2014: Löcher im Eisernen Vorhang

Flüchtlinge aus Nordkorea

Löcher im Eisernen Vorhang

am 5. 3. 2014
Hee Young YI  (Sociology, Daegu University in Korea)

1. Kurze Selbstvorstellung
Ich freue mich über die heutige Gelegenheit Ihnen von den Lebenserfahrungen einiger nordkoreanischer Flüchtlinge, die ich interviewt habe, berichten zu können. Ich bedanke mich für diese Gelegenheit beim Korea-Verband e.V. und der TAZ, die nicht nur diesen Vortrag ermöglicht, sondern mich auch bei den Vorbereitungen unterstützt haben.

Ich möchte zu Beginn mich kurz vorstellen: Mein Name ist Hee Young Yi, ich bin Professorin der Soziologie an der Universität in Daegu, Südkorea und meine Forschungsinteressen gelten unter anderem den Themen Minorität, Migrations- und Teilungserfahrungen und Qualitative Methodologie.

In der Zeit von 1994 bis 2004 habe ich in Deutschland ein Studium und Promotion abgeschlossen. Damals hat mich vor allem die Biographieforschung in Deutschland, insbesondere die Erforschung von Ostdeutschen Biographien, die seit den 80er Jahren von den westdeutschen Wissenschaftlen rekonstruiert wurden, interessiert, weil ich mich damals fragte, ob es nicht auch andere Forschungswege neben der Statistik oder Fragebogenuntersuchungen gibt, um komplexhafte Teilungsprobleme bzw. gesellschaftliche Wandlungsprozesse vertiefend zu betrachten.

Die Biographieforschung geht davon aus, dass die Alltagserfahrungen der Individuen nicht nur das Leben eines Einzelnen, sondern auch die der Gesellschaft konstituieren. Das heisst, nicht nur die grossen Ereignisse der Welt, sondern vielmehr die alltäglichen Geschehnisse der einfachen Menschen konstituieren nach und nach die Geschichte schlechthin. Aus dieser Perspektive versuche ich als Soziologin nicht allein die politischen Ereignissen zu analysieren, sondern detailiert die Lebenserfahrungen der „normalen“ Menschen zu betrachten und darüber die einhergehenden gesellschaftlichen Änderungen zu verstehen. Vor diesem Hintergrund habe ich seit Mitte 2000 bis heute an einem landesweiten Rechercheprojekt mitgewirkt, bei dem mehrere hundert Interviews geführt worden sind, und das von der Korean Researchfoundation bzw. vom Korean Unification Institut und auch vom Koreanischen Nationalem Menschrechtskommitee finanziell unterstützt wird. So habe ich z.B. zumeist in diesem Rahmen mit ca. 70 Nordkoreanischen Flüchtlingen Lebensgeschichtliche Interviews durchgeführt.

Mein Vortrag an diesem Abend ist fokussiert auf die biographischen Erfahrungen von NKF, die momentan in Südkorea leben. Für die Vorstellung habe ich drei Biographien ausgewählt, die ich im Vergleich mit den anderen Biographien kommentieren werde. Sie repräsentieren individuelle Lebensläufe, gleichzeitig deuten sie gesellschaftliche Konstellationen Nordkoreas an, in denen Biographien gestaltet werden bzw. diese die gesellschaftliche Konstellation mitgestaltet haben.

2. Lebenserfahrungen der Nordkoreanischen Flüchtlinge
Als erstes werde ich versuchen, einige Aspekte der nordkoreanischen gesellschaftlichen Kontexte kurz zu umreissen, mit denen sie sich ein bisschen historisch orientieren können. Danach möchte ich auf drei Gruppe von NKF eingehen. Nach den bisherigen Untersuchungsergebnissen kann man NKF in drei Gruppen kategorisieren: die erste Gruppe NKF umfasst die Leute, die zwischen 1995-2004 im Zuge des sog. „Notmarsches“ aus NK geflohen waren. Die zweite Gruppe kategorisiert die Leute, die nach dem Notmarsch nach Südkorea gegangen sind. In der dritten Gruppe sind die Leute zusammengefasst, die nach ihrer Ankunft in SK weiter in andere Länder emigrierten oder auswandern wollen.

