DOAM Jahrestagung 2026 – frieden kriegen
MILITARISMUS & PAZIFISMUS IN OSTASIEN
9.-11. Oktober 2026
Martin-Niemöller-Haus
Arnoldshain

Ein Jahrhundert geprägt von Liebe und Hingabe – Zum Gedenken an Dr. YEO Sung-sook
Trauerrede
Am 16. März 2026 erreichte uns die traurige Nachricht, dass Dr. YEO Sung-sook, bekannt als die 'koreanische Schweitzer', im Alter von 108 Jahren verstorben ist. Ihr Leben, das mehr als ein Jahrhundert umspannte, war ein besonderes Zeugnis der Liebe zu den Schwachen und Bedürftigen.
Die 1918 in der Provinz Hwanghae geborene Verstorbene begann ihr Medizinstudium erst spät und absolvierte im Mai 1950 die Gyeongseong Medizinische Fachschule für Frauen in Seoul (jetzt Korea University). Kurz darauf nahm sie als Militärärztin am Koreakrieg teil, wo sie die schrecklichen Grausamkeiten des Krieges hautnah miterlebte. Zu Beginn der 1960er Jahre ließ sie sich in Mokpo als Fachärztin für Thoraxchirurgie nieder und eröffnete die ‚Mokpo-Klinik‘, um dort ihre medizinische Arbeit aufzunehmen. Für die damals ausgegrenzten Tuberkulose-Patienten gründete sie in den Außenbezirken von Mokpo das ‚Hansan-Dorf‘ und versorgte mit großer Hingabe die Bewohner der ländlichen Gebiete und Inseldörfer, die weitgehend von der medizinischen Versorgung ausgeschlossen waren. Sie lebte ihr gesamtes Leben als alleinstehende Frau und widmete sich in dem Bewusstsein, das Leid der Armen als ihr eigenes zu betrachten, einer noblen Selbstaufopferung. Für dieses Wirken wurde ihr 1988 mit der Verleihung des ersten ‚Preises für humanitäres ärztliches Handeln‘ die verdiente öffentliche Anerkennung zuteil.
Dr. YEO war weit mehr als nur eine Medizinerin; sie war eine Intellektuelle, die den Geist ihrer Zeit tiefgründig reflektierte. Geprägt durch eine enge Freundschaft mit dem Minjung-Theologen AHN Byung-mu, setzte sie sich leidenschaftlich für die Heilung der Wunden der koreanischen Gesellschaft ein. Eine entscheidende Rolle spielte sie bei der Gründung und Etablierung der ‚Koreanischen Diakonia Schwesternschaft‘, einer Gemeinschaft für das asketische Leben und den Dienst alleinstehender Frauen. Ihr Lebensweg, auf dem sie als Frau und als gläubige Christin ein leuchtendes Vorbild für ein gemeinschaftliches Leben schuf, klingt bis heute nach und bleibt ein bedeutendes Vermächtnis.
Im Winter 1975/76 vertraute AHN Byung-mu der Missionarin Dorothea Schweizer, die im Mai 1975 vom EMS (Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland) als ökumenische Mitarbeiterin zur PROK (Presbyterianische Kirche der Republik Korea) entsandt worden war, seinen lang gehegten Traum an. Während seines Studiums in Deutschland war er auf die Mutterhaus-Diakonie aufmerksam geworden, die in den 60er und 70er Jahren einen bedeutenden Einfluss auf die deutsche Gesellschaft ausübte. Er war tief beeindruckt von den diakonischen Schwestern, die ihr Leben als alleinstehende Frauen der Nachfolge Jesu widmeten und sich für gesellschaftlich Benachteiligte, Ausgebeutete und Schwerkranke einsetzten.
