fand mich. Nun gehöre ich zu Gott."

Marc
1986 erster Kontakt mit dem Evangelium
1987 erster Besuch in einer Kirche, "weil ich auf der Strasse ein Lied gehört hatte, als ob es vom Himmel käme.Ich gehe dem Gesang nach und bin in einem Gottesdienst. Die Lieder haben mich gepackt. Sie haben mich zum Glauben gebracht."
1989 beim Schwimmen fast ertrunken. Ein Notruf zu Gott brachte einen Helfer, der mich vor dem Ertrinken rettete.
1990 getauft.
1992 Theologiestudium in Nanjing.
1996 Arbeit bei Amity, einer sozial-diakonischen Arbeit der Kirche.

1997 Pfarrer in einer Gemeinde im Nordosten Chinas.
Wie bin ich Christ:?
Ich lese möglichst viel in der Bibel.
Ich besuche die Zusammenkünfte unserer Gemeinde.
Ich bete sehr viel.
Ich freue mich sehr, das Evangelium weiterzusagen.

Thomas
stellt seinen Erfahrungen das Bibelwort aus Hiob 42,5 voraus:
"Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen."
Wollte eigentlich Beamter werden, Gerechtigkeit stärken, Gesellschaft und Strukturen verändern. Zuerst aber muss wohl der Mensch geändert werden bzw. sich ändern. Dafür bleiben nur Buddhismus oder Christentum. Im Buddhismus ist in jedem Menschen bereits der Buddha anwesend; im Christentum merkt man die große Differenz zwischen Gott und Mensch. 1997 folgt die Taufe. Mitarbeit in einer Hausgemeinde.
Studium in New Jersey, Chinesische Kirchengeschichte, irgendwann merkt er, dass er neu geboren ist, ein neuer Mensch. Und erkennt seine Berufung: "nicht nur Christ sein, ich muss Lehrer meiner, der chinesischen Kirche werden. Das ist die mir von Gott gegebene Berufung."
Weiter in der Theologie. Zuletzt in Heidelberg.

Sam
Bei meiner Lehrerin lag eine Bibel auf dem Tisch. Neugierig. Je mehr ich darin las, desto merkwürdiger wirkt ihr Inhalt. Dann kommen Fragen, ich suche Antworten. Ich suchte sie in der Bibel. Mit 17 wurde ich getauft. Seither hat sich alles verändert. Aber heute stehe ich vor neuen Fragen: wo finde ich einen Job? Was soll ich arbeiten? Ich glaube fest, dass Gott mir meinen Weg zeigen wird.

Der 3. Tag

Deutsche Einsichten - deutsche Stimmen



Tageslosung: “Du machst fröhlich, was da lebet im Osten wie im Westen.” (Ps. 65,9)

Frère SHIN Han Yol aus Taizé: Die letzte Frage Jesu im Johannesevangelium (21,15-17),
gerichtet an Petrus: "Hast Du mich lieb?"
In den Gruppen werden unvergessliche Geschichten erzählt.

Prof. Dr. Manfred Jossutis

Wie und Warum ich Christ bin - Deutsche Einsichten

Das Evangelium als ein Raum, in den man gerät, in dem man lebt.
Das Evangelium - ein neuer Raum, der mit Jesus in die Welt gekommen ist.

"Tut Buße und glaubt in dem Evangelium" (nicht: an das Ev.)
Das Evangelium als Kraftraum, in dem sich jeder in unterschiedlicher Weise bewegt.
In vier Durchgängen führt Prof. Jossutis die Hörer auf anschauliche Weise durch diesen Raum, für den auch das Kirchengebäude mit Vorraum, Eingangsbereich (Taufe), Hauptraum (mit Bänken) und Altarraum (Abendmahl) ein verständliches Bild wird:
Dann spricht er von den Kraftimpulsen des Glaubens, zu denen gehören: Spiritualität, Feste und Riten, Seelsorge, Diakonie, Erziehung und Bildung und das gesellschaftliche Engagement.

Danach weitere Stimmen von deutschen Teilnehmern:

Und ein kreativer Abend mit Liedern, Spiel und Nachdenklichem.

Der 4. Tag

Zusammenarbeit zwischen Chinesischen Gemeinden und deutscher Kirche



Von Hamburg bis München, von Stuttgart bis Leipzig gibt es viele unabhängige chinesische Gemeinden, die sich oft in Kirchen und Gemeindehäusern einmieten. Das geht nicht immer ohne Spannungen, und ist in der Regel für die chin. Gemeinden nur schwer finanzierbar. Viele Mitglieder werden in Deutschland getauft, manche auch in einer deutschen Gemeinde.

Viel Skepsis auf der Seite chinesischer Christen gegenüber dem Frömmigkeitsstil vieler deutscher Christen, und umgekehrt: gegenüber den Christen aus der Drei-Selbst-Bewegung einerseits und den Hauskirchen andererseits. In den meisten chinesischen Gemeinden wird aber ein Glaube gelebt, der solche Trennungen überwindet.

Nicht leicht sei es für manche chinesische Gemeinde einen Kontakt mit einer deutschen Gemeinde aufzunehmen, der über das Anmieten hinausgeht. Andererseits fehlen gut ausgebildete Pfarrer aus China, die die hier Studierenden und Arbeitenden begleiten, sammeln und die Gemeinden aufbauen. Die vielerlei Traditionen (China, Taiwan, Hongkong) wollen gemeinsam Gottesdienste feiern - trotz der unterschiedlichen Traditionen, aus denen die einzelnen kommen. "Es braucht Menschen, die vermitteln."

"Eine strukturierte Zusammenarbeit ist das, was wir brauchen und suchen. Wir sollten uns gegenseitig einladen - nicht nur zum gemeinsamen Essen, sondern auch zur Predigt. Auch wenn wir chinesischen Christen keine Pfarrer haben, dann haben wir dennoch etwas zu erzählen." "Wir müssen uns Zeit für einander nehmen."

Drei Wünsche werden schließlich formuliert:

1. Auch Diakonie und kirchliche Einrichtungen in Deutschland predigen das Evangelium.
2. Wir müssen für ein besseres Verständnis für ein neues China sorgen.
3. Studierende wollen nicht nur hier studieren, sondern auch Christen und Christsein in Deutschland kennenlernen.
Gegenseitiges Verstehen muss heute Priorität haben.