2-1 Gesellschaftliche Kontexte

1. Notmarsch
Wenn der Notmarsch in NK seit 1995 zum Thema wird, muss man als wichtige Hintergründe den Zusammenbruch des Ostblocks und die Naturkatastrophen in den 90er Jahren in NK mitdenken. All dies hatte in NK grossen Einfluss auf die ökonomische Krise, die letztendlich zum Einfrieren des sozialistischen Verteilungssystems geführt hatte. Aus den Interviews geht jedoch hervor, dass die Leute in den Grenzgebieten schon seit Anfang 90er Jahren unter Hunger leiden mussten, weil sich die Rationierungen der Lebensmittel schon vorher verstärkt hatten.

Im Zeitraum vom Notmarsch, d.h. zwischen 1995 und 2004, sind vermutlich etwa 300.000 bis 1 Mio. nordkoreanische Bürger ohne Nahrungsmittel, aufgrund von Unterernährung und den damit verbundenen Krankheiten und aufkommenden Verbrechen usw. verstorben. In NK hat es nach offiziellen Angaben bislang zweimal eine Einwohnerzählung gegeben, nämlich in den Jahren 1993 und 2008.

Nach der Analyse der Daten aus dieser Zählung ist festzustellen, dass die Anzahl der unter 13jährigen (im Jahr 2008) ausprägend weniger ist, als in den anderen Altersgruppen. Das bedeutet, dass v.a. viele Neugeborene bis Kleinkinder damals gestorben sind.

2. Anerkennung der Märkte und des Handels
Als nächste wichtige politische Eckdaten am Anfang des 21. Jahrhunderts sind zwei ökonomische Massnahmen der nordkoreanischen Regierung zu nennen. Also, am 1. Juli 2002 hat die Regierung in NK eine sog. „Ökonomische Kontrollmassnahme“ durchgeführt und im darauf folgendem Jahr 2003 das sog. „Komplexe Marktsystem“ eingeführt. Diese zwei Massnahmen deuten darauf hin, dass der bis dahin stark entwickelte Schwarzmarkt und Handelsaktivitäten unter der Bevölkerung (mit Einschränkungen) anerkannt wurden. Die Regierung hatte die Konrollmacht über die spontan sich entwickelten Handelsaktivitäten der Bürger verloren, daher musste sie diese institutionalisieren. Gleichzeitig versuchte die Regierung regelmässig die Leute, die inzwischen ein grosses Kapital kumuliert hatten, unter Kontrolle zu bekommen. Die Währungsreform im Jahr 2009 war ein Versuch, die kapitalistischen Märkte zu unterdrücken. Diese Vorgehensweise hatte sich jedoch als Misserfolg erwiesen.

All diese soziopolitischen Daten weisen bereits auf bedeutsame Veränderungsprozesse in NK hin.

2-2 Die erste Gruppe NKF

Als nächstes stelle ich Ihnen die erste Gruppe NKF vor: Die Mehrheit von Flüchtlingen, die beim Notmarsch geflohen waren, ging nach NK zurück. Dies war damals relativ problemlos möglich, da die Grenze nicht stark kontrolliert wurde und die Grenzsoldaten mit Kleinigkeiten, wie z.B. Zigaretten oder ein wenig Geld zu bestechen waren.

Für diejenigen jedoch, die schon in der Nachbarschaft oder auf Arbeit durch ihre Abwesenheit als Flüchtlinge bekannt geworden waren, gab es keine Möglichkeit der Rückkehr und so blieben diese und einige auch aus anderen Gründen weiterhin in China. Nach der Schätzung der suedkoreanischen NGO „Good Friends“ blieben etwa 200-300.000 NK (Zahlen aus dem Jahr 2006???) mit oder ohne Papiere in China zurück. Diese gründeten dort Familien und siedelten sich fest an oder warten auf eine Gelegenheit nach NK oder SK auszuwandern.