Prof. Ahn Byung-mu schlug Frau Schweizer vor, gemeinsam den Traum von der Gründung einer protestantischen Diakonie-Schwesternschaft in Korea zu verwirklichen. Schweizer untersuchte verschiedene Formen der Mutterhaus-Diakonie und reflektierte ihre Erfahrungen und Lektüren gemeinsam mit Prof. Ahn im Kontext der koreanischen Realität. Dabei beließen sie es nicht bei einer bloßen Kopie des deutschen Mutterhaus-Systems. Vielmehr versuchten sie, das europäische Modell an die sozialen, kulturellen und religiösen Gegebenheiten Koreas anzupassen und zu inkulturieren. Die Kandidatinnen der Diakonie-Schwesternschaft bekannten ihre Identität in den Vorbereitungsseminaren mit den Worten: „Die Diakonisse ist eine Gemeinschaft christlicher alleinstehender Frauen, die sich dazu verpflichtet hat, »vor Gott und mit dem Nächsten« zu leben.“
Eine der zentralen Persönlichkeiten, die zusammen mit AHN Byung-mu maßgeblich zur Gründung der Diakoniegemeinschaft beitrugen, war Dr. YEO Seong-sook. Sie übergab der Gemeinschaft ihr gesamtes Land, ihr Haus sowie die Betreuung ihrer Patienten, damit die Diakoniegemeinschaft ihr segensreiches Werk beginnen konnte. Zwischen ihr und Ahn Byung-mu bestand ein tiefes gegenseitiges Vertrauen und Respekt; sie waren Glaubensgefährten. Ahn Byung-mu plante in Absprache mit Dr. Yeo, das Tuberkulose-Sanatorium nach Yangpyeong (55km östlich von Seoul) zu verlegen und dort das Mutterhaus der Diakonie zu errichten. Sein Ziel war es, dass die Gemeinschaft als ein klösterliches Kollektiv starten konnte, das nach der Tradition Gebet, Arbeit und Studium mit dem diakonischen Dienst an Tuberkulosekranken verband. Ein neues Gebäude für das Sanatorium befand sich bereits im Bau. Die Pläne zur Umsiedlung nach Yangpyeong mussten jedoch verworfen werden, da sich die Mitarbeiter des Landkreises und die Dorfbewohner aufgrund von Ahn Byung-mus Beteiligung an der ‚Erklärung zur Rettung der Demokratie‘ am 1. März 1976 in der Myeongdong-Kathedrale und seiner damit verbundenen systemkritischen Aktivitäten heftig gegen das Vorhaben stellten.
Nach einer zweieinhalbjährigen Vorbereitungszeit wurde am 1. Mai 1980 die Koreanische Diakonia Schwesternschaft (KDS) in Mokpo gegründet. Als Mutterhaus diente die umgebaute Unterkunft für Patientinnen des von Dr. Yeo gegründeten Pflegeheims am Stadtrand von Mokpo, im Hansanchon. In Anwesenheit von Prof. Ahn, Dr. Yeo, Dorothea Schweizer und Dr. Kim Sung-jae hielten sieben Schwestern – darunter Noh Young-soon, Kim Jung-ran, Han Eun-sook, Lee Young-sook und Choi Geun-sook –, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Ordenskleidung besaßen und daher Hanbok trugen, den Gründungsgottesdienst mit Weihegebet unter der Leitung von Prof. Ahn ab. Sie verstanden sich als eine Gemeinschaft unverheirateter Frauen, die im Geiste Jesu Christi tätig waren und eine Lebensgemeinschaft führten, in der sie gemeinsam arbeiteten und alles miteinander teilten.
Die Schwestern setzten sich das Ziel, Hansanchon als ihre Heimatbasis zu nutzen und die Verantwortung für das dortige Tuberkulose-Sanatorium zu übernehmen. Als KDS gegründet wurde, lebten etwa 50 Tuberkulosepatienten in Hansanchon. „Hansanchon wurde zu einem Ort, an dem Menschen, die von der Gesellschaft nahezu vernachlässigt oder verstoßen worden waren, ihre Tuberkulose und die Wunden ihrer Seele heilen konnten, um danach wieder in ihr Leben zurückzukehren.“, berichtete Lee Young-sook, die frühere Leiterin der Schwesternschaft. Sie erinnerte sich daran, wie sie darüber staunte, dass Frau Yeo Sung-sook „ohne Maske die schwerstkranken Tuberkulose-patienten behandelte und sich geduldig zehn oder zwanzig Minuten lang ihre Geschichten anhörte“.
