A New Naval Base with Nuclear Weapons!

Was geschah 1948, warum 50 Jahre Geheimhaltung - und nun atomare Zukunft?

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Chejus Makel

Unruhe auf südkoreanischer Insel. Protest von Fischern und Bauern gegen den Bau einer Marinebasis

Von Rainer Werning

»Rettet Jeju – Kein Marinestützpunkt auf Jeju« – »Wir wollen hier keinen Krieg!« – »Kampf bis zum Tod gegen die US-imperialistische Anti-China-Marinebasis!« Solche und ähnlich lautende Parolen in Südkorea würde man bei politischen Protestmärschen vermuten. Nicht jedoch in einem Dorf wie Gangjeong mit seinen gerade mal knapp 2000 Seelen. Noch bis vor kurzem gingen dessen meist bäuerlichen und Fischerhaushalte friedlich ihrer Arbeit nach und führten ein beschauliches Leben.

Spätestens seit den Weihnachtstagen 2010 ist es mit der Idylle in Gangjeong vorbei. Ausgerechnet dort, im Südwesten der Insel Jeju, will die südkoreanische Marine für umgerechnet 970 Millionen US-Dollar einen Stützpunkt errichten, der Platz für 20 Kriegsschiffe (inklusive Unterseeboote) und zwei Luxusliner bietet. 2014 soll die Basis fertiggestellt sein. Der Löwenanteil der Bewohner von Gangjeong ist strikt gegen die Errichtung der Marinebasis, für die fruchtbares Ackerland, Korallenbänke, Gärten und buddhistische Tempel weichen müssen.  Seit Jahresbeginn werden die Bauarbeiten von wachsenden Protesten der lokalen Bevölkerung begleitet. Jung und alt, Fischer und Mandarinenbauern haben Zelte aufgebaut und Protestplakate installiert. Im Januar 2011 versammelten sich Pastoren aus verschiedenen Gemeinden auf Jeju zu einem theologischen Seminar und veröffentlichten am Ende ihres Treffens ein »Manifest des Friedens 2011«. Darin wird der Bau der Marinebasis als »Versündigung gegen Mensch und Natur« gewertet. Seit dem Frühjahr kam es zu Hungerstreiks gegen die Baumaßnahmen, denen sich auch der Bürgermeister von Gangjeong, Kang Dong-Kyun, anschloss. Wiederholt gab es Verletzte unter den Demonstranten, als diese anrückende Baumaschinen blockierten. Seit Mitte Mai erfolgten erste Festnahmen. Doch die Bewohner von Gangjeong stehen nicht allein in ihrem Widerstand. Solidaritätsbotschaften haben die Protestierenden beispielsweise aus Okinawa erhalten, wo sich die Bevölkerung seit Jahren für die Verlegung beziehungsweise Schließung der US-Militärbasis starkmacht. Jeju, weniger als 100 Kilometer südlich vom südkoreanischen Festland gelegen, ist die Trauminsel vieler Touristen und Jungvermählter aus dem In- wie Ausland. Jährlich verschlägt es etwa vier Millionen von ihnen auf dieses subtropische Eiland. Einige Flecken der Insel hat die UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Beide, das südkoreanische Festland und die Insel Jeju, verbindet aber auch ein »Makel«; seine geostrategische Lage wurde (Süd-)Korea in der Geschichte mehrfach zum Verhängnis. Eingekeilt zwischen China und Japan, verlaufen ausgerechnet in seinen Gewässern bedeutsame Schifffahrtsrouten, wo überdies riesige Öl- und Gasvorkommen vermutet werden, auf die außer den Nachbarländern auch die USA begehrliche Blicke geworfen haben. Während die Regierung in Seoul den Bau der Marinebasis mit dem Argument befürwortet, nur so ließen sich die Seewege für seine Ölimporte und wachsenden Ausfuhren auf lange Sicht sichern, betrachten die meisten Menschen in Gangjeong und Aktivisten der Bewegung gegen den Marinestützpunkt andere Motive als ausschlaggebend. Sie befürchten nicht nur, dass das Ökosystem in der Region auf Dauer zerstört wird, sondern dass diese Basis für Südkoreas engsten Verbündeten, die USA, einen vorgeschobenen Brückenkopf gegen China bedeutet. Offiziell wiegelt man in Seoul und Washington gleichermaßen ab. Nein, heißt es in beiden Hauptstädten: weder seien die USA am Bau des neuen Marinestützpunkts beteiligt noch richte sich dieser gegen ein bestimmtes Land. Die südkoreanische Regierung versucht den Spagat, gleichzeitig mit der Bekräftigung seiner von den USA »geschützten Sicherheitsinteressen« das Verhältnis zu Peking zu vertiefen. Schließlich übersteigt der südkoreanische Handelsaustausch mit China längst Seouls kombiniertes Handelsvolumen mit den USA und Japan. In den vergangenen Jahren war zwischen Peking und Washington ein Streit über die Einbindung der südkoreanischen Streitkräfte in ein von den USA entwickeltes Raketenabwehrsystem entbrannt. Dieser Streit verschärfte sich, als die südkoreanische Marine dazu überging, ihrer Flotte moderne KDX-III-Zerstörer hinzuzufügen, die mit dem amerikanischen Aegis-Frühwarn- und Feuerleitsystem ausgestattet sind. Während sich China dadurch herausgefordert und bedroht sieht, wertet man in Washington, Seoul und Tokio diese Maßnahme unisono als Schutz vor Raketenangriffen aus Nordkorea. Jejus »Ruhe und Ordnung« sollen nunmehr 1200 Polizisten garantieren, von denen 500 eigens vom Festland auf die Insel verschifft wurden.

(August 2011) Mit freundlicher Erlaubnis des Autors.

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