Zwischen 1995 und 2004 kamen 5.570 NK nach SK und einige Hundert siedelten in ein drittes Migrationsland wie USA, Kanada, Australien oder Belgien usw. über. Bei den Zurückkehrten ist es wichtig zu erwähnen, dass die Leute nicht nur mit Reis oder anderen Nahrungsmittel zurück gegangen sind, sondern auch mit ihren Erfahrungen mit Fremdkulturen (so z.B. südkoreanischen Liedern und Fernseh-Serien) und mit einem Wissen darüber dass es andere Gesellschaftsformen gibt.

Diese Leute versuchten, ihre Erfahrungen weiterhin für sich nutzbar zu machen. Das führte dazu, dass sie verschiedene Handel zwischen China und NK betrieben und nebenbei auch Schleichhandel eingeführt haben. Dem zufolge ist es etwa Mitte der 2000 Jahre sehr deutlich geworden, dass sich die CDs von südkoreanischen Fernseh-Serien auf das ganze Land verbreitetet hatten. Es gab nämlich mehrmals Kundgebungen der Regierung gegen dieses sog. „kapitalistische Verbrechen“.


Handel, Märkte und TV Dramen
Die erste Biographie stammt von Herrn Kim. Dieser ist 1969 geboren in einem Dorf von Hambuk-do (eine nordöstliche Provinz). Nach seiner Erzählung wurde sein Vater in den 70er Jahren aus ‘politischen Gruenden’ festgenommen und kam nicht wieder. Das heisst, er stammt aus einer Familie, die in ein politisches Verbrechen verwickelt wurde. Nach seiner Mittelschlulabschluss konnte er nicht zur Oberschule gehen, sondern wurde oft für die Parteiarbeit mobilisiert. 1995 heiratete er im Alter von 27 Jahren. Seit Mitte der 90er Jahre versuchte Herr Kim mit seinen Freunden den Fluss zwischen China und NK regelmäßig zu überqueren, um Schleichhandel zu betreiben. Er hatte sich besonders auf dem Handel von Analog Schwarz-Weiss Fernsehern und DVD Playern spezialisiert, die in Südkorea, Japan, Hongkong nach der Digitalisierungsrevolution in der Produktion für sehr wenig Geld zu erwerben waren. Damit hat er relativ viel Geld verdient. Aber er war viel unterwegs und kam nur unregelmäßig nach Hause, was zu einer Scheidung führte. Er lernte gleich eine neue Frau kennen und kam 2005 mit ihr und seinem Sohn zusammen nach China, bevor er wegen Schleichhandels festgenommen wurde.

Nach seinen Erzählungen schauen die meisten NK heimlich südkoreanische Fernseh-Serien an. Das gilt nicht nur für die Allgemeinbevölkerung, sondern auch für die Leute, die in den hohen Positionen der Partei- und Militärorganisationen sind, nehmen privat daran teil und folgen auch südkoreanischen Modetrends. In der Öffentlichkeit üben sie dagegen wenn es nötig ist, jedoch ihre Kontrollmacht aus. Nach seiner Beschreibung sitzt man als Familie am Abend zusammen in einem Zimmer, nachdem man mit einer dicken Decke die Fenster abgehängt hat und dann schauen alle gemeinsam eine südkoreanische Fernseh-Serie.