Um die Patienten in Hansanchon zu versorgen, die meist mittellos und ohne jegliche Unterstützung waren, arbeitete Frau Yeo tagsüber in der Mokpo-Klinik in der Stadt Mokpo, nachts sowie an den Wochenenden in Hansanchon, das etwa 10 Kilometer von der Stadt entfernt lag. Was mit einem einzigen Lehmhaus begann, entwickelte sich später zu einer großen Einrichtung, da die Zahl der obdachlosen Patienten mit offener Tuberkulose auf 50 bis 60 anstieg. Hansanchon wurde zu einem Anlaufpunkt, der von Patienten aus den umliegenden 1.000 Inseln überlaufen war, die dort kostenlose medizinische Hilfe suchten. Lee Young-sook erinnerte sich: „Selbst wenn sie körperlich erschöpft war und ich ihr sagte: Bitte, Sie müssen sich heute ausruhen, antwortete sie: Wie könnte ich sie abweisen, wenn sie eine so weite Reise mit dem Boot von den Inseln hierher gemacht haben? Sie kümmerte sich um die Patienten, bis ihr eigener Körper am Ende seiner Kräfte war.“
Dr. YEO war schon lange davon überzeugt, dass es für Tuberkulosepatienten, die eine kontinuierliche Isolierung und eine langfristige stationäre Behandlung benötigen, einen festen Zufluchtsort geben müsse. Dank der Hilfe der Schwesternschaft wurde dieser Traum Wirklichkeit. Unter der Leitung von Pastorin Lee Hyun-ju (Methodistische Kirche) und der Frauenvereinigung der Anglikanischen Kirche wurde 1984 in der Kathedrale der Anglikanischen Kirche ein Basar zugunsten eines Dorfes für chronisch an Tuberkulose Erkrankte veranstaltet. Mit dem Gesamterlös von 35 Millionen Won konnten die Bauarbeiten zügig voranschreiten, und bis zum Frühsommer des darauffolgenden Jahres wurde das schöne und solide Steinhaus namens „Haus des Lebens“ (Hansalm-ui Jip) für chronische Tuberkulosepatienten fertiggestellt.
„Dass in diesem rauen Tal etwas geschieht, das sich niemand hätte vorstellen können, scheint durch die Hilfe Gottes von oben und durch das Zusammenkommen der gütigen Herzen der Menschen auf dieser Erde möglich geworden zu sein“, sagte Dr. Yeo Sung-sook im November 1986. Sie fügte hinzu: „Ich hoffe, dass die Patienten, die hier leben werden, nicht länger nach dem Leben gieren, aber auch nicht in Verzweiflung fallen, sondern sich selbst so annehmen, wie sie gegenwärtig sind, um von dort aus ein neues Leben zu beginnen.“
14 Patienten lebten fortan als eine Familie zusammen. Die meisten von ihnen waren Patienten mit unheilbarer Lungentuberkulose, die bereits seit 8 bis 30 Jahren unter den Folgen von Lungenresektionen, Bluthusten, Atemnot und anderen Symptomen litten. Die Diakoniaschwestern (Eonnim-deul) lebten im „Haus des Lebens“ gemeinsam mit ihnen, leiteten Gottesdienste, kümmerten sich um die Pflege und geistliche Beratung und begleiteten die Patienten bis zu einem friedlichen Lebensende.
Dr. Yeo machte sich oft Sorgen um den Lebensunterhalt der Patienten, da deren Behandlung häufig aufgrund von Armut unterbrochen wurde und sich ihr Gesundheitszustand dadurch verschlechterte. Sie unterstützte die Kinder ihrer Patienten heimlich finanziell, wenn diese Schwierigkeiten hatten, ihr Schulgeld zu bezahlen. Im Geiste der Klinikleiterin Dr. Yeo initiierte die Diakonie-Schwesternschaft im Jahr 1983 ein Stipendienprogramm für Kinder aus einkommensschwachen Familien. Von 1991 bis 2021 wurden insgesamt 994 Stipendiaten mit einer Gesamtsumme von über 700 Millionen Won gefördert. Seit 2012 werden auch Kinder von nordkoreanischen Flüchtlingen und aus multikulturellen Familien in das Stipendienprogramm aufgenommen.
Durch die Koreanische Diakonia Schwesternschaft (KDS) konnten das Leben und der medizinische Dienst von Frau Yeo Sung-Sook noch tiefere und festere Wurzeln schlagen. Die Arbeit der KDS, die mit nur wenigen Mitgliedern von 7 bis 11 hingebungsvoll verschiedene soziale Wohlfahrtsprojekte wie die regionale Gesundheits- und Sozialfürsorge, Diakonie-Heimpflegedienst im Armenviertel, Altenzentrum, Diakonie-Seniorenheim in der Region Mokpo erschloss, löste große Bewunderung aus. Infolgedessen wurde die KDS jahrzehntelang finanziell von deutschen kirchlich-ökumenischen Organisationen wie dem EMS, dem Berliner Missionswerk (BMW) und „Brot für die Welt“ (BfdW) unterstützt und stand mit ihnen in engem Austausch. Sowohl das Hansanchon als auch die Diakoniegemeinschaft entwickelten sich zu bedeutenden Pilgerstätten für viele Christen aus dem In- und Ausland und wurden zu Lernorten, an denen das diakonische Leben des Dienstes am Nächsten vermittelt wurde.
