2012: Workshop - ein nicht genehmigter workshop

Kriegsdienstverweigerung KDV  - Conscientiuous Objection CO  -  in Korea

ein nicht genehmigter Workshop

Es war ein überraschendes Weihnachtsgeschenk Ende 2012, als der Antrag der DOAM beim ÖRK abgelehnt wurde, während der Vollversammlung des ÖRK in Pusan einen Workshop zur Kriegsdienstverweigerung durchzuführen. Wir waren nach der Lektüre verschiedener Dokumente des ÖRK davon ausgegangen, dass Kriegsdienstverweigerung beim ÖRK ein Anliegen mit höchster Dringlichkeit sei. Immerhin gab es im Zusammenhang mit der Dekade zur Überwindung von Gewalt im Jahre 2009 ein überaus deutliches Votum "The Right of Conscientious Objection to Military Service", das vom Zentralausschuss am 1.9.2009 bestätigt worden war. Gespräche mit Kriegsdienstverweigerern in Südkorea und mit ihren Unterstützern schon in den Monaten zuvor, aber auch nach diesem Bescheid des ÖKR zu Weihnachten 2012 wurde uns deutlich, dass gerade dieses Thema in Südkorea nicht willkommen geheißen werden würde, ja, dass es wohl keinerlei Unterstützung durch die Partnerkirchen geben kann. Die Verweigerer haben durchweg keinerlei Vertrauen zu den Kirchen und deren Mitglieder, sie begegnen dort keinem Verständnis und erhalten keinerlei Unterstützung. "Wir werden allein gelassen. Es wird uns gesagt, meine Verweigerung sei mein privates Problem, mit dem ich selber fertig werden müsse. Als Kirche könne man sich da nicht einmischen."

Dahinter steht freilich die Erfahrung eines geteilten Landes, jahrzehntelang getrieben durch die "Gefahr aus dem Norden", der begegnet werden muss und wofür jeder Mann benötigt wird. So wird Kriegsdienstverweigerung zum Landesverrat und bestraft mit derzeit 18 Monaten Gefängnis. Nein, einen Wehrersatzdienst, wie er von der UNO seit Jahren gefordert, gibt es nicht. Der zweite demokratisch gewählt Präsident, ROH Moo-Hyun, hatte ein entsprechendes Gesetz versprochen, aber sein Nachfolger, LEE Myung-Bak, hat es kurzerhand als irrelevant beiseite gelegt.

In Zusammenarbeit von "Connection e.V. aus Offenbach und Quäker (eine der Friedenskirchen) bzw. deren United Nation's Office in Genf wurde eine Kurzinformation erarbeitet (verkürzt): "Seit den 50er Jahren verweigern vor allem Zeugen Jehovas den Kriegsdienst in Südkorea. Seit 2000 gibt es immer mehr politische Aktivisten und Pazifisten, die den Kriegsdienst aus Gewissengründen verweigern. Sie werden unterstützt von örtlichen Gruppen und internationalen Organisationen. Die Menschenrechtskommission der UN hat Südkorea vor kurzem dazu aufgefordert, die Grundlagen für eine Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen vorzubereiten. Dem wollte die Regierung von RHO entsprechen.

Seit den 50er Jahren haben über 15.000 Verweigerer aus Gewissensgründen eine Gefängnisstrafe abgesessen. Jedes Jahr verweigern etwa 900 wehrpflichtige junge Männer den Kriegsdienst, die meisten sind Zeugen Jehovas. Dazu kommen aber eine Reihe Angehörige anderer Religionszugehörigkeit und Pazifisten. Wer sich dem Wehrdienst entzieht, wird mit Gefängnis bis zu drei Jahren bestraft. Dem so Verurteilten sind manche Berufe verschlossen.

Unser Workshop fand statt. Am 26. Oktober von 14-18 Uhr. Im Großen Saal des NCCK. Ermöglicht wurde dies durch eine enge Kooperation in Korea zwischen Wehrdienstverweigerern, Unterstützergruppen, Mennoniten, Quäker, KNCC-Vertreter, AI usw. Offizielle Vertreter der Partnerkirchen waren nicht anwesend. Aber etwa 10 Verweigerer und ihre Unterstützer, dazu auch noch etwa 20 interessierte und bereits engagierte Personen, Männer wie Frauen. Den größten Raum bekam unser Vorstandsmitglied Dr. Fernando Enns zugeteilt für seinen Vortrag "Das Recht auf Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen", mit dem er sich auf ein Studienpapier des ÖRK zum Thema aus dem Jahre 2009 bezog (erwachsen aus der Arbeit der Dekade zur Überwindung von Gewalt). Es geht in Korea nicht darum - wie in Deutschland inzwischen geschehen - die allgemeine Wehrpflicht abzuschaffen, sondern um eine Begleitung von Kriegsdienstverweigerern und die Schaffung eines Wehrersatzdienstes.

Es war ermutigend zu sehen, dass doch mehr als 40 Personen am workshop teilgenommen haben. Auch wo immer wir später davon berichteten, war das Interesse der koreanischen Gesprächspartner groß und eine verhaltene Bereitschaft, sich zu engagieren, vorhanden. Allerdings mag (noch) keine der Kirchen in Südkorea sich offiziell einschalten. Zu tief sitzt einerseits die Angst vor einem aggressiven Nordkorea, andererseits die Furcht davor, ins Fadenkreuz des südkoreanischen Geheimdienstes zu geraten (der seit der letzten Präsidentenwahl in der Gesellschaft wieder sehr präsent ist).

In verschiedenen Gremien der Vollversammlung wurde das Problem der Kriegsdienstverweigerung eingebracht. Jedoch gab es immer wieder Voten, die sich gegen eine Erinnerung an diese Aufgabe des ÖRK (siehe das Dokument von 2009 "The Right of Conscientious Objection to Military Service" und das Protokoll des Zentralausschusses vom 1.9.2009) wendeten. Sehr stark und immer wieder wurde sie von den Vertretern der Friedenskirchen (Mennoniten und Quäker, die sich auch aktiv am Workshop beteiligten) unterstützt. Diese wollen sich künftig, so wie DOAM auch, für die Unterstützung der Verweigerer und ihrer Helfer in Südkorea einsetzen. Besonders dankbar sind wir für die Unterstützung dieses Anliegens schon im Vorfeld und dann auch bis Pusan durch die EAK (Evang. Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden) und den Leiter der "Arbeitsstelle für Frieden und Umwelt" in der Pfälzischen Landeskirche, Pfr. Friedhelm Schneider. Es wird uns allen weiterhin darum gehen, einen Konsens mit den kor. Partnerkirchen darüber zu erreichen, dass es zur Aufgabe einer christlichen Kirche gehört, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen zu verteidigen und die Betroffenen in ihrer schwierigen Entscheidung, Gefängnis oder Militärbarracke, zu begleiten.

Quelle:  Informationsbrief der DOAM 2013/3





 

Wehrdienstverw.

Ev. Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden

      Connection e.V.Internationale Arbeit für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure

European Bureau for Conscientious Objection, Brüssels
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