Als ein Forschungsergebnis möchte ich darstellen, dass die nordkoreanischen Menschen seit Mitte der 90er Jahre mit den eigenen Händen ums Überleben kämpfen mussten und sie in diesem Prozess zu Fuss Handelsnetzwerke innerhalb und ausserhalb NKs entwickelt haben. Dem zufolge sind die Nordkoreaner der Gegenwart mit den kapitalistischen Kulturphänomenen, wie z.B. dem sog „Korean Wave“ (Hallyu) eng verbunden. Von aussen gesehen mag Nordkorea wie ein völlig abgeschottetes Land wirken, in Wirklichkeit nehmen seine Bürger alltäglich Anteil an den Kulturen anderer Länder.

2-3 Die zweite Gruppe NKF

Die zweite Biographie stammt von Frau Hong, die 1975 geboren wurde. Ihr Vater war Uni Prof. und ihre Mutter war ein treues und aktives Mitglied in der Frauenorganisation. Sie absolvierte ein Studium in der Hauptstadt Pyoungyang und startete 1996 ihre berufliche Kariere in einer Parteiorganisation in ihrer Heimat. Sie träumte davon, „eine sozialistische Revolutionärin“ zu werden. Jedoch mussten sie und ihre Familie bald unter einer Hundernot leiden, da die offizielle Verteilung 1995 unterbrochen war. Sie fing im Schwarzmarkt kleine Handel an, so verkaufte sie beispielsweise gebrauchte/ alte Kleidungen, um etwas zum Essen kaufen zu können.

Beim Interview im Jahr 2012 erinnerte sie sich daran, dass 1998 ihre ganze Familie mehrere Tage lang ohne Essen nur im Liegen verbracht hatten. Eines Tages sah ihr Bruder einen vorbeigehenden Hund und erschlug ihn mit der ihm zuletzt verbliebenen Kraft. Mit dem Fleisch kochte er eine Suppe, mit der Frau Hong überleben und nach China fliehen konnte.

Die Besonderheit in ihrer Lebensgeschichte ist, dass sie im Jahr 2009 nicht zum ersten Mal in SK eingereist war, sondern bereits zwischen 2000-2001 in Seoul illegal als eine ‘ethnic Korean chinese (Chosun Jok)’ schon verbracht hatte. Durch meine Analyse des 2. Interviews kam heraus, dass sie in China mehrmals verkauft und wieder von den chinesischen Vermittlern eingefangen worden war. Zum Schluss hatte eine in China lebende, ethnisch koreanische Familie sie gekauft und als Tochter adoptiert. Gleichzeitig hatte ihr der Adoptivvater vorgeschlagen, dass sie als Heiratsmigrantin einen südkoreanischen Mann heiraten und danach die Adoptivfamilie nach SK einladen solle. Nach Erfüllung dieser Aufgabe könne sie mit 20,000 Yuan (chinesische Währung) nach NK zurückkehren. Anfangs über diesen Vorschlag entsetzt, da SK für sie damals noch ein Feind war akzeptierte sie aber nach langen Überlegungen diesen Vorschlag und reiste im Jahr 2000 als Heiratsmigratin tatsächlich in SK ein. Für 2 Jahre hat sie in einem Restaurant in Seoul gearbeitet und als 2002 die Adoptivfamilie durch ihre Einladung nach Südkorea auswandern konnte, um zu arbeiten, ging sie mit dem chinesischen Pass via China nach NK zurueck. Seit den 90er Jahre immigrierten viele ethnisch koreanischstämmige Chinesen nach Südkorea, aber die Arbeitsmigration unterlag starken Einschränkungen. Daher versuchte die Adoptivfamilie durch eine Verwandschaftsbeziehung mit einer sk Familie nach Südkorea auszuwandern. Frau Hong war nur für die Erfüllung diesen Zwecks adoptiert worden.