Dr. YEO Sung-sook und die Diakonieschwestern
Laut dem Volkskünstler Hong Sung-dam, der einst im 'Hansanchon' behandelt wurde und in seinem Gemaelde einen starken Widerstandsgeist ausdrückte, beschränkte sich Dr. Yeo Sung-sook nicht nur darauf, die körperlichen Gebrechen ihrer Patienten zu heilen. Sie stellte ihnen oft die Frage: 'Wenn ihr wieder gesund werdet, was werdet ihr dann mit eurem Leben anfangen? Wollt ihr zu Tuberkulosebakterien werden, die nur die eigenen Gier befriedigen und andere ins Elend stürzen, oder wollt ihr Menschen sein, die die Welt retten?“ Damit bewegte sie sie dazu, nach ihrer Entlassung ein außergewöhnliches, bedeutsames Leben zu führen.
Hong berichtet zudem, dass Hansanchon der Ort war, an dem er den vor den Sicherheitsbehörden flüchtenden Dichter KIM Nam-ju und den später als Drahtzieher des Gwangju-Aufstands gesuchten und ins US-Exil gezwungenen YOON Han-bong traf. Auch YOON Young-gyu, den ersten Vorsitzenden der Koreanischen Lehrergewerkschaft (KTU), hatte Dr. Yeo dort versteckt. Neben Prof. Ahn Byung-mu verkehrten auch bedeutende Persönlichkeiten der demokratischen Oppositionsbewegung jener Zeit – wie der Denker Ham Seok-hon, der Schriftsteller Hwang Sok-yong und der Dichter KIM Ji-ha – regelmäßig in Hansanchon. Hong Sung-dam erinnerte sich: „In Hansanchon sammelten sich nach und nach die Bücher, die diese Intellektuellen mitbrachten, bis eine wunderbare Bibliothek entstand. Durch die Begegnung mit solchen Persönlichkeiten und die Lektüre klassischer Werke konnten wir dort nicht nur unsere Krankheiten heilen, sondern den Traum entwickeln, die Welt zu heilen.“ So war Hansanchon ein sicherer Zufluchtsort für jene, die von den Sicherheitsbehörden verfolgt wurden, und zugleich ein Treffpunkt, an dem die Saat der koreanischen Demokratie und des fortschrittlichen Denkens der damaligen Zeit gepflegt wurde."
Wenn Dr. Yeo ihren Geburtstag hatte, kontaktierten sich diejenigen, die einst das Hansan-chon durchlaufen hatten, um sich dort zu einer Feier zu versammeln. Bei diesen Gelegenheiten pflegte sie ein Exemplar ihres Lieblingsbuches an die Anwesenden zu verteilen. Das Buch war Hermann Hesses Siddhartha. Auf die Frage, warum ausgerechnet Siddhartha, antwortete sie: „Ist Siddhartha nicht jemand, der frei von Gier ist und sich stets darum bemüht hat, ein wahrhaft menschliches Leben zu führen?“ Ohne Gier und auf menschliche Weise zu leben – dies war das schlichte Prinzip, das ihr gesamtes Leben durchzog.
Erst im Oktober 1998, im hohen Alter von 80 Jahren, schloss sie die Türen des Mokpo-Klinikums und beendete damit still und leise eine über 40-jährige Reise des medizinischen Dienstes für die lokale Gemeinschaft. Ab März 2019 lebte sie in ihrem Haus auf dem Gelände des Diakonie-Seniorenheims, das auf dem ehemaligen Standort von Hansanchon errichtet wurde, bis sie dort im Alter von 108 Jahren friedlich entschlafen ist.
Die Diakonia Schwestern um das Grab von Dr. Yeo Seong-suk
Sie führte ein Leben, das dem des barmherzigen Samariters entsprach – jener Figur, von der Jesus im Lukasevangelium berichtete und die zum wahren Nächsten für den Überfallenen wurde. Die Liebe, der Dienst und der Geist der Hingabe, die Frau Yeo Seong-suk mit ihrem eigenen Leben vorlebte, werden in der Erinnerung der zahllosen Menschen, die sie betreute, sowie in den Gemeinschaften wie der Diakonie-Schwesternschaft Korea, die an den Randgebieten unserer Gesellschaft Liebe und Nächstenliebe praktizieren, ewig weiterleben.