Wie dieses Schaubild zeigt, stehen nicht nur Süd- und Nordkorea, sondern auch mit ihnen China und andere ostasiatische Länder in einer verwobenen Beziehung. Nach der Rückkehr nach NK hat Frau Hong 2002 einen Mann aus einer revolutionären Familie geheiratet und seit dem Jahr 2003 einen grossen Handel betreiben können, da sie mit viel Geld zurück gekommen war. Sie sagte im Interview, sie habe nicht nur „Warenhandel“, sondern auch „Menschenhandel“, der in NK streng verboten war, betrieben. Das heisst, sie vermittelte Leute, die aus NK fliehen wollten, Informationen, Geld und Brocker, die sie bei einer Flucht nach China begleiten sollten. Als sie 2008 wegen dieser Tätigkeiten in NK festgenommen wurde, ist sie mit ihrer Familie nach China geflohen und wanderte im Jahr 2009 wieder nach SK weiter.

Dieser Fall von Frau Hong zeigt zum Teil die Erfahrungen der 1. Gruppe und zum Teil die der 2. Gruppe. Sie war 1998 nach China gegangen, um ihr Überleben zu sichern, aber 10 Jahre später also im Jahr 2009 ist sie schon mit der von einem anderen Leben Ahnung nach SK gekommen.

2-4. Die Weiterreisenden

Seit Anfang 2000 kommt es oft vor, dass einige jüngere Leute der NKF in Südkorea angekommen, nach Europa oder andere Ländern weiter emmigrieren.

Wenn die NKF einreisen, werden sie offiziell als südkoreanische Bürger registriert und bekommen einen sk Ausweis. In ihrer politische Identität werden sie damit zu Südkoreaner/innen. Aber im Alltag werden sie in Südkorea ständig mit Missachtung und Ausgrenzung usw. konfrontiert, wie eine Forschung aus dem Jahr 2009 über Menschenrechtsverletzungen an Nordkoreanischen Flüchtlingen, an der auch ich beteiligt war, zeigt. Mit anderen Worten, diese Menschen haben nicht nur in NK und China, sondern auch in SK Diskriminierung und Ausgrenzung erlebt, im Gegensatz zu ihren eigentlichen Erwartungen an Südkorea. Vor allem haben sie nach wie vor Schwierigkeiten, einen richtige Arbeit zu finden. Denn nach einer Einstellung, wenn ihre Vergangenheit als NKF bekannt werden, erleben sie zumeist, dass sie entlassen werden. Bei den jüngeren Leuten kommen oft Schwierigkeiten in den Partnerbeziehungen hinzu. Es gibt ein Untersuchungsergebnis, dass Südkoreaner NKF fremder als andere ‚Ausländer‘ empfinden. Unter diesen Lebensumständen versuchen nicht wenige NKF SK zu verlassen. Man vermutet, dass etwa einige Tausend in den USA und Australien und etwa 700 in England, ca. 200 in Deutschland sind.

Die dritte Biographie ist von Frau Park, geboren im Jahr 1965. Beim Notmarsch waren ihr Mann und ihr Bruder an unbekannten Krankheiten verstorben. Sie selbst hatte eine Leberentzündung durchlitten. 2005 ging sie mit ihrem Sohn nach China und arbeitete dort in einem von ethnisch Koreanern betriebenen Restaurant. Im Jahr 2007 reiste sie durch einen chinesischen Vermittler in SK ein.

In ihrem Leben in SK ist Frau Park schnell auf die Realität gestossen. Für ihren Sohn, der ein Talent im Fussball hat und ein Profi-Fussballspieler werden wollte, gab es keine staatliche Unterstützung, so dass sie die Förderung ihres Sohnes allein zu finanzieren versuchte. Anders als in NK, in dem die gesamte Erziehung und Ausbildung vom Staat getragen wird, musste sie in SK allein in Konkurrenz mit den Südkoreanern treten und völlig auf sich allein gestellt, um ihr eigenes und das Leben ihres Sohnes kümmern. Diese Realitaet konnte sie nicht akzeptieren. Sie suchte per Internet nach Informationen, ob es woanders für sie und ihren Sohn Hilfe geben würde, seinen Traum zu erfüllen und für sie bessere Chancen geben würde. Sie hat die skandinavischen Länder als Alternative gefunden. Es gab einige Gruppe NKF, die dorthin emmigriert waren.

2008 hat sie in einem Reisebüro ein Paket namens „1 Woche Urlaub in Europa“ für sich und ihren Sohn gebucht und ihre Wohnung vermietet. Ihr erstes Reiseziel war Frankreich. Nach dem Urlaub u.a. in Frankreich, Deutschland und Belgien fuhren sie weiter mit dem Zug und Bus nach Norwegen. Nachdem sie dort angekommen waren, versteckte sie ihre Papiere und beantragte für sich und ihren Sohn als NKF Asyl.

In unserem geführten Interview im Jahr 2012 hat Frau Park die Bildungssysteme von NK, SK und auch Norwegen miteinander verglichen und bewertet. Sie hat betont, dass nicht alles an NK schlecht ist und kritisiert Bildungssystem und –situationen in SK, die vorwiegend von privaten Institutionen gestaltet wird. Sie konnte aus ihren Lebenserfahrungen in den sozialistischen und kapitalistischen Ländern und mit dem Wohlfahrtssystem Norwegens eine kritische Einsicht entwickeln und damit die unterschiedlichen Gesellschaften mit Distanz bewerten. Diesen Standpunkt kann man beschreibend so formulieren, dass sie sich eine Perspektive als Global Citizen erworben hat, in der sie sich gegen ihr Schicksal in ein Land hineingeboren worden zu sein und irgendwo wegen ihrer Ethnizität bleiben zu müssen gestellt hat.

Sie musste schliesslich mit ihrem Sohn nach SK zurückkehren, weil es ein Konflikte zwischen NKF in Norwegen gab und dadurch ihre Identität bekannt geworden war.

3. Fazit

Wenn ich versuche, aus den vorgestellten Fällen und den bisherigen Forschungsergebnissen ein Fazit zu ziehen, muss ich folgende drei Punkte hervorheben:

Erstens: die NKF, die sich beim Notmarsch ums Überleben in viele Gefahren begeben haben und zwischen China und NK gependelt und Handel getrieben haben, sind als Protagonisten zu betrachten, die die gesellschaftliche Änderung NKs „von unten“ ermöglicht haben. Die bisherigen Berichte und wissenschaftlichen Untersuchungen konzentrieren sich häufig einseitig auf die Verletzungen und Gewalterfahrungen der NKFs, so dass sie lediglich als Opfer der nordkoreanischen Diktatur repräsentiert werden. Anders als dieses Bild zeigen die Lebenserfahrungen dieser Menschen, dass sie nicht lediglich als hoffnungslose und auf Hilfe wartende Opfer wahrzunehmen sind, sondern aktiv als Handelnde etwas unternommen haben, um ihre schwierige Lebensumstaende zu verändern.

Zweitens, es ist bis jetzt nicht eingetreten, was viele westliche Journalisten vorrausgesagt haben, nämlich dass nach einer mit der Hungernot eintretenden Massenflucht aus NK ein Zusammenbruch des nordkoreanischen Staates kommen wird. Die bisherigen Unersuchungen deuten eher darauf hin, dass die Massenflucht einen paradoxen Effek hatte, indem durch sie die nordkoreanische Gesellschaft wirtschaftlich und kulturell reformiert wurde. Natürlich hängt zukünfitg die Frage, ob und wie sich in Nordkorea möglicherweise demokratische gesellschaftliche Verhältnisse weiter ausgestalten werden von gegenwärtig und zukünftig verschiedensten Faktoren ab, vor allem der wirtschaftlichen Stabilisierung und den Machtsicherungsprozessen des jetzigen Staatschefs KIM Jung Eun.

Drittens, die weltweite Migration von NKF kann nicht darauf reduziert werden, dass die Migration nur aus ökonomischen Gründen, d.h. zur Verbesserung des Zugang zu den Ressourcen Geld und Essen, passiert. Sie kann viel mehr als eine starke Sehnsucht nach einem „gutes Leben“ im Allgemeinen verstanden werden.