Mit tiefem Respekt und in liebevollem Gedenken spreche ich mein Beileid aus und bete dafür, dass sie nun in Gottes Frieden ruhen möge.
Literatur:
Young-sook LEE, “Die Geschichte der diakonia schwesternschaft in korea”, in: You Jae Lee/Myoung Hoon Shin (Hg.), Mission für Frieden und Demokratie. Kirchliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Korea, München: Iudicium Verlag 2025, 62-86.
Dorothea Schweizer, „Rundbrief Nr. 5“, Anfang März 1979.
Jo Hyun, 「“Weil ich keine Anderen Talente habe“…Das Leben von Yeo Sung-Sook, ‘Schweitzer von Korea‘」(auf Koreanisch), 『Hangyeoreh』, revidiert am 19.10.2019)
Dr. HAN Unsuk (Fellow des Center for Korean Studies, University Tübingen)
2026 Gebet für Frieden auf der Koreanischen Halbinsel
Der Nationale Kirchenrat Koreas hat 2026 ein Gebet für Frieden auf der Koreanischen Halbinsel formuliert.
Wir teilen hier das Gebet vom 20. Mai 2026 in der englischsprachigen Fassung. Hier gibt es da Gebet als PDF zum Download.
Easter Prayer for Peace on the Korean Peninsula 2026
God of life, who raises the dead,
we give you thanks for the sound of flowing water beneath the frozen ground,
telling us that spring is coming.
We praise you for the resurrection of Jesus Christ, who brings life out of death
and shows us that there is a way even where the path seems closed.
God, remember this land, the Korean Peninsula.
We once shared joy and sorrow
as one land and one people,
yet through long years of division
we have nurtured fear and hostility toward one another.
The armistice has become an unfinished war.
Dialogue has come to a halt, and military tension and the arms race
continue to place this land on the brink of conflict.
God, we confess our sin.
Even as we speak of peace, we have deepened distrust and chosen confrontation.
Even as we speak of reconciliation, we have excluded one another.
Even as we speak of coexistence, we have pursued only our own interests.
Even as we speak of life, we have relied on military power and the logic of hostility.
Merciful God, awaken us from this foolishness and turn us back to you.
Risen Lord, open again the path of life on this land.
May the South and the North lay down hostility and move toward peace.
Lead us beyond the armistice toward a true peace system,
and toward the path of a peace treaty.
Let broken relationships be restored.
Let blocked paths be opened,
so that exchange and cooperation may begin again.
Teach us to speak words of respect instead of threat,
and to build lasting trust beyond temporary interests.
In this year marking 81 years of division,
rekindle among us the flame of love for one another.
Grant us humble and patient hearts
to learn from each other
and to faithfully keep the promises we have made for peace.
God, we remember.
Forty years ago, in the small village of Glion in Switzerland,
we crossed the barriers of division,
called one another sisters and brothers,
and shared the same bread.
May that holy memory
when we confessed our unity in Christ beyond ideology and systems
open a new way for us today.
Let the churches of the South and the North
join hands once again
to pray and work together for peace on this land.
Where there is hatred, let there be reconciliation.
Where there is distrust, let there be trust.
Where there is confrontation, let there be dialogue.
Make us bridges of peace.
God, may the peace of the Korean Peninsula
not remain within this land alone.
May it become a path that loosens tensions in Northeast Asia
and a living witness that contributes to ending war and violence in the world.
We remember those who suffer from war in our time.
We cry out for lives being lost in the Middle East
and in many places around the world.
May our prayers become a voice,
our solidarity become action,
and even our smallest acts become seeds of just peace.
God, on this Easter morning,
call us again to commitment.
Make us not people who wait for peace,
but people who make peace.
With love that crosses the walls of division,
with respect and trust toward one another,
and with faith that overcomes fear,
make your church a community that brings closer the spring of this land.
Creator God, renew your love within us,
and through that love
lead us to cultivate peace in this land and in the world.
May our lives bear witness to the resurrection,
and may our steps become the path of peace.
We pray in the name of Jesus Christ,
who rose from the dead. Amen.
20 March 2026
Meditation

Im Nordwesten Kyotos, eingebettet zwischen den Hügeln, gibt es einige kleine Zen-Tempel zu entdecken. Einer davon, der Genko-an, hat es mir besonders angetan. Es ist ruhig hier, nicht von Touristen überlaufen, ein Zen-Garten lädt zum Meditieren ein. In der Haupthalle des Tempels sind seit 1694 zwei besondere Fenster zu sehen. Sie geben den Blick ins Grüne frei. Faszinierend ist vor allem die unterschiedliche Form. Vom Eingang her fällt als erstes das rechte, viereckige Fenster ins Auge, eingefasst von mit Papier bespannten Schiebefenstern mit dünnen Holzstreben in regelmäßigem Muster; links davon, näher zum buddhistischen Altar, das runde in eine ruhige weiße Wand eingelassen, von schlichten dunklen Balken umgeben. In der englischen Beschreibung wird das quadratische Fenster „Mayoi no mado“ 迷いの窓 als „Fenster der Täuschung […], das Verwirrung, Unwissenheit und Unreife impliziert, oder […] das Leben menschlichen Leidens“ erläutert; das runde „Satori no mado“ 悟りの窓 als „Fenster der Erkenntnis […], das Zen-Reife, Vollkommenheit und Erleuchtung impliziert“.
Mir kommen ähnliche Formen bzw. Symbole aus Kirchen in den Sinn, z.B. bei Taufsteinen. Oft ist deren Sockel quadratisch, während das Taufbecken oder die Taufschale rund ist (oder achteckig, entstanden aus Quadrat und Kreis; die Zahl 8 symbolisch für den Neuanfang nach 6 Tagen der Schöpfung und dem Ruhetag). Der Täufling wird mit seiner menschlichen, begrenzten Existenz (Viereck) vor Gott gebracht, der ihm mit seiner endlosen Liebe und Barmherzigkeit (Kreis) entgegenkommt und ihn annimmt. Im Leben finde ich mich oft auf der Seite des eckigen Fensters wieder mit Ecken und Kanten und vielerlei Begrenztheiten. Doch Gott umfängt mich mit seiner grenzenlosen Liebe. Er nimmt mich an, so wie ich bin. Er macht mich neu.
Carola Hoffmann-Richter
Vereint gegen Diskriminierung
Die Diskriminierung von Buraku in Japan und von Sinti und Roma in Deutschland funktioniert auf auffallend ähnliche Weise. Dies wurde während der 16. Landestagung des BLC, die vom 7.-9.10. in Aomori im Norden Japans stattfand, sehr deutlich. Ich hatte die Gelegenheit, teilzunehmen, da ich zur Gruppe der deutschen Gäste gehörte.

Konkrete Fallgeschichten von diskriminierten Buraku, Sinti und Roma, aber auch ehemaligen Lepra-Patienten (der erste Tag fand in einem ehem. Leprakrankenhaus statt) sowie Überlebenden von Fukushima machten deutlich, dass sonst oft getrennt voneinander betrachtete Formen der Diskriminierung viele Gemeinsamkeiten aufweisen - sowohl hinsichtlich der Art und Weise, wie sie sich äußert und auf die Betroffenen wirkt, als auch hinsichtlich dessen, wie die Menschen sich organisieren und Solidarität und Bündnisse aufbauen, um das tägliche Leben unter diesen Bedingungen zu ermöglichen und die Diskriminierung zu bekämpfen.
Die persönlichen Berichte machten deutlich, dass die Hauptleidensursache die Praxis der Diskriminierung ist. Sie überdeckt noch das Leid an Krankheit und konstituiert es im Fall der Sinti, Roma bzw. Buraku überhaupt erst – eine ethnische Herkunft in Indien bzw. bestimmte Berufe der Vorfahren in Japan sind kein Nachteil, solange nicht durch Diskriminierung ein sozialer Nachteil hergestellt wird. Auch Lepra wird erst durch die Diskriminierung zu dem Ausmaß an Belastung, das sie für die Betroffenen bedeutet(e). Es sind ebenfalls die konkreten Formen der Ausgrenzung, häufig z.B. von Bildung, Wohnungs- und Arbeitsmöglichkeiten, die entsprechende Stereotype „ungebildet“, „prekär“ erst zuschreibbar erscheinen lassen.