Ihre Mobilitätskraft stammt aus dem Lebenswillen dieser Menschen und aus dem Willen „sich frei bewegen zu wollen“, ganz egal wohin auf dieser Welt. Aber sie stossen damit auch in Europa oder USA auf eine staatliche Macht, die zwischen Bürger und Nicht-Bürger unterscheidet und die letztere aus dem eigenem Land abschieben will. Wie Hanna Arendt schon Mitte des 20.Jahrhunderts betonnt hat, werden unter Nationalstaatssytemen die Menschen, die nicht die gleiche nationale Identität tragen schlechter als ein Verbrecher mit gleicher nationaler Identität behandelt werden. Die Menschenrechte von NKF, wie die von anderen Migrat/innen, stehen im Widerspruch zu den anerkannten Gewalthoheiten der Nationalstaaten der Welt.

Aus diesem Standpunkt betrachtet sind die NKF, die gegen ihr Schicksal, ein Leben in ihrem durch Geburt zugehörigen Nationalstaats führen zu müssen als Alternative die stetige Mobilität setzen, die modernen Normaden der globalen Weltgesellschaft im 21 Jahrhundert. Ihre Menschenrechte sollten durch die Perspektive des Nationalstaates eingeschränkt werden.


4. Q & A

1) Löcher
이 발표 제목인 ‚구멍‘이란 여러가지 의미를 지닌다. 첫째, 폐쇄된 북한사회의 주
민들이 개척한 중국과 한국으로의 지리적 루트와 구체적인 이동들을 의미한다.
둘째, 실제 북한 사회에서 살고 있는 주민들이 각종 매체를 통해 공유하고 있는
외부문화를 의미한다. 몸은 북한사회에 있지만 중국과 남한의 소식을 듣고, 각종
문화를 공유하고 있다는 점에서 북한 사회는 닫혀있지 않다.

2) Menschenrechtsverletzungen in NK
알려진 바와 같이 북한에는 10여개 이상의 정치범 수용소가 있고, 이곳에서 정치
범들은 비인간적인 대우를 받고 있다. 지금까지 남한의 학자들에 의해서 이루어
진 연구결과와 외국에서의 조사결과에 의하면 이들 정치범 뿐만 아니라 북한주민
들이 생활 속에서 광범하게 인권침해를 경험하고 있다. 특히 여성들의 경우 사회
주의 정당과 군조직을 중심으로 이루어진 가부장적 사회주의 문화에 의해 가정에
서, 그리고 직장에서 인권침해를 경험한다. 예를 들면 남편에 의한 폭력과 무시,
상급자에 의한 성폭력 등이 있다.
사회적으로 배급제도가 붕괴되고 사람들의 ‚비합법적인 이동‘이 증가하면서 누구
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나 자신이 가진 아주 작은 권한/힘을 가지고 다른 사람들에게 사적인 이익을 취
하고자 하고, 이 과정에서 인권침해가 발생한다. 예를 들면 통행증이 없이 장사를
하는 수많은 사람들은 열차승무원들에게 착취당하는데, 여성들의 경우에는 자주
성희롱을 당한다.
연구과정에서 중요하게 지적되는 것은 북한사회의 인권침해 현상이 예외적인 것
이 아니라 북한사회의 비민주적인 사회관계의 결과라는 점이다. 특히 식량난으로
인해 경제적 어려움이 가중 되면서 ‚독제적인 요소‘들이 강화되고 있는 것이 중요
한 원인이라고 생각한다.
이런 북한의 인권상황과 관련에서 중요한 점은 ‚북한을 악마적인 사회‘로 비난하
거나 낙인 찍는 것이 북한주민의 인권보호를 위해 도움이 되지 않는다는 것이다.

3) Gesellschaftliche Probleme / - Konstellationen






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