Im Kampf gegen Diskriminierung muss es also neben dem Abbau von stereotypen Darstellungen unbedingt um die gesellschaftlichen und institutionellen Faktoren gehen, die es erschweren, dass alle Menschen einander als gleichwertig begegnen. Deshalb ist es sinnvoll, dass die verschiedenen Engagements gegen die unterschiedlichen Formen der Diskriminierung aufgrund von Abstammung, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, Sexualität, Fähigkeiten und Gesundheit solidarisch miteinander verbunden sind. Denn sie haben das gemeinsame Ziel, es unverständlich zu machen, einen anderen Menschen als minderwertig anzusehen. Eine solche übergeordnete solidarische Perspektive trat im Austausch auf der Konferenz immer wieder hervor, gerade dadurch, dass sonst oft getrennt voneinander betrachtete Formen von Diskriminierung vergleichend und in Bezug zueinander betrachtet wurden.

Die Universalität, jedem anderen als gleichwertig zu begegnen, ging nicht zuletzt auch von der Musik aus, die es zwischen den Beiträgen immer wieder ermöglichte, Gehörtes zu verarbeiten und in Bewegung zu setzen. Wie ein Mitglied der Band „Die Drahtzieher“ es ausdrückte: „Vielleicht können wir Musik als eine weitere Möglichkeit betrachten, Diskriminierung abzubauen – auf einer stärker emotionalen und körperlichen Ebene.“
Hanna Hoffmann-Richter
Verhaftungswelle in chinesischen Hauskirchen
In der Volksrepublik China gelten seit Mitte September 2025 strenge Regeln, die jegliche Verbreitung religiöser Inhalte und die Organisation religiöser Aktivitäten jenseits staatlich kontrollierter Kanäle in sozialen Medien und im Internet untersagen. Diese Verschärfung stellt eine weitere Argumentation und ein neues Instrument dar, um gesetzlich gegen die Hauskirchenbewegung vorzugehen. So wurden im Oktober zeitgleich Leitungspersonen des Zion-Kirchennetzwerkes in verschiedenen Provinzen des Landes festgenommen und wegen „illegaler Nutzung des Internets“ unter Anklage gestellt. Die Verhaftungswelle stellt die größte koordinierte Strafaktion gegen nicht registrierte Kirchen seit Jahrzehnten dar. Bereits 2018 traten gesetzliche Regelungen in Kraft, die die Religionsausübung in China generell in enger definierten und staatlich autorisierten Räumen festlegen sollten. Evangelische Gläubige sollten sich nur noch in registrierten Gemeinden der Dachorganisationen der Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung und des Chinesischen Christenrates versammeln.
Isabel Friemann, China InfoStelle
Abschied und Neubeginn im EMS-Ostasienreferat
Pfr. Solomon Benjamin, der seit 2016 das Verbindungsreferat Indien und Ostasien in der EMS geleitet hat, wurde am 26. November in einem Gottesdienst und mit einem Empfang in Stuttgart in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

Die DOAM ist ihm für sein vielfältiges Wirken, insbesondere in der Verbindung zu Kirchen in Korea und Japan sehr dankbar, konnte sie doch immer wieder daran anknüpfen. Sein Interesse am interreligiösen Lernen zeigte sich z.B. in seinem Engagement in der EMS für ein neues interreligiöses Studienprogramm am Henry-Martyn-Institut in Hyderabad, Indien, neben dem bereits bestehenden in Japan. Darüber hinaus begleitete Benjamin den Prozess, außer der südindischen noch eine zweite große Kirche Indiens, nämlich die von Nordindien, in die EMS-Familie aufzunehmen (2024).
Nach dem Beschluss des internationalen Missionsrats wird in der Konsequenz in der Geschäftsstelle das zwischenzeitliche „Verbindungsreferat Indien und Ostasien“ wieder in ein Indien- und ein Ostasienreferat geteilt. Dies hatte die DOAM aufgrund der übergroßen Arbeitsbelastung im Referat schon lange angemahnt. Beide Referent*innenstellen sollen nun möglichst zu 100% wieder besetzt werden, was allerdings nur mit Hilfe finanzieller Unterstützung der indischen bzw. koreanischen Kirchen gelingen kann. Die Nachfolge von Solomon Benjamin (CSI) wird für den Bereich Ostasien Rev. HAN Kang-Hee (PROK) antreten. Der PROK gebührt großer Dank, dass sie dies durch ihren finanziellen Beitrag ermöglicht und damit der Internationalisierung der EMS-Gemeinschaft sichtbar Ausdruck verleiht.
CHR































